Sobald man das Stadtzentrum von Andong hinter sich lässt, weichen die Häuser weiten Reisfeldern. Trotz der Nähe zu Straßen und Ortschaften wirkt die Landschaft überraschend ruhig
Von Ehrenberichterstatter Pascal Pewesdorf aus Deutschland | Fotos: Pascal Pewesdorf
Während Seoul, Busan und Jeju oft im Mittelpunkt einer Korea-Reise stehen, zeigt Andong eine ruhigere und traditionellere Seite des Landes. Zwischen jahrhundertealten Tempeln, traditionellen Dörfern, Flusslandschaften und regionalen Spezialitäten wirkt die Stadt weniger touristisch und näher am alltäglichen Korea. Die Route eignet sich ideal für alle, die Korea abseits der bekannten Metropolen erleben möchten.
Tag 1: Tempel, Reisfelder und ein Sommerabend am Fluss Nakdonggang
Von Seoul aus ist Andong bequem mit dem Zug oder Fernbus erreichbar. Nach meiner Ankunft stellte ich fest, dass sich der neue Bahnhof gemeinsam mit dem Busterminal etwas außerhalb des Stadtzentrums befindet. Mit dem Linienbus ging es deshalb zunächst in die Innenstadt. Die Fahrt führte vorbei an grünen Reisfeldern, kleinen Dörfern und den bewaldeten Bergen Nord-Gyeongsang.
Nach einem kurzen Spaziergang durch die Einkaufsstraße, wo eine Busking-Gruppe mit Musik und Tanz für gute Stimmung sorgte, machte ich mich auf den Weg zum etwa eine Stunde entfernten Bongjeongsa (봉정사). Der buddhistische Tempel gehört zum UNESCO-Welterbe Sansa, Buddhist Mountain Monasteries in Korea, und zählt zu den ältesten Tempeln des Landes. Schon der kurze Waldweg zum Eingang vermittelt eine besondere Ruhe. Anders als viele bekannte Tempelanlagen wirkt Bongjeongsa bis heute wie ein Ort, an dem buddhistische Tradition tatsächlich gelebt wird. Während meines Besuchs begegnete ich fast ausschließlich koreanischen Besuchern und nur wenigen internationalen Touristen.
Der Bongjeongsa-Tempel in den Bergen bietet nicht nur weite Ausblicke, sondern auch einen Ort der Ruhe, selbst an einem Wochenende
Auf dem Rückweg machte ich Halt in einem kleinen Café mit Blick auf die Reisfelder. Die ruhige Atmosphäre und die ländliche Landschaft vermittelten einen völlig anderen Eindruck von Korea als die Großstadt Seoul.
Den Abend verbrachte ich schließlich an der Wolyeonggyo-Brücke (월영교), der längsten Holzfußgängerbrücke Koreas. Nach Sonnenuntergang war die Brücke stimmungsvoll beleuchtet. Familien, Spaziergänger und Straßenmusiker sorgten für eine entspannte Atmosphäre und machten deutlich, dass dieser Ort besonders bei Einheimischen beliebt ist.
Links: Die Cafés laden zu einer Pause ein und servieren im Sommer häufig Bingsu mit saisonalen Früchten. Rechts: Nach Sonnenuntergang wird die Wolyeonggyo-Brücke beleuchtet und sie eignet sich gut für einen Abendspaziergang
Tag 2: Das traditionelle Korea im Hahoe Folk Village
Den zweiten Tag begann ich in einem Café im Stadtzentrum. Wer morgens in Korea frühstücken möchte, sollte allerdings beachten, dass viele Cafés erst gegen 10 Uhr öffnen.
Anschließend fuhr ich mit dem Linienbus zum etwa eine Stunde entfernten Hahoe Folk Village (하회마을). Das UNESCO-Welterbe zählt zu den am besten erhaltenen traditionellen Dörfern Koreas und wird bis heute bewohnt. Dadurch wirkt Hahoe nicht wie eine reine Attraktion, sondern vermittelt einen authentischen Eindruck vom historischen Dorfleben. Vor dem Besuch des Dorfes lohnt sich ein kurzer Stopp im Hahoe Jangteo und im Hahoe Mask Museum, bevor ein kostenloser Shuttlebus die Besucher in das Dorf bringt. Obwohl der Bus bis auf den letzten Platz gefüllt war und Besucher aller Altersgruppen an Bord waren, begegnete ich erneut nur wenigen internationalen Touristen.
Links: Das Hahoe Mask Museum zeigt nicht nur traditionelle koreanische Masken, sondern auch Masken aus aller Welt, darunter sogar Halloween-Masken. Rechts: Am Eingang des Hahoe Jangteo finden Besucher zahlreiche Möglichkeiten zum Essen, Trinken und Einkaufen
Im Dorf stehen elegante Hanok mit ihren Ziegeldächern neben strohgedeckten Choga-Häusern, in denen früher einfache Bauern lebten. Dieser Kontrast macht die soziale Struktur der Joseon-Dynastie bis heute sichtbar. Hahoe liegt malerisch auf einer Flussschleife des Nakdonggang. Bei einem Spaziergang entlang des Flussufers eröffnen sich immer wieder schöne Ausblicke auf die bewaldeten Klippen am gegenüberliegenden Ufer.
Das Hahoe Folk Village ist ein ruhiger Ort, der zahlreiche Möglichkeiten bietet, traditionelles Handwerk auszuprobieren oder lokale Produkte zu kaufen. Mit seinen historischen Hanok und malerischen Gassen ist das Dorf zudem ein Paradies für Fotografen
Trotz seiner Bekanntheit ist Hahoe bis heute bewohnt und bietet dadurch eine besonders authentische Atmosphäre. Neben kleinen Cafés und Souvenirgeschäften können Besucher traditionelle Masken bemalen, Keramik herstellen oder an Kochkursen teilnehmen. Für einige dieser Angebote empfiehlt es sich, Bargeld mitzubringen.
