Ehrenberichterstatter

04.08.2026

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Einige der Honorary Reporter versuchen sich auf der Ausstellung am Kranentanz ⓒ Anneke Mara Schwind

Einige der Honorary Reporter versuchen sich auf der Ausstellung am Kranentanz ⓒ Anneke Mara Schwind



Von Ehrenberichterstatterin Anneke Mara Schwind aus Deutschland

Tiefer, noch tiefer in die Knie, dann die Arme über den Kopf strecken, noch höher – genau so! Während wir fast im Spagat sitzen, die Arme im Bogen über den Kopf gestreckt, wird um uns begeistert geklatscht. Dann wird die Anweisung zum Springen gegeben. Springen? Ja, genau so. Wir ahmen die Bewegungen nach, die uns einer der Darsteller gekonnt vormacht. Weniger gekonnt sieht es aus, als wir uns selbst in großen, ausfallenden Hüpfern, die Arme immer noch in der Luft, im Kreis umeinander bewegen.

Die Menschen im langsam angesammelten Publikum klatschen, offensichtlich zufrieden mit unserer Leistung. Das ist ein Kompliment, immerhin sind sie allesamt selbst Aussteller und Darsteller des eben versuchten Kranentanzes, hier, auf der 48. Sitzung des UNESCO-Welterbekomitees auf dem BEXCO Gelände in Busan.

Der Kranentanz, im Koreanischen Dongnae Hakchum (동래학춤), stammt offiziell aus Busan, wo er sich aus lokalen Tänzen entwickelt hat, und ist die Nummer 3 auf der Liste des Immateriellen UNESCO-Welterbes. Er wird in einer hellen, fließenden Gelehrtenrobe, dem Dopo (도포), und dem traditionellen koreanischen Hut, dem Gat (갓), aufgeführt.

Er ist nur eines von vielen koreanischen Welterbe-Elementen, materiell und immateriell, die man vom 19. bis 29. Juli 2026 hier auf der UNESCO-Welterbesitzung hautnah erleben kann. Während im großen Konferenzsaal die 21 gewählten Vertreterinnen und Vertreter von Vertragsstaaten des UNESCO-Welterbe-Übereinkommens über die Erhaltung unseres gemeinsamen kulturellen, natürlichen und gemischten Erbes beraten, findet in der angrenzenden Messehalle der kollaborative Programmteil für Besucherinnen und Besucher aus aller Welt statt.

Mit der Hafenstadt Busan in Südkorea als Gastgeber bedeutet das eine Vielfalt an Ständen, die die 15 Weltkultur-, und 2 Weltnaturerbestätten, sowie die 23 immateriellen Welterbe-Elemente des Landes interaktiv zur Schau stellen.

Die Honorary Reporter auf der FAM TOUR zur UNESCO World Heritage Convention in Busan 2026 ⓒ Park Daejin/korea.net

Die Honorary Reporter auf der FAM TOUR zur UNESCO World Heritage Convention in Busan 2026 ⓒ Park Daejin/korea.net


Einblick in die vielen verschiedenen Elemente, die das UNESCO-Welterbe Koreas ausmachen, so wie beispielsweise die immateriellen Kulturerbegüter Koreas ⓒ Anneke Mara Schwind

Einblick in die vielen verschiedenen Elemente, die das UNESCO-Welterbe Koreas ausmachen, so wie beispielsweise die immateriellen Kulturerbegüter Koreas ⓒ Anneke Mara Schwind


Besucher können über die Geschichte und Herstellung von Kimchi (김치), koreanisch fermentiertem Kohl, lernen, die Wattgebiete der Küstenregionen erkunden, mit Stempeln und interaktiven Apps über die spezielle Architektur von Palästen und Tempeln informiert werden, oder auch selber in Kostüme schlüpfen, um sich an Kranen- und Löwentänzen zu versuchen. Und das ist nur ein Bruchteil der Möglichkeiten, Koreas einzigartiges Welterbe in den Messehallen zu spüren.

Die langen Forums- und Ausstellungstage werden zudem abends mit kulturellen Aufführungen wie Gesang, Tanz und Schamanenritualen beendet. Was hierbei besonders auffällt, ist die Begeisterung, mit der die Aussteller die Besucherinnen und Besucher an die Stände ziehen. An jeder Ecke gibt es mehr zu erkunden, mehr zu lernen und mehr Menschen, die gerne in die Rolle der lehrenden Person schlüpfen, um mit Stolz von geschützten Königsgräbern, wieder aufgebauten Palästen, ihrer Sprache, Kleidung und vielem mehr zu erzählen.

Die Herstellung von Kimchi ist bereits seit einigen Jahren auf der Liste des immateriellen UNESCO-Weltkulturerbes und hat daher auch einen Platz auf der Ausstellung bekommen ⓒ Anneke Mara Schwind

Die Herstellung von Kimchi ist bereits seit einigen Jahren auf der Liste des immateriellen UNESCO-Weltkulturerbes und hat daher auch einen Platz auf der Ausstellung bekommen ⓒ Anneke Mara Schwind


Korea hat schon immer eine besondere Verbindung zur eigenen Geschichte gehabt und seine wachsende Popularität in der Welt in den vergangenen Jahren dazu genutzt, dieses Erbe auch vielen Menschen außerhalb der eigenen Landesgrenzen näherzubringen. Die besondere Mischung aus gelebter Geschichte in einem in vieler Hinsicht hochmodernisierten Land fasziniert ein stetig wachsendes Publikum an Korea-Fans.

