Das Mugyewon, ein traditionelles Hanok-Gebäude im Norden Seouls, bot am 20. Juli 2026 den passenden Rahmen für den Norigae-Workshop und den kulturellen Austausch
Von Ehrenberichterstatter Pascal Pewesdorf aus Deutschland | Fotos: Pascal Pewesdorf
Traditionelles Kunsthandwerk gehört zu den eindrucksvollsten Möglichkeiten, die Kultur eines Landes kennenzulernen. Anders als beim Betrachten eines Ausstellungsstücks entsteht beim eigenen Gestalten ein ganz neues Verständnis für die Bedeutung und die handwerkliche Sorgfalt, die hinter jahrhundertealten Traditionen steckt.
Genau diese Erfahrung durfte ich am 20. Juli 2026 gemeinsam mit anderen Korea.net-Ehrenreportern und internationalen Influencern bei einer besonderen Veranstaltung im Mugyewon (무계원) in Seoul machen. Gemeinsam mit First Lady Kim Hea Kyung nahmen wir an einem Workshop teil, bei dem wir die traditionelle koreanische Schmuckkunst des Norigae kennenlernten und selbst ein eigenes Schmuckstück anfertigten.
Bereits die Kulisse verlieh der Veranstaltung einen besonderen Charakter. Das Mugyewon, ein traditionelles Hanok-Gebäude im Norden Seouls, bot mit seiner ruhigen Atmosphäre einen passenden Rahmen für die Begegnung mit koreanischem Kunsthandwerk. Vor Beginn des Workshops führte eine kleine Ausstellung in die Welt der traditionellen koreanischen Kleidung und Accessoires ein. Neben verschiedenen Hanbok waren kunstvoll gestaltete Norigae, traditionelle Hüte und weitere Schmuckstücke zu sehen. Dabei erfuhren wir, dass Norigae seit der Joseon-Zeit als dekorativer Anhänger am Hanbok getragen wird und je nach Form, Farbe oder Motiv Wünsche nach Gesundheit, Glück oder Wohlstand symbolisieren kann.
Traditionelle Hanbok und historische Accessoires gaben am 20. Juli 2026 Einblicke in die koreanische Kleidungskultur. Im Vordergrund links sind Jokduri zu sehen, kunstvoll verzierte Kopfbedeckungen, die traditionell von koreanischen Bräuten getragen werden
Im anschließenden Workshop erhielten wir die Möglichkeit, selbst ein Norigae anzufertigen. Unter Anleitung erfahrener Kunsthandwerker wählten wir Perlen, Anhänger und Quasten aus und setzten die einzelnen Elemente Schritt für Schritt zusammen. Obwohl allen dieselben Materialien zur Verfügung standen, spiegelte jedes fertige Norigae den persönlichen Geschmack seines Besitzers wider. Gerade diese Individualität machte deutlich, dass traditionelles Handwerk nicht nur vom technischen Können lebt, sondern auch Raum für Kreativität lässt.
Die Bilder zeigen die einzelnen Schritte der Norigae-Herstellung am 20. Juli 2026. Links ist die geknüpfte Kordel mit dem traditionellen Zierknoten zu sehen, rechts das fertiggestellte Schmuckstück mit Perlen und Quaste
Besonders in Erinnerung geblieben ist mir jedoch nicht nur das Basteln selbst, sondern vor allem die Atmosphäre des Austauschs. Während des Workshops nahm sich First Lady Kim Hea Kyung viel Zeit, mit den internationalen Teilnehmern ins Gespräch zu kommen. Sie interessierte sich dafür, wie wir Korea wahrnehmen, welche Aspekte der koreanischen Kultur uns besonders begeistern und welche Ideen wir haben, um traditionelle Kultur auch für internationale Besucher noch zugänglicher zu machen. Es entstand ein offener Dialog, bei dem unsere Erfahrungen und Anregungen ausdrücklich willkommen waren. Für mich war es beeindruckend zu erleben, wie ernsthaft den Perspektiven internationaler Gäste zugehört wurde.
Nach dem Workshop kamen alle Teilnehmer bei traditionellem Tee und Hangwa, dem traditionellen koreanischen Gebäck, noch einmal zusammen. Die entspannte Atmosphäre bot Gelegenheit, die Gespräche fortzusetzen und weitere Ideen auszutauschen. Unter anderem diskutierten wir darüber, welche traditionellen Kulturprogramme sich auch für internationale Besucher besonders eignen könnten.
Ich schlug beispielsweise vor, historische Kochkurse anzubieten, bei denen Gerichte aus der Joseon-Zeit mit traditionellen Kochutensilien zubereitet werden. Der persönliche Austausch machte deutlich, dass Veranstaltungen wie diese nicht nur der Vermittlung koreanischer Kultur dienen, sondern auch von den Erfahrungen und Perspektiven internationaler Teilnehmer profitieren.
Traditioneller Tee sowie Yanggaeng und Oranda wurden den Teilnehmern am 20. Juli 2026 nach dem Norigae-Workshop im Mugyewon serviert
Für mich hat dieser Workshop einmal mehr gezeigt, dass sich Kultur am eindrucksvollsten durch eigenes Erleben vermittelt. Das Anfertigen eines Norigae machte die Symbolik und die handwerkliche Präzision dieses traditionellen Schmuckstücks greifbar. Obwohl Norigae traditionell als Schmuck am Hanbok von Frauen getragen wird und ich selbst als Mann wohl kaum Gelegenheit haben werde, eines zu tragen, bereitete mir gerade der kreative Herstellungsprozess große Freude.
Erst der offene Austausch mit den Gastgebern und den anderen Teilnehmern machte die Veranstaltung zu einer Erfahrung, die weit über einen gewöhnlichen Workshop hinausging. Sie zeigte, wie sich jahrhundertealte koreanische Handwerkstraditionen internationalen Gästen auf persönliche und authentische Weise näherbringen lassen.
Dieser Artikel wurde von einem Korea.net-Ehrenberichterstatter verfasst. Unsere ehrenamtlichen Reporter kommen aus der ganzen Welt und teilen ihre Liebe und Leidenschaft über alle Dinge in Korea.
dlektha0319@korea.kr