Ein besonderes Highlight ist die traditionelle Maskentanz-Aufführung Hahoe Byeolsingut Talnori, die von März bis Dezember täglich (außer montags) von 14 bis 15 Uhr stattfindet. Mit Tanz, Musik und viel Humor werden Adelige, Mönche und andere Figuren der Joseon-Gesellschaft satirisch dargestellt. Besonders beeindruckte mich, wie sich die unterschiedlichen Charaktere allein durch ihre Tanzbewegungen erkennen ließen. Dank Untertiteln in mehreren Sprachen ließ sich auch der gesprochene Teil der Aufführung ohne Koreanischkenntnisse gut verfolgen.
Das Hahoe-Maskenspiel ist einen Besuch wert. Dank Untertiteln in mehreren Sprachen lässt sich die Geschichte auch ohne Koreanischkenntnisse gut verfolgen
Wer anschließend noch etwas wandern möchte, kann den nahegelegenen Hwasanbong besuchen. Der Weg ist zwar nur teilweise ausgeschildert, belohnt aber mit einer stillen Atmosphäre, alten Grabanlagen und schönen Ausblicken auf das Hahoe Folk Village.
Tag 3: Konfuzianisches Erbe und Andongs bekannteste Spezialität
Meinen letzten Tag begann ich mit einem Ausflug zum Dosan Seowon (도산서원). Die historische Akademie ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln etwas schwieriger zu erreichen, weshalb sich bei wenig Zeit ein Taxi oder Mietwagen empfiehlt. Der Eintritt kostet 2.000 Won.
Dosan Seowon wurde im 16. Jahrhundert zu Ehren des berühmten konfuzianischen Gelehrten Yi Hwang (Toegye) errichtet und gehört heute ebenfalls zum UNESCO-Welterbe. Die terrassenförmig an einem Hang errichtete Akademie bietet nicht nur interessante Einblicke in den koreanischen Konfuzianismus, sondern auch schöne Ausblicke auf den Nakdonggang. Da ich die Anlage an einem Montag besuchte, konnte ich sie nahezu in völliger Ruhe erkunden.
Das Dosan Seowon liegt abgeschieden inmitten bewaldeter Hügel am Nakdonggang. Vom Gelände aus bietet sich zudem ein Blick auf den historischen Sigidan am gegenüberliegenden Flussufer
Anschließend fuhr ich weiter nach Seoburi, einem kleinen Dorf, das derzeit sichtbar modernisiert wird. Neue Geschäfte, Wandmalereien und das rekonstruierte Seonseonghyeon Cultural Complex verleihen dem Ort einen kreativen Charakter. Über eine lange Fußgängerbrücke gelangt man außerdem zum Korea Culture Theme Park, der koreanische Geschichte und Kultur auf moderne Weise präsentiert.
Der Andong-See prägt die Landschaft rund um Seoburi und bietet immer wieder weite Ausblicke auf die bewaldeten Hügel der Region
Während meines Besuchs Ende Juni fiel allerdings auf, dass der Wasserstand des Andong-Sees ungewöhnlich niedrig war. Große Teile des normalerweise wasserbedeckten Bereichs unter der Fußgängerbrücke waren trockengefallen. Dazu dürfte auch beigetragen haben, dass die diesjährige Monsunzeit Ende Juni noch nicht eingesetzt hatte und sich ungewöhnlich verspätete.
Zurück im Stadtzentrum ließ ich meine Reise mit Andongs bekanntester Spezialität ausklingen: Andong Jjimdak (안동찜닭). Das geschmorte Hähnchen mit Kartoffeln, Gemüse und Glasnudeln wird in einer würzigen Sojasauce zubereitet. Durch die lange Garzeit ist das Fleisch besonders zart, während die Glasnudeln die Sauce besonders gut aufnehmen. So entsteht ein herzhaftes Gericht, das sich hervorragend als Abschluss eines Tages in Andong eignet. In vielen Restaurants wird dazu auch Andong Soju serviert. Die traditionelle Spirituose stammt aus Andong und ist weit über die Region hinaus bekannt.
Eine Spezialität, die man sich in Andong nicht entgehen lassen sollte, ist Andong Jjimdak. Das geschmorte Hähnchen mit Gemüse, Kartoffeln und Glasnudeln wird in einer Sojasauce zubereitet und gehört zu den bekanntesten Gerichten der Stadt
Empfohlene Highlights für Andong
Für Andong gibt es keinen einzig richtigen Ablauf. Viele Orte liegen etwas verstreut, sodass sich die Route gut an Ankunftszeit, Wetter und Verkehr anpassen lässt. Drei Stationen würde ich jedoch besonders empfehlen: Bongjeongsa, das Hahoe Folk Village und Dosan Seowon. Der Tempel, das traditionelle Dorf und die konfuzianische Akademie zeigen jeweils eine andere Seite der Kulturgeschichte Andongs.
Auch die weiteren Orte wie Wolyeonggyo, das Hahoe Mask Dance Drama, Hwasanbong, Seoburi und ein Essen mit Andong Jjimdak lohnen sich sehr. Wer entspannt reisen möchte, kann die Stationen auf drei Tage verteilen. Mit Mietwagen oder Taxi lassen sich die wichtigsten Highlights aber auch gut in zwei Tagen erleben.
Dieser Artikel wurde von einem Korea.net-Ehrenberichterstatter verfasst. Unsere ehrenamtlichen Reporter kommen aus der ganzen Welt und teilen ihre Liebe und Leidenschaft über alle Dinge in Korea.
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