HAM Sang Wook, Botschafter der Republik Korea in Österreich, überreicht Kaiko auf der „Inspire Me Korea/Radio Arabella"-Bühne des Wiener Donauinselfests die Auszeichnung für den ersten Platz beim K-Pop World Festival: Champions Showdown
Von Ehrenberichterstatterin Jasmin Mikolay aus Deutschland | Fotos: Korea Kulturzentrum
Am 3. Juli 2026 fand auf der „Inspire Me Korea/Radio Arabella"-Bühne des Wiener Donauinselfests der „K-Pop World Festival: Champions Showdown” statt. Der Wettbewerb war Teil der fünften Ausgabe des Korea-Festivals „INSPIRE ME KOREA“, das 2022 anlässlich des 130-jährigen Jubiläums der diplomatischen Beziehungen zwischen Korea und Österreich ins Leben gerufen wurde. Erstmals traten dabei ausgewählte Acts aus Österreich, Slowenien und der Slowakei in diesem internationalen Format gegeneinander an. Veranstaltet wurde das Festival vom Koreanischen Kulturzentrum in Österreich und der Botschaft der Republik Korea.
Den ersten Platz gewann die 30-jährige Tänzerin Kaiko. In einem schriftlichen Interview, das vom 10. bis 14. Juli 2026 über soziale Medien geführt wurde, spricht sie mit der Korea.net-Ehrenberichterstatterin Jasmin Mikolay über ihren Weg zum K-Pop-Tanz, den Wettbewerb und ihre Begeisterung für die koreanische Kultur.
Der Botschafter der Republik Korea in Österreich, HAM Sang Wook (links), und der Direktor des Korea Kulturzentrums in Wien, Dongho Shin (rechts), begrüßen das Publikum zur Eröffnung des K-Pop World Festival: Champions Showdown auf der „Inspire Me Korea/Radio Arabella"-Bühne des Wiener Donauinselfests
– Danke, Kaiko, dass du dir heute Zeit nimmst. Könntest du dich unseren Leser:innen vorstellen?
Ursprünglich komme ich aus der Ukraine und lebe seit vier Jahren in Österreich. Ich bin ausgebildete Choreografin und Sportlehrerin. Zurzeit lasse ich meine beruflichen Qualifikationen anerkennen und verbessere meine Deutschkenntnisse. Deshalb arbeite ich momentan noch nicht in meinem eigentlichen Beruf.
– Wann begann deine Begeisterung für K-Pop und wie bist du zum K-Pop-Tanzen gekommen?
Mit 14 Jahren begann ich, K-Pop zu hören. Damals war es allerdings nicht einfach, andere Fans oder eine K-Pop-Cover-Dance-Gruppe zu finden. Besonders gut erinnere ich mich an meine Begeisterung für BIGBANG. Später hörte ich andere Musik und entdeckte K-Pop erst durch meine Tanzschüler:innen wieder. Sie wollten unbedingt die Choreografie zu „Thunderous“ von Stray Kids lernen. So fand ich vor etwa fünf Jahren zum K-Pop-Cover-Dance.
Getanzt habe ich zu diesem Zeitpunkt schon lange: Ich begann im Alter von sieben Jahren und unterrichte seit fast zehn Jahren verschiedene Tanzstile wie Hip-Hop, Waacking und Locking. K-Pop verbindet für mich Musik und Tanz auf besondere Weise.
Volle Energie auf der Bühne: Kaiko präsentiert ihre Wettbewerbsperformance zu „Superpower (Peak)“ von Xikers beim K-Pop World Festival: Champions Showdown 2026 in Wien
– Was fasziniert dich an K-Pop?
Mich faszinieren das hohe Niveau der Performances und die intensive Vorbereitung dahinter. Gleichzeitig zu tanzen, live zu singen und eine starke Bühnenpräsenz zu zeigen, ist alles andere als einfach. Als Tänzerin weiß ich, wie viel Arbeit hinter einem Comeback steckt. Trotz der hohen Anforderungen erreichen K-Pop-Shows für mich teilweise ein ebenso hohes oder sogar höheres Niveau als die Auftritte vieler westlicher Stars.
– Wie hast du vom K-Pop World Festival: Champions Showdown 2026 erfahren und warum hast du dich für eine Teilnahme entschieden?
Vom Wettbewerb erfuhr ich über die Instagram-Seite der Organisator:innen. Da ich in diesem Jahr bereits zum dritten Mal am K-Pop World Festival teilnahm, wusste ich allerdings schon vorher, dass die Veranstaltung stattfinden würde.
