Am 28. August hält Anders Karlsson, außerordentlicher Professor an der SOAS University of London, im Grand Mercure Imperial Palace Seoul Gangnam seinen Vortrag beim „International Translators' Summit“ ⓒ Xu Aiying
Von Xu Aiying
Das Literature Translation Institute of Korea richtete am 28. August anlässlich seines 30-jährigen Bestehens im Grand Mercure Imperial Palace Seoul Gangnam den „International Translators' Summit“ aus.
Anders Karlsson, außerordentlicher Professor an der SOAS University of London, blickte in seiner Keynote darauf zurück, wie die koreanische Literatur einem weltweiten Publikum bekannt gemacht wurde. Zugleich würdigte er die weltweite Verbreitung der koreanischen Literatur.
Karlsson sagte: „Ich erinnere mich daran, dass man mir vor 30 Jahren in einer großen Buchhandlung in London sagte, ich solle bei den Büchern über Südostasien nach Büchern über Korea suchen. Heute werden in den Londoner Buchhandlungen zahlreiche koreanische Bücher an gut sichtbaren Stellen präsentiert.“
„Ich möchte feiern, dass koreanische Autorinnen und Autoren sowie ihre Werke heute weltweit große Anerkennung finden“, fügte er hinzu.
Karlsson ist seit den 1990er-Jahren als Übersetzer tätig und übersetzte Werke koreanischer Autoren wie Yi Mun-yol und Hwang Sok-young ins Schwedische. Mit seinen schwedischen Übersetzungen von Han Kangs Werken, darunter „Unmöglicher Abschied“ und „Weiß“, trug er zu ihrer Auszeichnung mit dem Nobelpreis für Literatur bei.
Bei der Nobelvorlesung von Han Kang, die im Dezember 2024 in der Schwedischen Akademie in Stockholm stattfand, übersetzte er auch den Vortragstext „Licht und Faden“ von Han Kang ins Schwedische.
Am 28. August findet der „International Translators' Summit“ im Grand Mercure Imperial Palace Seoul Gangnam statt. Von links: KyungEon Yang, Literaturkritikerin und außerordentliche Professorin am Fachbereich Kreatives Schreiben der Chosun-Universität, Cristina Bahon Arnaiz, Assistenzprofessorin an der Autonomen Universität Madrid, und Irène Thirouin-Jung, Dozentin für französische Kultur an der Sogang-Universität ⓒ Literature Translation Institute of Korea
Die teilnehmenden Referenten nannten die universellen menschlichen Erfahrungen, die in den Werken zum Ausdruck kommen, als Grund dafür, dass die koreanische Literatur weltweit auf Resonanz bei den Leserinnen und Lesern stößt.
Cristina Bahon Arnaiz, Assistenzprofessorin an der Autonomen Universität Madrid, sagte: „Eine der wichtigen ästhetischen Errungenschaften der koreanischen Literatur ist die ‚Empathie‘. Die Werke gehen zwar von einer bestimmten Kultur und Gesellschaft aus, gewinnen jedoch durch die Übersetzung an Universalität und können dadurch bei Leserinnen und Lesern weltweit Anklang finden. In vergleichender literaturwissenschaftlicher Hinsicht ist dies von großer Bedeutung.“
Die Diskussion über die Rolle der Übersetzer wurde fortgesetzt. Irène Thirouin-Jung, Dozentin für französische Kultur an der Sogang-Universität, die koreanische Literatur ins Französische übersetzt, teilte ihre Erfahrungen mit den vielfältigen Entscheidungen und Abwägungen, die sie beim Übersetzen trifft. Sie definierte Übersetzer als Menschen, die Strategien entwickeln, Texte verändern und fortlaufend ästhetische Entscheidungen treffen.
Im Zeitalter der generativen KI waren sich die Teilnehmenden einig, dass die Rolle menschlicher Übersetzer angesichts der zunehmenden Effizienz und Erweiterbarkeit durch KI vom bisherigen „Übermittler“ zum „ethischen Vermittler“ erweitert werden sollte.
Sang-Bin Lee, Professor an der Hankuk University of Foreign Studies, erklärte: „Menschliche Übersetzer sind für Bereiche zuständig, die von der Technologie nicht übernommen werden können, darunter die Beziehung zum Anderen, Verantwortung und Erwiderung. Übersetzer übertragen nicht nur Texte, sondern gestalten auch den ethischen Kontext und bestimmen, wie die Stimme des Anderen hörbar werden soll.“
„Im Mittelpunkt des Übersetzungsdiskurses steht nicht der Wettbewerb zwischen Menschen und KI“, erklärte er.
„Die Zukunft der Übersetzung liegt in einer Ästhetik der Unterschiede, die sich aus der Dualisierung des Übersetzungsbegriffs entwickelt. Die eine ist die technologische Übersetzung, die nach Effizienz und Erweiterbarkeit strebt, die andere die ethische Übersetzung, die auf Verantwortung und Erwiderung ausgerichtet ist. Beide können niemals dasselbe sein“, fügte er hinzu.
xuaiy@korea.kr