Mit koreanischen Freunden vor Schloss Neuschwanstein, dem neuesten UNESCO-Weltkulturerbe Deutschlands © Manuel Guthmann
Von Ehrenberichterstatter Manuel Guthmann aus Deutschland
Einmal im Jahr entscheidet die UNESCO, welche Orte der Welt als Weltkulturerbe anerkannt werden. Im Juli 2026 passiert das zum ersten Mal in Korea. Busan richtet vom 19. bis 29. Juli die 48. Sitzung des Welterbekomitees aus, 3.000 Teilnehmer aus 196 Ländern werden erwartet. Für Korea ist das ein historischer Moment, und er zeigt, welches Gewicht das Land in der Welt des Kulturerbes hat.
Ich selbst wohne in Deutschland nicht weit vom Schloss Herrenchiemsee, das die UNESCO vor Kurzem gemeinsam mit Schloss Neuschwanstein und den anderen Königsschlössern Ludwigs II. in die Welterbeliste aufgenommen hat. Deutschland zählt damit 55 UNESCO-Welterbestätten. Neuschwanstein gehört zu den bekanntesten und meistbesuchten Reisezielen der Welt und trägt seit 2025 den UNESCO-Titel.
Als koreanische Freunde mich vor Kurzem besuchten, stand Neuschwanstein ganz oben auf ihrer kulturellen Bucket List. Kein Wunder: Neuschwanstein ist eines der beliebtesten touristischen Ziele und für viele Koreaner ist es das Märchenschloss schlechthin. Sie nennen es 동화 속 풍경, auch, weil es als Vorlage für Disneys Dornröschenschloss gilt und auch als technisches Meisterwerk seiner Zeit bekannt ist.
Da ein Weltkulturerbe ein Ort ist, der für die gesamte Menschheit von Bedeutung ist, hat mich dies dazu gebracht, genauer hinzuschauen, welche Stätten in Korea die UNESCO als Welterbe anerkannt hat.
In Korea gibt es derzeit 17 solcher Welterbestätten. Ich habe einige davon ausgewählt, die besonders gut zeigen, welche Geschichten das Land bereithält.
Der Steinweg im Jongmyo-Schrein, dessen mittlere Spur den Seelen der verstorbenen Könige vorbehalten war © Manuel Guthmann
Jongmyo, der königliche Ahnentempel in Seoul
Mitten in Seoul, unweit des Changdeokgung-Palastes, liegt Jongmyo. Die Anlage wurde Ende des 14. Jahrhunderts unter der Joseon-Dynastie gebaut und diente ausschließlich den Ahnenritualen des Königshauses. Die Anlage ist schlicht gehalten, fast streng. Lange, niedrige Hallen ziehen sich über einen weiten Platz, ohne Ornamente oder Farben, die ablenken würden.
Als ich durch die Anlage ging, sah ich im Zentrum einen großen Hof mit einem breiten Steinweg. Er ist in drei Bereiche geteilt, die mittlere Spur ist leicht erhöht. Sie war den Seelen der verstorbenen Könige vorbehalten. Besucher gehen links oder rechts daneben. Am Ende des Hofes steht die Halle Jeongjeon, in der die Ahnentafeln aller Könige und Königinnen der Joseon-Dynastie aufbewahrt werden.
Jeder Herrscher der Dynastie ist dort vertreten. Die Könige kamen für Zeremonien hierher, es gab feste Abläufe und klare Wegeführungen. Einmal im Jahr wird hier das Jongmyo-Jerye abgehalten, ein konfuzianisches Zeremoniell mit Musik und Tanz, das seit Jahrhunderten nahezu unverändert weitergegeben wird. Die UNESCO hat sowohl den Tempel als auch das Ritual selbst als Welterbe anerkannt.
Viele Besucher in Seoul ziehen die großen Paläste vor, doch gerade Jongmyo sollte man gesehen haben. Ich war froh, diesen Ort besucht zu haben und mehr über die Geschichte Koreas zu erfahren.