Besonders motivierten mich die begrenzte Zahl der Finalist:innen und die Möglichkeit, Tänzer:innen aus verschiedenen Ländern kennenzulernen. Auch die Chance, das Finale in Changwon zu erreichen, war für mich ein großer Anreiz.
– Mit welchem Song bist du angetreten und warum hast du dich für diese Performance entschieden?
Ich trat mit „Superpower (Peak)“ von Xikers an. Da Xikers zu meinen Lieblingsgruppen gehört, bedeutet mir diese Performance besonders viel.
Die Choreografie verlangt sehr viel Energie und Ausdauer und war deshalb eine große Herausforderung. Gleichzeitig passt die Botschaft des Songs gut zu mir: Es geht darum, auf der Bühne das eigene Potenzial zu zeigen und persönliche Grenzen zu überwinden. Die Performance fordert mich körperlich und emotional – genau das reizt mich daran.
– Wie hast du dich auf den Wettbewerb vorbereitet?
Etwa zwei Monate vor dem Wettbewerb begann meine Vorbereitung. Normalerweise reichen mir drei bis vier Trainingseinheiten, um eine Choreografie zu lernen. Diese Performance erforderte jedoch besonders viel Energie und Ausdauer. Deshalb nahm ich mir bewusst mehr Zeit. Meistens trainierte ich dreimal pro Woche für mindestens eineinhalb Stunden. Um zusätzlich an meiner Kraft und Muskelausdauer zu arbeiten, ergänzte ich das Training teilweise im Fitnessstudio.
In der letzten Woche vor dem Auftritt war ich im Urlaub und konnte erst am Morgen des Wettbewerbstages wieder trainieren. Dabei wurde mir noch einmal bewusst, wie wichtig Regelmäßigkeit ist. Es ist besser, jeden Tag ein wenig zu üben, als nur einmal pro Woche sehr intensiv zu trainieren.
– Was war während der Vorbereitung deine größte Herausforderung?
Die größte Herausforderung bestand darin, dass Xikers zehn Mitglieder hat. Bei einer Solo-Performance musste ich fast jede Sekunde des Songs allein ausfüllen. Anfangs zweifelte ich daran, ob ich das schaffen könnte, denn es gab kaum Zeit, Luft zu holen. Gleichzeitig wollte ich nicht nur die Choreografie und den Lip-Sync beherrschen, sondern auch die Energie und den Charakter der einzelnen Mitglieder vermitteln.
Mit der Zeit fand ich Stellen, an denen ich kurz Kraft sammeln und mit dem Publikum interagieren konnte. Dabei wurde mir klar: Auch wenn nicht jeder Tanzschritt perfekt ist, kann ich eine Verbindung zum Publikum aufbauen.
– Was war dir bei deiner Performance besonders wichtig?
Die Performance sollte für das Publikum leicht und natürlich wirken. Ich wollte, dass die Zuschauer:innen Lust bekommen, sich zum Beat zu bewegen oder sogar selbst mitzutanzen. Vor allem wollte ich meine Energie und Leidenschaft weitergeben. Auch wenn sich die Menschen später nicht an jeden Tanzschritt erinnern, hoffe ich, dass meine Performance im Gedächtnis bleibt und sie mich gerne noch einmal auf der Bühne sehen möchten.
Der K-Pop World Festival: Champions Showdown fand im Rahmen des Korea-Festivals „INSPIRE ME KOREA“ auf der „Inspire Me Korea/Radio Arabella"-Bühne in der „Heute“-Area beim Brigittenauer Brücke-Areal des Wiener Donauinselfests statt und zog zahlreiche Besucher:innen an die Festivalbühne
– Apropos Auftritte: Wie hast du dich kurz vor deinem Auftritt gefühlt?
Kurz vor dem Auftritt fühlte ich mich gut und war kaum nervös. Ich konzentrierte mich vor allem auf technische Details: Wo lege ich mein Requisit hin? Wo befindet sich die Mitte der Bühne? Auf welcher Seite sitzt die Jury?
Die wichtigsten Punkte ging ich noch einmal im Kopf durch. Dabei wollte ich ruhig und fokussiert bleiben und mich auf unerwartete Situationen vorbereiten. Improvisation gehört nämlich nicht unbedingt zu meinen größten Stärken.
– Was ging dir durch den Kopf, als dein Name als Gewinnerin aufgerufen wurde?
Als der zweite Platz bekannt gegeben wurde, dachte ich, dass ich in diesem Jahr wohl ohne Preis nach Hause gehen würde. Ich entspannte mich bereits und überlegte sogar, was ich am Abend essen könnte. Umso überraschter war ich, als plötzlich mein Name fiel. Im ersten Moment konnte ich gar nicht richtig begreifen, was passiert war.
