Im Rahmen des 30-jährigen Pokémon-Jubiläums integriert der „Pokémon Secret Forest“ Figuren verschiedener Pokémon-Generationen in die Seoul International Garden Show 2026 © Emma Kim
Von Ehrenberichterstatterin Jasmin Mikolay aus Deutschland
Die Seoul International Garden Show verwandelt öffentliche Grünflächen in Seoul jedes Jahr in weitläufige Erlebnisräume aus Natur, Design und Kultur. Während im Rahmen der diesjährigen Ausgabe, die seit dem 1. Mai 2026 läuft, insgesamt 167 thematische Gärten präsentiert werden, entwickelte sich vor allem ein Bereich innerhalb kürzester Zeit zu einem unerwarteten Publikumsmagneten: der sogenannte „Pokémon Secret Forest“ im Seoul Forest.
Der Garten entstand im Rahmen der diesjährigen „Pokémon Mega Festa 2026“, mit der in Korea auch das weltweite 30-jährige Jubiläum der Pokémon-Reihe gefeiert wird. Bereits kurz nach der Eröffnung verbreiteten sich Bilder langer Warteschlangen und dicht gefüllter Besucherbereiche in sozialen Medien. Aufgrund des großen Besucherandrangs müssen sich Besucher:innen für den Zugang zum „Pokémon Secret Forest“ über ein digitales Wartesystem registrieren. Der Eintritt selbst ist kostenlos.
Gerade diese Verbindung aus Natur und Nostalgie machte den Garten für mich sofort interessant. Als jemand, der selbst mit Pokémon aufgewachsen ist, wirkte der große Besucherandrang rund um den „Pokémon Secret Forest“ auf mich deshalb weniger überraschend als vielmehr nachvollziehbar.
Der aktuelle Hype erinnert an den Pokémon-Brottrend
Die Begeisterung rund um den aktuellen Pokémon-Garten erinnert an einen Trend, der Korea bereits vor einigen Jahren regelrecht erfasst hatte. Bereits 2022 entwickelte sich das sogenannte Pokémon-Brot mit den berühmten 띠부씰-Sammelstickern zu einem landesweiten Phänomen. Produkte waren vielerorts innerhalb kürzester Zeit ausverkauft und Bilder leerer Supermarktregale verbreiteten sich schnell online.
Die Begeisterung reichte dabei weit über Kinder hinaus. Auch viele Erwachsene suchten gezielt nach seltenen Stickern oder tauschten ihre Sammlungen über soziale Medien miteinander aus. Selbst BTS-Mitglied RM sprach damals öffentlich darüber, mehrere Convenience Stores nach dem beliebten Pokémon-Brot abgesucht zu haben.
Besonders interessant wirkte dabei weniger das Produkt selbst als vielmehr die emotionale Reaktion vieler Menschen darauf. Pokémon schien bei vielen Erinnerungen an Schulzeiten, Nachmittage vor dem Fernseher oder frühere Sammelleidenschaften auszulösen. Gerade diese generationenübergreifende Nostalgie verlieh dem Trend eine ungewöhnliche Dynamik.
Auch ich erinnere mich noch gut daran, wie präsent der Hype damals plötzlich online wurde. Immer wieder tauchten Bilder von Sticker-Sammlungen oder ausverkauften Produkten auf. Gerade deshalb wirkt der aktuelle Pokémon-Garten auf mich fast wie eine ruhigere Fortsetzung dieser damaligen Nostalgiewelle, nur diesmal zwischen Blumenbeeten, Waldwegen und öffentlichen Grünflächen.
Das Pokémon-Brot mit den berühmten 띠부씰-Sammelstickern entwickelte sich 2022 in Korea zu einem landesweiten Nostalgie- und Sammeltrend © Jasmin Mikolay
Vom „Metamong Garden“ zum „Pokémon Secret Forest“
Schon bei der Seoul International Garden Show 2025 im Boramae Park wurde mit einem kleineren „Metamong Garden“ rund um das Pokémon Metamong (dt. Ditto) erstmals ein größeres Pokémon-Thema innerhalb der Veranstaltung aufgegriffen. Zwischen lavendelfarbenen Pflanzenlandschaften und versteckten Figuren entstand damals ein verspielter Gartenbereich, der vor allem in sozialen Medien Aufmerksamkeit erhielt.
Die diesjährige Ausgabe erweitert das Konzept jedoch deutlich. Zwischen thematischen Waldwegen, interaktiven Erlebniszonen und bekannten Pokémon-Figuren entstand 2026 im Seoul Forest eine deutlich größere und immersivere Erlebnislandschaft rund um Pokémon. Ergänzt wird die Installation zudem durch verschiedene Fotobereiche sowie einen temporären „Healing Forest Store“ mit Pokémon-Merchandise innerhalb des Waldbereichs.
