Zwei Gewinnerinnen von Talk Talk Korea 2025: Vina Aulia Zakiah Sodikin (links) nach der Preisverleihung beim K-Wave Festival im November 2025 in Seoul. Citra Auly Maulida Rizka (rechts) nach der Entgegennahme ihres Preises vor der Ausstellung der Talk-Talk-Korea-Beiträge 2025 in Jakarta, Indonesien © Vina Aulia Zakiah Sodikin / Citra Auly Maulida Rizka
Von Ehrenberichterstatterin Jasmin Mikolay aus Deutschland
Mit dem offiziellen Start von Talk Talk Korea 2026 am 27. Juli 2026 sind erneut kreative Köpfe aus aller Welt eingeladen, ihre persönliche Sicht auf Korea zu präsentieren. Bis zum 28. September 2026 können Beiträge in den Kategorien Video, Fotobuch, Zeichnung & Illustration und Schreiben eingereicht werden. Seit Jahren bietet der internationale Wettbewerb Menschen aus unterschiedlichsten Ländern die Möglichkeit, ihre Begeisterung für Korea mit einem weltweiten Publikum zu teilen.
Doch was braucht es eigentlich, um sich unter Tausenden von Einsendungen durchzusetzen? Welche Ideen stecken hinter einem Siegerbeitrag und welche Erfahrungen nehmen die Gewinnerinnen aus dem Wettbewerb mit?
Um diesen Fragen nachzugehen, führte Korea.net-Ehrenberichterstatterin Jasmin Mikolay im Mai 2026 zwei E-Mail-Interviews mit den indonesischen Erstplatzierten des Talk Talk Korea-Wettbewerbs 2025. Vina Aulia Zakiah Sodikin beantwortete die Fragen am 16. Mai 2026, Citra Auly Maulida Rizka am 23. Mai 2026. Die Gewinnerinnen der Kategorien „80th Liberation Day“ und „Promotion Video“ sprechen über ihre Inspiration und ihren kreativen Prozess. Gleichzeitig geben sie zukünftigen Teilnehmenden wertvolle Tipps für Talk Talk Korea 2026.
Vina Aulia Zakiah Sodikin präsentiert ihre Auszeichnung für den dritten Platz bei Talk Talk Korea 2024 (links). Rechts besucht sie die Talk Talk Korea Winner's Exhibition 2024 in Jakarta, Indonesien © Vina Aulia Zakiah Sodikin
1. Wie begann deine Begeisterung für Korea und warum hast du bei Talk Talk Korea mitgemacht?
Vina Aulia Zakiah Sodikin: Mein Interesse an Korea begann 2011, als ich etwa acht Jahre alt war und das Drama „Dream High“ entdeckte. Später weckten insbesondere historische Dramen meine Neugier auf Koreas Geschichte, Traditionen und gesellschaftliche Werte. Ich fand es faszinierend, wie Korea historische und traditionelle Themen emotional und modern vermitteln kann. Talk Talk Korea entdeckte ich bereits 2023, allerdings erst nach dem Einsendeschluss. 2024 nahm ich schließlich in der neuen Kategorie „Meme & Trend“ teil und gewann den dritten Platz. Danach wusste ich, dass ich noch ein unerreichtes Ziel hatte: Ich wollte zurückkehren und den ersten Platz gewinnen. Deshalb nahm ich 2025 in der Kategorie „80th Liberation Day“ erneut teil.
Citra Auly Maulida Rizka: Kreativität begleitet mich schon seit meiner Kindheit. Ich zeichnete, bastelte, bearbeitete Videos und entwickelte kleine Geschichten. Mit der Zeit wurde das kreative Arbeiten für mich zu einer Möglichkeit, Gefühle, Erinnerungen und Dinge auszudrücken, die mir wichtig sind. Mein Interesse an Korea begann im Alter von etwa neun Jahren durch koreanische Musik. Später interessierte ich mich auch für die Sprache, Geschichte, Kunst und die Verbindung von Tradition und moderner Kultur. Talk Talk Korea 2025 war meine erste Teilnahme. Ich wollte mich kreativ herausfordern und meine eigene Perspektive auf Korea zeigen. Die Kategorie „Promotion Video“ passte zu mir, weil sie Storytelling, Bearbeitung, visuelle Gestaltung und Emotionen miteinander verbindet.
2. Wie entstand die Idee für deinen Beitrag und was wolltest du damit ausdrücken?
Vina: Mein Beitrag „The Light of Gwangbokjeol“ war für mich von Anfang an sehr persönlich. Korea und Indonesien erlangten ungefähr im gleichen Zeitraum ihre Unabhängigkeit und beide Länder haben Erfahrungen mit Kolonialismus gemacht. Natürlich unterscheiden sich ihre Geschichten, doch die Gefühle von Kampf, Opferbereitschaft und Freiheit erschienen mir vertraut. Während der Planung stellte ich mir immer wieder die Frage, wie jüngere Generationen Geschichte nicht nur lernen, sondern auch emotional erfahren können. So entstand die Idee, „GWANGBOK“ als Akronym zu verwenden, inspiriert von Wortspielen aus koreanischen Unterhaltungssendungen. Ich wollte die Geschichte leichter zugänglich und einprägsam machen. Der Beitrag sollte daran erinnern, dass Befreiung nicht nur ein historisches Ereignis ist, sondern auch eine Geschichte von Mut, Hoffnung, Opferbereitschaft und der Kraft, weiterzugehen.