Natürlich hatte ich davon geträumt, den ersten Platz zu gewinnen. Zu diesem Zeitpunkt war ich jedoch eher damit beschäftigt, meine Fehler zu analysieren, und rechnete nicht mehr mit einer Auszeichnung. Deshalb war die Überraschung besonders groß.
– Was bedeutet der Sieg für dich persönlich und was hast du durch den Wettbewerb über dich gelernt?
Dieser Sieg bedeutet mir sehr viel. Trotz meines Umzugs, der schwierigen Eingewöhnung und verschiedener Herausforderungen entwickle ich mich als Künstlerin weiter. Nun sehe ich, dass sich diese Arbeit auszahlt.
Fast mein ganzes Leben lang habe ich in Gruppen getanzt. Als Solotänzerin bin ich dagegen noch nicht lange aktiv. Deshalb zweifelte ich zunächst daran, ob Soloauftritte zu mir passen. Schließlich ist es schwieriger, die Aufmerksamkeit des Publikums allein zu halten als gemeinsam mit einer Gruppe.
Durch den Wettbewerb habe ich gelernt: Wenn du deine Energie mit dem Publikum teilst und den Tanz wirklich fühlst und lebst, gibt dir die Bühne diese Energie zurück.
Gemeinsam auf der Bühne: Kaiko (Mitte) feiert gemeinsam mit den weiteren Preisträger:innen die Auszeichnung beim K-Pop World Festival: Champions Showdown 2026 in Wien
– Hat K-Pop dein Interesse an Korea auch über Musik und Tanz hinaus beeinflusst?
Auf jeden Fall. Durch K-Pop entstand in mir der Wunsch, nach Korea zu reisen und mehr über das Land und seine Kultur zu erfahren. Besonders begeistert mich die koreanische Küche. Einige Gerichte habe ich bereits selbst zubereitet.
Künftig möchte ich Grundkenntnisse der koreanischen Sprache erwerben und mehr über koreanische Traditionen erfahren. Gerne würde ich ein traditionelles Fest besuchen und den Alltag der Menschen kennenlernen. Besonders neugierig bin ich auf den Unterschied zwischen dem Bild Koreas, das K-Pop vermittelt, und dem tatsächlichen Leben im Land. Ich glaube, dass man ein Land erst wirklich versteht, wenn man es selbst erlebt.
– Welche Ziele hast du nach diesem Erfolg?
Ich möchte weiterhin neue Möglichkeiten ausprobieren und an Wettbewerben teilnehmen. Künftig würde ich gerne auch außerhalb Österreichs antreten und weitere Erfahrungen sammeln.
Außerdem träume ich davon, wieder mehr zu unterrichten. Auf YouTube habe ich bereits begonnen, Tutorials zu veröffentlichen, um mein Wissen und meine Erfahrungen mit anderen Tänzer:innen zu teilen. Ein weiteres Ziel ist es, eigene Choreografien und Performances zu entwickeln. Vielleicht bekomme ich eines Tages auch die Möglichkeit, an einem Wettbewerb wie World of Dance teilzunehmen.
– Welche Botschaft möchtest du Menschen mitgeben, die von der Teilnahme an einem K-Pop-Wettbewerb träumen, sich aber noch nicht trauen?
Ich würde allen empfehlen, Wettbewerbe nicht zu ernst zu nehmen. Es geht vor allem darum, Erfahrungen zu sammeln und neue Möglichkeiten zu nutzen. Auch ein Auftritt, der nicht wie erhofft verläuft, kann wertvoller sein als ein Sieg. Lernt andere Teilnehmer:innen kennen, tauscht euch aus, besucht Workshops und sucht nach gemeinsamen Projekten. Mit jeder Erfahrung werdet ihr sicherer auf der Bühne. Am Ende geht es nicht nur ums Gewinnen, sondern darum, als Tänzer:in zu wachsen.
– Vielen Dank für die vielen Eindrücke. Wir drücken die Daumen für deine nächsten Auftritte.
Mit ihrem ersten Platz beim K-Pop World Festival: Champions Showdown 2026 hat Kaiko nun die Chance, im weiteren Auswahlverfahren für das Finale des K-Pop World Festival in Changwon berücksichtigt zu werden. Sollte sie ausgewählt werden, könnte sie ihre Performance auch in Korea präsentieren.
Dieser Artikel wurde von einer Korea.net-Ehrenberichterstatterin verfasst. Unsere ehrenamtlichen Reporter kommen aus der ganzen Welt und teilen ihre Liebe und Leidenschaft über alle Dinge in Korea.
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