Ehrenberichterstatter

15.06.2026

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YouTube-Recherchen zu K-Pop an einem Sommertag, Stray Kids-Video mit Notizen © Lydia Sonntag

YouTube-Recherchen zu K-Pop an einem Sommertag, Stray-Kids-Video mit Notizen © Lydia Sonntag



Von Ehrenberichterstatterin Lydia Sonntag aus Deutschland

Eigentlich wollte ich nur verstehen, warum K-Pop global so erfolgreich ist. Doch aus einer beruflichen Marketingrecherche wurde plötzlich eine persönliche Reise in die koreanische Sprache, Kultur und Community.

Die K-Wave in Deutschland

Während ich mich immer mehr mit K-Pop beschäftigte, fiel mir auf, wie sichtbar die koreanische Kultur plötzlich auch in Deutschland geworden ist. Neben den großen Stadionkonzerten gibt es mittlerweile viele K-Pop-Partys, Kino-Events, Tanzworkshops, Sprachkurse und Community-Treffen. Auch in Leipzig öffneten einige neue koreanische Restaurants, die viele Gäste anziehen. Im Osten Deutschlands gibt es im Vergleich zum Westen immer noch deutlich weniger Berührungspunkte, doch das international steigende Interesse an K-Pop kommt auch hier mittlerweile spürbar an. Korea ist längst nicht mehr nur ein fernes Thema aus TikToks und YouTube-Videos – sondern seit einiger Zeit auch ein bedeutender Teil meines eigenen Alltags.

Mehr als nur Musik

Asiatische Kulturen haben mich schon immer fasziniert – zuerst Japan und Indien – und seit zwei Jahren auch Korea. 2024 entschied ich mich als Musikerin für einen musikalischen Neuanfang und wechselte nach vielen Jahren von der Gothic- und Pagan-Szene zur Popmusik. Als ausgebildete Eventmanagerin wusste ich, wie wichtig Marketing für Popmusik ist, und auch, dass K-Pop sehr gut darin war und immer beliebter wurde.

An einem heißen Spätsommertag öffnete ich also YouTube und tippte „K-Pop“ in die Suche ein. Die ersten Videos, die ich fand, waren von Stray Kids. Ich klickte auf ein Video – und dann direkt auf das Nächste. Und das Nächste. Mir gefielen ihr Sound und ihre Performance. Sie schienen damit sehr erfolgreich zu sein, weshalb ich sie zu meinem „Studienobjekt“ machte. Ich wollte wissen, was sie anders machen als westliche Künstler und warum die Fanbindung sehr viel stärker schien.

Je länger ich mich mit Stray Kids und anderen koreanischen Pop-Gruppen beschäftigte, desto mehr wurde aus einer nüchternen Analyse echte Begeisterung. Mir fiel auf, wie anders K-Pop im Vergleich zu westlichem Musikmarketing funktionierte. Es ging nicht nur um Songs oder Alben, sondern um ein komplettes Erlebnis: regelmäßiger Content, Livestreams, Behind-the-Scenes, eigene Plüschtiere wie SKZOO, Photocards, Fanprojekte, Konzertfilme im Kino, Freebies und eine starke Community-Kultur.

Als Musikerin fand ich es besonders spannend, wie eng die Fans emotional eingebunden werden und wie viel Wert auf Nähe, Storytelling und gemeinsame Erlebnisse gelegt wird. Es fühlte sich dadurch ganz anders an als bei westlichen Musikern. Es war mehr wie eine lebendige Community, an der man aktiv teilnehmen konnte.

Und ich muss zugeben, es funktionierte letztendlich auch bei mir. Ich bin ins Rabbithole gefallen ... Ich wollte plötzlich nicht mehr nur verstehen, wie K-Pop funktioniert – ich wollte auch Teil dieser Energie, Kreativität und starken Community sein.

Plötzlich war ich nicht mehr allein

Als frischgebackener K-Pop-Fan habe ich Anfang 2025 natürlich direkt Anschluss gesucht, fand aber während meiner Onlinesuche für Leipzig nur sehr wenige Treffer. Es gab ein paar Cover-Dance-Crews, aber das waren alles sehr junge Teenager. Zu Events gab es so gut wie keine Informationen.

Mit meinen 39 Jahren schrieb ich dann etwas entmutigt eine Anzeige auf Facebook und fragte, ob auch andere Fans eine K-Pop-Dance Crew ‘für Erwachsene’ gründen wollten. Die Resonanz war … gering. Es meldete sich aber Roxy. Damals wussten wir noch nicht, wie eine einzige Nachricht die Zukunft verändern kann.

Wir verabredeten uns zu einem angekündigten Random Dance, der von der Leipziger Dance-Crew „Kiss Me More“ organisiert wurde. Es war für uns beide das erste Mal und wir waren beide total fasziniert, dass sich über einhundert junge Leute auf dem Leipziger Marktplatz zu K-Pop-Musik zusammenfanden, um mehrere Stunden unzählige Choreos zu tanzen. Es war März und immer noch sehr kalt. Trotzdem blieben viele neugierige Passanten stehen. Uns packte die Motivation, auch Choreos zu lernen. Leider ist unser erster Versuch, eine Gruppe mit anderen Interessierten zu gründen, im Sande verlaufen.