Der Changdeokgung-Palast bei Nacht zeigt, wie sich die Joseon-Architektur in die Landschaft einfügt © Korea.net DB
Changdeokgung-Palast im Herzen von Seoul
Der Changdeokgung-Palast gehört zu den bedeutendsten UNESCO-Welterbestätten in Seoul. Er stammt aus der Joseon-Zeit und wurde so gestaltet, dass er sich in die Landschaft einfügt. Besonders bekannt ist der hintere Garten, der Huwon, der nur mit Führung zugänglich ist.
Der Palast erinnert an europäische Residenzen, wie Sanssouci in Potsdam. Dort führt der Blick über Terrassen und Achsen direkt auf das Schloss zu. In Changdeokgung ist es anders. Man geht über Wege, die sich an Hügeln und Teichen entlangschlängeln, und entdeckt Gebäude erst nach und nach. Für mich macht genau das den Unterschied und die UNESCO hebt es ebenfalls hervor.
Gyeongju gilt als Museum ohne Wände und Dach. Antike Steinpagoden stehen hier neben modernen Gebäuden © Choi Tae Soon, MCST
Seokguram-Grotte und Bulguksa-Tempel in Gyeongju
Gyeongju im Südosten Koreas war einst die Hauptstadt des Königreichs Silla. Bis heute gilt die Stadt als ein beeindruckendes Freilichtmuseum, in dem sich Geschichte und Landschaft überlagern. Besonders eindrucksvoll zeigen das die Seokguram-Grotte und der Bulguksa-Tempel, die beide im 8. Jahrhundert entstanden.
In der Grotte sitzt eine große Buddha-Statue, nach Osten gerichtet, als würde sie über das Meer wachen. Der Raum ist kunstvoll in den Felsen gebaut, mit Reliefs und Ornamenten an den Wänden. Nur gedämpftes Licht fällt auf die Figur.
Ganz anders der Bulguksa-Tempel, der sich offen über eine Hanglage erstreckt. Steintreppen führen hinauf, Terrassen und Torbauten gliedern den Weg. Zwischen Hallen und Pagoden öffnet sich immer wieder der Blick in die Landschaft. Der Tempel zeigt, wie Religion, Natur und Baukunst miteinander verwoben sind. Die UNESCO hat beide Stätten ausgezeichnet, weil sie die höchste Blüte buddhistischer Kunst und Architektur in Korea sichtbar machen.
Das Dorf Hahoe liegt in einer Flussschleife, genau dort, wo es seit Jahrhunderten liegt © Andong Festival Tourism Foundation
Die historischen Dörfer Hahoe und Yangdong
In Korea gibt es gleich zwei Dörfer, die den Status des Weltkulturerbes tragen: Hahoe und Yangdong. Beide liegen im Osten des Landes, doch sie sind eigenständige Orte mit unterschiedlichem Charakter.
Hahoe befindet sich bei Andong, rund hundert Kilometer nördlich von Daegu. Dort stehen bis heute strohgedeckte Bauernhäuser neben den großen Höfen von Gelehrtenfamilien, Bauern und Oberschicht dicht beieinander. So wird deutlich, wie Bauern und die Oberschicht der Joseon-Zeit zusammenlebten. Berühmt ist Hahoe zudem für sein Maskenspiel, das bis heute aufgeführt wird und als immaterielles Kulturerbe gilt.
In Yangdong stehen Bauernhäuser und Gelehrtenhöfe dicht beieinander, wie zu Zeiten der Joseon-Dynastie © Park Daejin/korea.net
Yangdong liegt in der Nähe von Gyeongju im Südosten Koreas. Das Dorf ist von Hügeln umgeben, die Häuser schmiegen sich an die Hänge und sind durch schmale Wege verbunden. Die Struktur folgt der Landschaft und zeigt, wie Gesellschaft und Natur in der Joseon-Zeit zusammen gedacht wurden.
Die UNESCO hat beide Dörfer anerkannt, weil sie Alltagskultur erhalten, die anderswo längst verschwunden ist. Auch das einfache Leben mit seinen Häusern, Bräuchen und Ritualen gehört zum Weltkulturerbe und bleibt so bis heute für uns erlebbar.