Gleichzeitig zeigt sich daran auch, wie stark sich die Veranstaltung in den vergangenen Jahren verändert hat. Seit ihrer Einführung im Jahr 2015 verbindet die Seoul International Garden Show zunehmend klassische Gartenarchitektur mit modernen Kultur- und Lifestyletrends. Öffentliche Grünflächen werden dadurch nicht nur als Orte der Erholung genutzt, sondern immer stärker als emotionale Erlebnis- und Begegnungsräume gestaltet.
▶️ Ort:
Pokémon Secret Forest, Seoul Forest (서울숲), 273, Ttukseom-ro, Seongdong-gu, Seoul (nahe der Station Seoul Forest, Linie Bundang)
▶️ Veranstaltung: Seoul International Garden Show 2026
▶️ Laufzeit der Gartenausstellung: bis 27. Oktober 2026
▶️ Pokémon-Bereich „Pokémon Secret Forest“: Bis 21. Juni 2026
▶️ Öffnungszeiten des „Pokémon Secret Forest“: 12:00–19:00 Uhr
▶️ Registrierung für den Zugang zum „Pokémon Secret Forest“: Ab 07:00 Uhr vor Ort über ein digitales QR-Wartesystem möglich
▶️ Eintritt: kostenlos
Mit lavendelfarbenen Pflanzenlandschaften und versteckten Metamong-Figuren (dt. Ditto) brachte der „Metamong Garden“ 2025 erstmals größere Pokémon-Elemente in die Seoul International Garden Show © Lee Jeong Woo/Korea.net, Emma Kim
Wenn Nostalgie Teil moderner Stadtkultur wird
Besonders spannend finde ich dabei, wie selbstverständlich Korea inzwischen Popkultur in öffentliche Räume integriert. Statt reine Konsumorte zu schaffen, entstehen häufig Erlebnisflächen, die emotional wirken und gleichzeitig stark visuell geprägt sind. Gerade soziale Medien verstärken diesen Effekt zusätzlich.
Während meiner Recherchen zu aktuellen Kultur- und Lifestyletrends in Korea fällt immer wieder auf, wie stark nostalgische Themen heute auch junge Erwachsene ansprechen. Alte Figuren, Retro-Produkte oder Neuinterpretationen bekannter Kindheitserinnerungen entwickeln sich zunehmend zu gemeinsamen kulturellen Erlebnissen.
Der Pokémon-Garten reiht sich genau in diese Entwicklung ein. Viele Besucher:innen fotografieren dort offenbar nicht nur bekannte Figuren wie Pikachu oder Tragosso, sondern verbinden den Ort gleichzeitig mit persönlichen Erinnerungen. Gerade die Verbindung aus Natur, Nostalgie und interaktiven Erlebnisbereichen macht den Garten dabei für unterschiedliche Generationen gleichermaßen attraktiv.
Holzstege, Baumhäuser und versteckte Tragosso-Figuren schaffen im „Pokémon Secret Forest“ der Seoul International Garden Show 2026 eine naturnahe Erlebnislandschaft im Seoul Forest © Emma Kim
Zwischen Natur und Kindheitserinnerungen
Der aktuelle Erfolg des Pokémon-Gartens zeigt vor allem, wie stark nostalgische Themen heute Menschen unterschiedlicher Generationen ansprechen können. Zwischen Blumen, Waldwegen und vertrauten Figuren entsteht im Seoul Forest ein Ort, der für viele Besucher:innen offenbar weit mehr ist als nur ein weiterer Fotospot.
Für mich erinnert der große Andrang rund um den Garten deshalb weniger an einen gewöhnlichen Pop-up-Hype, sondern eher an das Gefühl, das bereits der Pokémon-Brottrend 2022 ausgelöst hatte. Damals schien es plötzlich nicht mehr nur um Sticker oder Produkte zu gehen, sondern um gemeinsame Erinnerungen vieler Menschen, die mit denselben Figuren aufgewachsen sind.
Genau diese Stimmung scheint nun im Seoul Forest erneut sichtbar zu werden, nur diesmal nicht in Supermärkten oder Convenience-Stores, sondern mitten zwischen Pflanzen, Spazierwegen und Gartenlandschaften.
Vielleicht liegt gerade darin der besondere Reiz des Pokémon-Gartens: Er verbindet Nostalgie nicht nur mit Erinnerungen an die Vergangenheit, sondern mit einem öffentlichen Erlebnisraum, den Menschen heute gemeinsam entdecken und erleben können.
Dieser Artikel wurde von einem Korea.net-Ehrenberichterstatterin verfasst. Unsere ehrenamtlichen Reporter kommen aus der ganzen Welt und teilen ihre Liebe und Leidenschaft über alle Dinge in Korea.
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