Citra: Die Idee entstand aus meiner eigenen Geschichte und meiner Erfahrung beim Erlernen der koreanischen Sprache, unter anderem durch K-Pop-Songs. Ich wollte ein kleines Stück aus meiner eigenen Welt erzählen. Der Animationsstil entwickelte sich ganz natürlich, weil er meine Persönlichkeit und die Art von Inhalten widerspiegelt, die ich gerne gestalte. Ich mag verspielte Bilder, sanfte Emotionen und kleine Details, die Menschen zum Lächeln bringen. Statt ein besonders filmisches oder konventionelles Video zu produzieren, wollte ich etwas Warmes, Tröstliches und Persönliches schaffen. Die Zuschauer sollten Korea aus einer weicheren und fantasievolleren Perspektive erleben und nach dem Ansehen Freude, Wärme und Aufrichtigkeit empfinden.
Citra Auly Maulida Rizka vor ihrem Gewinnerbeitrag in der Kategorie „Promotion Video“ (links). Rechts ein Ausschnitt aus ihrem animierten Wettbewerbsvideo © Citra Auly Maulida Rizka
3. Was war bei der Umsetzung deines Beitrags am schwierigsten?
Vina: Die größte Herausforderung war nicht technischer, sondern emotionaler und kreativer Natur. Als Indonesierin, die einen Beitrag über den koreanischen Befreiungstag erstellt, empfand ich eine große Verantwortung. Ich fragte mich immer wieder, ob ich die Geschichte tief genug verstanden hatte, um respektvoll darüber zu erzählen. Ich musste ein Gleichgewicht zwischen einer visuell ansprechenden Darstellung für jüngere Menschen und der historischen Ernsthaftigkeit des Themas finden. Gleichzeitig entwickelte ich das Konzept, schrieb das Skript, plante die Geschichte, filmte und bearbeitete das gesamte Video allein. Dadurch lag jede Entscheidung – von den einzelnen Szenen bis zu den Übergängen und Emotionen – bei mir.
Citra: Ich erfuhr erst fünf Tage vor dem Einsendeschluss von dem Wettbewerb. Deshalb musste ich in sehr kurzer Zeit Ideen entwickeln, Szenen planen, das Video bearbeiten, Animationen hinzufügen und viele kleine Details abstimmen. Manchmal beschäftigte ich mich lange mit der Frage, ob eine Szene wirklich das gewünschte Gefühl vermittelte. Die größte persönliche Herausforderung waren jedoch meine Selbstzweifel. Ich fragte mich, ob meine Ideen gut genug oder mein Stil im Vergleich zu anderen vielleicht zu einfach war. Durch diese Erfahrung lernte ich, dass Aufrichtigkeit wichtiger ist als Perfektion und Menschen sich stärker mit Werken verbunden fühlen, die ehrlich und persönlich wirken.
Vina Aulia Zakiah Sodikin vor ihrem ausgezeichneten Beitrag „The Light of Gwangbokjeol“ (links) sowie mit Urkunde und Trophäe bei der offiziellen Ausstellung in Jakarta (rechts) © Vina Aulia Zakiah Sodikin
4. Was hast du durch die Teilnahme gelernt?
Vina: Jede Wettbewerbsteilnahme hat mir etwas anderes beigebracht: besseres Storytelling, stärkere visuelle Gestaltung und mehr Vertrauen in meine eigenen kreativen Entscheidungen. Bei meinem Beitrag für 2025 hatte ich erstmals das Gefühl, nicht nur für einen Wettbewerb oder einen möglichen Gewinn zu arbeiten. Das Projekt verband meine Leidenschaft für Geschichte, mein Studium der Internationalen Beziehungen und meine persönliche Beziehung zu Korea. Dadurch fühlte sich das Video weniger wie ein Wettbewerbsbeitrag und mehr wie ein Ausdruck meiner Entwicklung als Kreative an. Ich habe zudem erkannt, dass Inhalte eine Form kultureller Kommunikation sein und Brücken zwischen Menschen verschiedener Länder schaffen können.
Citra: Während der Recherche und der Produktion lernte ich Koreas Kultur, Geschichte und kreative Identität noch tiefer kennen. Gleichzeitig erkannte ich, dass kreative Projekte Menschen unterschiedlicher Länder und Hintergründe über Emotionen miteinander verbinden können. Talk Talk Korea war für mich besonders, weil ich verschiedene Teile meiner Persönlichkeit zusammenbringen konnte: visuelle Gestaltung, Emotionen, Storytelling und meine langjährige Verbindung zu Korea. Das Projekt fühlte sich deshalb persönlicher an als eine gewöhnliche Wettbewerbsteilnahme und half mir, mich selbstbewusster auszudrücken.