Menschen tanzen beim K-Pop Random Dance im März 2025 auf dem Leipziger Marktplatz © Kiss Me More Dance Crew

Menschen tanzen beim K-Pop Random Dance im März 2025 auf dem Leipziger Marktplatz © Kiss Me More Dance Crew


Roxy zeigte mir im Verlauf des Sommers ihr riesiges Arsenal an Perlen und Charms. Ich nenne sie gerne unsere „Freebie-Fee“. Ich fand es so toll, zusammen Musik zu hören, Gespräche zu führen und zu basteln. Unsere erste Aktion war es, auf einer K-WAVE-Party Freebies (kleine Geschenke) zu verteilen. Es war unsere erste K-Pop-Party, wir kannten niemanden und auch nur einen Bruchteil der Songs. Aber mit süßen Armbändern im Gepäck und dem Wunsch, uns zu connecten, überwanden wir langsam unsere Berührungsängste und verteilten die Freebies.

Je öfter wir danach auf K-Pop-Partys und zu Konzertfilmen ins Kino gingen, umso mehr kamen wir mit den anderen Fans in Kontakt. Viele erzählten uns, dass sie sich mit ihrem Interesse an K-Pop beziehungsweise Korea auch lange allein gefühlt hatten. Genau dadurch merkten wir, wie groß der Wunsch nach einer Community eigentlich war.

Im Oktober 2025 entschieden wir dann: „Lass uns doch einen Instagram-Account erstellen und dort alle Events sammeln.” Mein Eventmanagerherz blühte richtig auf. Roxy und ich machten einen Plan und so entstand „K-Pop Leipzig“. Schritt für Schritt fanden uns immer mehr Menschen im Alter zwischen 13 und 50 Jahren. Es ist jetzt Mai – sieben Monate später – und unser Account ist mittlerweile ein fester Anlaufpunkt für Eventinfos und Community-Aktivitäten in Leipzig geworden.

Links: Event-Flyer von 80WAVE für Juni 2026 © 80WAVE, Mitte: Instagram-Account K-Pop Leipzig im Juni 2026 © Lydia Sonntag, rechts: Menschen tanzen auf der K-Wave-Party im August 2025 © Viola Zibler

Links: Event-Flyer von 80WAVE für Juni 2026 © 80WAVE, Mitte: Instagram-Account K-Pop Leipzig im Juni 2026 © Lydia Sonntag, rechts: Menschen tanzen auf der K-Wave-Party im August 2025 © Viola Zibler


Wie Musik mir die Tür zu Korea öffnete

Aus der Community-Arbeit entwickelte sich für mich aber schnell mehr: nämlich ein echtes Interesse an der koreanischen Kultur, Sprache und Musikszene. Als freiberufliche Sprachlehrerin bin ich fasziniert davon, wie Sprache, Musik und Kultur miteinander verwoben sind – deshalb lerne ich aktuell Koreanisch. Ich habe aus den gleichen Gründen in der Vergangenheit bereits Erfahrungen mit Finnisch, Japanisch, Spanisch und Hindi gesammelt. Durch den K-Pop-Content und K-Dramas kam ich auch immer mehr mit gesellschaftlichen und traditionellen Elementen wie Feiertagen, Kleidung sowie Geschichte in Kontakt und interessierte mich für die historischen Hintergründe.

In den letzten 20 Jahren hatte ich immer einen internationalen Freundeskreis und ein hohes interkulturelles Interesse. Gleichzeitig beobachte ich immer wieder, dass internationale bzw. asiatische Communitys in Leipzig – und Deutschland allgemein – manchmal eher unter sich bleiben oder länger brauchen, um sich zu öffnen. Das wurde mir auch von meinen ausländischen Freunden so gespiegelt.

Ich habe mittlerweile den Eindruck, dass die regelmäßigen K-Pop-Partys in den deutschen Großstädten zu einem interessanten Ort der Begegnung geworden sind. Die Atmosphäre auf den Leipziger K-Pop-Partys ist immer energiegeladen und ausgelassen. Alle tanzen, singen und lachen. Es bilden sich spontane Dance-Circles auf der Tanzfläche. Mir gefällt besonders, dass alle Menschen willkommen sind – unabhängig davon, woher sie kommen, wie alt sie sind oder wie lange sie die Szene schon kennen. Deshalb möchte ich dazu beitragen, die Menschen in Leipzig noch mehr in unserer Community zu vernetzen und die koreanische Kultur hier noch sichtbarer zu machen – sowohl online als auch im echten Leben.

Notizbuch, Koreanisch-Lernbuch und Honorary Reporter-Zertifikat auf dem Schreibtisch im Mai 2026 © Lydia Sonntag

Notizbuch, Koreanisch-Lernbuch und Honorary-Reporter-Zertifikat auf dem Schreibtisch im Mai 2026 © Lydia Sonntag


Eine Reise, die gerade erst beginnt

Neben den Eventhinweisen und Inhalten, die wir bisher auf unserem Instagram- und YouTube-Account teilen, möchte ich zukünftig auch eigene Community-Angebote und Begegnungsräume schaffen und bereits bestehende Angebote fördern. Außerdem wünsche ich mir mehr Austausch mit koreanischen Menschen, Vereinen und kulturellen Initiativen in Leipzig.

Was 2024 als Marketinganalyse begann, wurde Schritt für Schritt zu einer echten Verbindung – nicht nur zu Korea, sondern auch zu den Menschen, der Sprache und neuen Perspektiven. Diese Reise setze ich heute als K-Influencerin und Honorary Reporterin fort und möchte neugierig und offen Korea weiter entdecken und tiefer verstehen.

Dieser Artikel wurde von einer Korea.net-Ehrenberichterstatterin verfasst. Unsere ehrenamtlichen Reporter kommen aus der ganzen Welt und teilen ihre Liebe und Leidenschaft über alle Dinge in Korea.

dlektha0319@korea.kr