Die Baekje-Stätten in Buyeo zeigen, wie eng Religion, Macht und Alltag in diesem Königreich verbunden waren © Korea.net DB
Historische Stätten von Baekje
Die historischen Stätten von Baekje liegen im Westen Koreas, verteilt auf die Städte Gongju, Buyeo und Iksan. Sie stammen aus dem 5. bis 7. Jahrhundert, als Korea in drei Reiche geteilt war: Goguryeo, Baekje und Silla, lange vor der Joseon-Dynastie, die heute am bekanntesten ist.
In Gongju erhebt sich die Festung Gongsanseong, deren Mauern sich über einen bewaldeten Hügel ziehen. Nicht weit entfernt liegen die königlichen Gräber von Songsan-ri, darunter das Grab des Königs Muryeong mit kunstvollen Funden. Buyeo bewahrt die Festung Busosanseong und weitere Gräber. In Iksan liegt die Tempelruine Mireuksaji mit einer Pagode aus Stein, die zu den ältesten in Korea gehört.
Die Festung Gongsanseong in Gongju, eine der bedeutendsten Baekje-Stätten im Westen Koreas © Korea.net/DB
Die UNESCO hat die Stätten ausgezeichnet, weil hier deutlich wird, wie stark Baekje den Austausch mit Nachbarländern prägte. Architektonische Ideen aus China wurden aufgenommen, aber eigenständig weiterentwickelt. Von hier aus gingen Einflüsse nach Japan, die dort ganze Baustile und Traditionen prägten. Für mich zeigen diese Orte, wie stark Korea damals mit seinen Nachbarländern verbunden war.
Das Gangneung Danoje Festival, seit Jahrhunderten lebendig und seit 2005 UNESCO-Weltkulturerbe © Korea.net/DB
Gangneung Danoje-Festival
Nicht jedes Weltkulturerbe besteht aus Mauern und Steinen. Das Gangneung Danoje-Festival gehört zum immateriellen Erbe. Damit meint die UNESCO Bräuche, Feste oder Rituale, die über Generationen weitergegeben wurden und bis heute lebendig sind.
In Gangneung an der Ostküste wird dieses Fest jedes Jahr im Frühsommer gefeiert. Es dauert mehrere Wochen und erfüllt die Stadt mit Musik, Tänzen und Märkten. Schamanistische Rituale stehen dabei neben buddhistischen Zeremonien und konfuzianischen Gedenkfeiern. Dazu kommen Maskenspiele, Trommeln und Umzüge, bei denen ganze Straßenzüge voller Menschen sind.
Die UNESCO nahm das Festival in die Liste auf, da es zeigt, wie Tradition in einer modernen Gesellschaft weiterlebt. Wer dabei ist, erlebt nicht nur eine Feier, sondern ein Stück lebendige Kulturgeschichte, das Gemeinschaft und Erinnerung verbindet.
Fazit
Die UNESCO-Welterbestätten in Korea zeigen eine große Vielfalt und dass es in Korea gleich 17 Welterbestätten gibt, ist kein Zufall. Es hängt mit einer langen kulturellen Tradition zusammen, die das Land geprägt hat. Über viele Jahrhunderte haben Königreiche, Dynastien und Religionen hier ihre Spuren hinterlassen. Daraus ist eine Kultur entstanden, die in Ostasien Maßstäbe setzte und die auch heute noch spürbar ist. Korea gehört zu den Ländern, deren Geschichte nicht im Museum ruht, sondern im Alltag lebendig geblieben ist.
Wer nach Korea reist, begegnet deshalb nicht nur Sehenswürdigkeiten, sondern einer Landschaft von Erinnerungen, die bis in die Gegenwart reicht. Sie spiegeln die Bedeutung einer Nation, deren Kultur weit über ihre Grenzen hinaus gewirkt hat.
Dieser Artikel wurde von einem Korea.net-Ehrenberichterstatter verfasst. Unsere ehrenamtlichen Reporter kommen aus der ganzen Welt und teilen ihre Liebe und Leidenschaft über alle Dinge in Korea.
dlektha0319@korea.kr