Ehrenberichterstatter

05.06.2026

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Spielerinnen von Suwon FC Women und Naegohyang Women’s FC versammeln sich kurz vor Anpfiff jeweils im Mannschaftskreis, bevor das historische Halbfinale der AFC Women’s Champions League im Suwon Sports Complex beginnt

Spielerinnen von Suwon FC Women und Naegohyang Women’s FC versammeln sich kurz vor Anpfiff jeweils im Mannschaftskreis, bevor das historische Halbfinale der AFC Women’s Champions League im Suwon Sports Complex beginnt



Von Ehrenberichterstatter Pascal Pewesdorf aus Deutschland | Fotos: Pascal Pewesdorf

Am Mittwochabend trafen im Suwon Sports Complex Suwon FC Women aus der Republik Korea und Naegohyang Women's FC aus Pjöngjang im Halbfinale der AFC Women's Champions League aufeinander. Das Spiel hatte bereits Tage zuvor landesweit für Aufmerksamkeit gesorgt: Zum ersten Mal seit acht Jahren reiste wieder eine nordkoreanische Sportmannschaft in den Süden, und es war das erste Frauenfußballspiel zwischen Mannschaften beider koreanischer Staaten auf koreanischem Boden überhaupt. Viele Zuschauer kamen deshalb nicht nur wegen des sportlichen Wettbewerbs, sondern auch wegen des Moments selbst.

Ich hatte erwartet, dass sich der Abend anders anfühlen würde: angespannt, aufgeladen, irgendwie außergewöhnlich. Nationale und internationale Medien hatten die Begegnung im Vorfeld entsprechend inszeniert. Unter grauem Himmel und anhaltendem Regen versammelten sich mehr als 5000 Zuschauer im Stadion. Doch je länger der Abend dauerte, desto mehr wich diese Erwartung einer merkwürdigen Normalität. Die Bedeutung blieb stets präsent, rückte während des Spiels aber zunehmend in den Hintergrund. Am Ende blieb vor allem der Eindruck eines intensiven und einfach sehr guten Fußballspiels.

Trotz des Wetters war das Stadion überraschend gut gefüllt, viele harrten mit Regenponchos und Schirmen bis zum Abpfiff aus. Besonders auffällig war die Suwon-Fankurve, die ihre Mannschaft nahezu ohne Unterbrechung mit Gesängen antrieb. Der Rest des Stadions wirkte gemischter: Viele schienen weniger als klassische Fußballfans gekommen zu sein als wegen der besonderen Umstände. Gleichzeitig waren auch Unterstützer aus Pjöngjang im Stadion, die ihrerseits hörbar anfeuerten, was eine ungewöhnliche Stimmung erzeugte, die sich irgendwie gleichzeitig historisch und entspannt anfühlte.

Zuschauer im Suwon Sports Complex verfolgen das Halbfinale trotz anhaltenden Regens mit Ponchos und Regenschirmen

Zuschauer im Suwon Sports Complex verfolgen das Halbfinale trotz anhaltenden Regens mit Ponchos und Regenschirmen


Auffällig war auch, wie wenig Hochsicherheit der Abend ausstrahlte. Anders als bei vielen Bundesligaspielen in Deutschland war kaum Sicherheitspersonal sichtbar, die Einlasskontrollen verliefen ruhig, am Spielfeldrand gab es keine Ordner, die permanent die Ränge beobachteten. Auch das Publikum selbst verhielt sich bemerkenswert gelassen, kein Gedränge am Eingang, keine Hektik nach dem Schlusspfiff, selbst vor den Toiletten bildeten sich geordnete Schlangen. Dadurch wirkte der Abend beinahe wie ein gewöhnliches Freundschaftsspiel.

Auch auf dem Platz gaben sich die Spielerinnen gelassen. Beide Mannschaften konzentrierten sich vollständig auf das Sportliche und spielten mit hohem Tempo, großem Einsatz und bemerkenswerter Ruhe. In der ersten Halbzeit war Suwon das bessere Team, erspielte sich mehrere gute Chancen, ging aber trotzdem mit einem 0:0 in die Pause. Nach dem Seitenwechsel übernahm Pjöngjang das Spiel zunehmend, kombinierte schneller und agierte effizienter vor dem Tor. Suwon kam zwar weiter zu Chancen, darunter auch ein Elfmeter, der jedoch nicht verwandelt wurde. Am Ende setzte sich Naegohyang mit 2:1 durch und zog ins Finale der AFC Women's Champions League ein.

Spielerinnen von Suwon FC Women und Naegohyang Women’s FC kämpfen im strömenden Regen um den Ball

Spielerinnen von Suwon FC Women und Naegohyang Women’s FC kämpfen im strömenden Regen um den Ball


Die koreanische Halbinsel wird international meist mit Spannungen und politischen Krisen assoziiert. Dieser Abend zeigte etwas anderes: Menschen, die gemeinsam Sport schauen, applaudieren und einen seltenen Moment miteinander erleben. Rein sportlich war es ein unterhaltsames Spiel mit Tempo, Chancen und Einsatz auf beiden Seiten. Aber gerade diese Kombination aus dem Gewichtigen und dem Gewöhnlichen hat den Abend für mich besonders gemacht. Vielleicht kann genau das in Zukunft häufiger Teil der Realität auf der koreanischen Halbinsel werden.

Dieser Artikel wurde von einem Korea.net-Ehrenberichterstatter verfasst. Unsere ehrenamtlichen Reporter kommen aus der ganzen Welt und teilen ihre Liebe und Leidenschaft über alle Dinge in Korea.

dlektha0319@korea.kr