Ihre seit der Kindheit bestehende Begeisterung für die koreanische Kultur, von der sie auch im Interview erzählt, zeigt Citra Auly Maulida Rizka beim Besuch des Gyeongbokgung-Palasts in Seoul in traditioneller Hanbok-Kleidung © Citra Auly Maulida Rizka
5. Wie hast du auf deinen ersten Platz reagiert?
Vina: Es war einer der emotionalsten und unvergesslichsten Momente meines Lebens. Ich hatte lange davon geträumt, Korea nicht einfach als Touristin, sondern aufgrund meiner eigenen Leistung besuchen zu können. Kurz vor der Bekanntgabe war ich zum ersten Mal bei einem Sommercamp in Gyeongsangbuk-do gewesen. Bei meiner Abreise schrieb ich am Flughafen Incheon, dass ich schon sehr bald zurückkehren würde. Als eine Freundin mir später mitteilte, dass ich den ersten Platz gewonnen hatte, begann ich sofort zu weinen. Ich rief meine Mutter an und sagte: „Mama, ich fliege nächsten Monat wieder nach Korea.“ Für mich war es mehr als ein Wettbewerbssieg. Es fühlte sich an, als hätten mich viele Jahre der Leidenschaft, der Arbeit und des Glaubens an meinen Traum zu diesem Moment geführt.
Citra: Ich war sehr überrascht und konnte zunächst kaum glauben, dass mein Name beim ersten Platz stand. Ich las die Bekanntgabe mehrmals, weil sie sich für mich unwirklich anfühlte. Da es meine erste Teilnahme an Talk Talk Korea war, wurde der Gewinn zu einem besonders unvergesslichen Erlebnis. Ich war dankbar und stolz, aber gleichzeitig motivierte mich der Erfolg auch, weiterzulernen und meine kreativen Fähigkeiten zu verbessern. Bei einer erneuten Gelegenheit würde ich gerne wieder teilnehmen, neue Ideen entwickeln und mich noch einmal kreativ herausfordern.
Das offizielle Poster des internationalen Kreativwettbewerbs Talk Talk Korea 2026 zeigt die Wettbewerbskategorien. Die Teilnahme unter dem diesjährigen Motto „Global K-Culture, Now From 'My POV' (dt. „Globale K-Kultur, jetzt aus meiner Sicht”)”” ist vom 27. Juli bis einschließlich 28. September 2026 über talktalkkorea.or.kr möglich © Ministry of Culture, Sports and Tourism
6. Welchen Rat gibst du den Teilnehmenden von Talk Talk Korea 2026?
Vina: Erstellt euren Beitrag nicht nur, um die Jury zu beeindrucken. Schafft etwas, das sich wirklich nach euch anfühlt. Viele Kreative vergleichen ihre Arbeiten zu stark mit früheren Gewinnerbeiträgen oder versuchen herauszufinden, welche Art von Inhalt besonders gut ankommen könnte. Meine besten Arbeiten entstanden jedoch, als ich aufhörte, fremden Maßstäben zu folgen, und meiner eigenen Perspektive vertraute. Nutzt eure eigene Geschichte, euren Hintergrund und eure Gefühle. Technische Fähigkeiten können sich mit der Zeit verbessern, aber Authentizität können die Menschen unmittelbar spüren. Habt außerdem keine Angst, wenn eure Entwicklung Zeit benötigt. Jeder Versuch und jede Herausforderung kann euch etwas Neues beibringen. Wartet nicht, bis ihr euch vollkommen bereit fühlt, denn manchmal beginnt das Wachstum genau dann, wenn man sich entscheidet, einfach anzufangen.
Citra: Habt keine Angst davor, etwas zu schaffen, das sich wirklich nach euch anfühlt. Manchmal glauben wir, unsere Ideen seien zu einfach oder noch nicht perfekt genug. Doch Authentizität ist das, was eine kreative Arbeit besonders und unvergesslich macht. Konzentriert euch nicht zu stark auf Trends oder auf den Vergleich mit anderen. Erzählt eure eigene Geschichte ehrlich und zeigt, was euch persönlich mit Korea verbindet. Eure individuelle Perspektive ist eure Stärke. Genießt außerdem den kreativen Prozess und habt keine Angst vor dem ersten Schritt. Fangt einfach an und vertraut darauf, dass sich eure Idee während des Arbeitens weiterentwickelt.
Dieser Artikel wurde von einer Korea.net-Ehrenberichterstatterin verfasst. Unsere ehrenamtlichen Reporter kommen aus der ganzen Welt und teilen ihre Liebe und Leidenschaft über alle Dinge in Korea.
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