Ein Grund mehr, warum Busan ein besonders passender Austragungsort für das UNESCO-Welterbekomitee dieses Jahr ist, denn als Flüchtlingsstadt während des Koreakrieges atmet sie bis heute Geschichte. Viele der internationalen Besucher der Messe werden die Gelegenheit nutzen und nach ihrem neu errungenen Wissen aus mehreren Jahrhunderten koreanischer Welterbegeschichte auch die aktuellen Attraktionen der Hafenstadt genießen. Baden am Strand, Kaffee trinken am Hafen, Shopping in der Innenstadt und dann vielleicht ein Besuch in den bunten Straßen des Gamcheon Kulturdorfes.

Was dabei manchmal schwer zu begreifen ist: Geschichte ist in Korea nicht nur durch jahrhundertealte Kulturstätten die Straße hinunter begreifbar, sondern auch in Nachbarschaften, die es vor einigen Jahrzehnten noch gar nicht gegeben hat. In den 1950er Jahren etwa entstand Gamcheon in den steilen Berghängen Busans aus dem Nichts, aufgebaut von tausenden Flüchtlingen, die während des Koreakrieges in die Stadt strömten, die als einer der letzten Zufluchtsorte für sie geblieben war.

Viele dieser Menschen leben heute noch, ihre Kinder und Enkelkinder sind die Generationen, die in diesem Moment koreanisches Erbe in die Welt tragen, ob durch die Wirtschaft, K-Pop, oder eben hier, an den Ständen des UNESCO-Welterbekomitees. Und während man sich als Besucher schnell in Begeisterung über Welterbe-Elementen verliert, die aus einer Zeit weit vor unserer eigenen stammen, übersieht man schnell, wie prägend Geschichte hier auch bis heute sein kann. So sehr, dass man eigentlich noch mitten in der Vergangenheit lebt, während man schon mit einem Bein in die Zukunft tritt.

Das ist auch besonders daran erkennbar, wie hoch digitalisiert viele der Ausstellungselemente sind – von digitalen 3-D-Modellen von historischen Stätten über immersive Ausstellungsräume samt 360-Grad-Projektionen und Geräuschkulisse: Steht man schnell mitten in der Joseon Dynastie und versteht, warum es so wichtig ist, kulturelles, natürliches und immaterielles Welterbe zu schützen?

Durch immersive Ausstellungselemente können die Besucherinnen und Besucher verschiedene Kulturgüter ganz neu erleben, wie zum Beispiel hier durch eine Projektion, unterstützt von einer Geräuschkulisse ⓒ Anneke Mara Schwind

Durch immersive Ausstellungselemente können die Besucherinnen und Besucher verschiedene Kulturgüter ganz neu erleben, wie zum Beispiel hier durch eine Projektion, unterstützt von einer Geräuschkulisse ⓒ Anneke Mara Schwind


Einige der digitalisierten, visuellen Ausstellungselemente wirken fast hypnotisierend, wie beispielsweise dieses Spiegelkabinett, das sich bewegende Blumenmuster, sogenannte Dancheong, darstellt ⓒ Anneke Mara Schwind

Einige der digitalisierten, visuellen Ausstellungselemente wirken fast hypnotisierend, wie beispielsweise dieses Spiegelkabinett, das sich bewegende Blumenmuster, sogenannte Dancheong, darstellt ⓒ Anneke Mara Schwind


Und während man sich beim versuchten Kranentanz die Knie verrenkt und Mönchen bei ihrer Kalligraphiekunst über die Schulter schauen darf, spürt man plötzlich das Gewicht der Bedeutung von UNESCO und seiner Welterbeinitiative. Denn während die Besucherinnen und Besucher mehr über bereits geschütztes Kultur- und Naturgut lernen können, tagt nebenan das Komitee über die Entscheidung, welche Orte, Traditionen und Lebensweisen in der Welt als nächstes für schützenswert anerkannt werden können.

Geschichte prägt, auch lange nachdem sie eigentlich schon abgeschlossen ist, aber meistens wird sie länger gelebt, als man realisiert. Nur, weil heute niemand mehr im UNESCO-Weltkulturerbe Changdeokgung-Palast lebt, macht ihn das nicht weniger prägend für die Welt.

Gleiches gilt für die Bewohner des Gamcheon Kulturdorfes in Busan. Auch wenn nur noch wenige ehemalige Flüchtlinge des Krieges und ihre Nachkommen in den inzwischen touristisch gefüllten Straßen leben, haben diese doch weiterhin eine tiefe Bedeutung für viele Familien in Korea, eine Bedeutung, die ihr Verhalten und ihre Traditionen und damit auch alle um sie herum beeinflusst. Geschichte ist nicht immer so sichtbar wie die materiellen Welterbe-Elemente, sie kommt auch in Form von immateriellem Erbe, Gebräuchen, Verhaltensweisen und allem Unsichtbaren dazwischen, was Menschen ausmacht. Etwas, das Busan seinen Besucherinnen und Besuchern auf dieser 48. UNESCO-Welterbekomitee Sitzung ganz besonders Nahe bringt.

Dieser Artikel wurde von einer Korea.net-Ehrenberichterstatterin verfasst. Unsere ehrenamtlichen Reporter kommen aus der ganzen Welt und teilen ihre Liebe und Leidenschaft über alle Dinge in Korea.

dlektha0319@korea.kr