Ehrenberichterstatter

21.08.2026

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Von Ehrenberichterstatter Manuel Guthmann aus Deutschland | Fotos: Juliana Baron

In Mödlareuth, dem einstigen deutsch-deutschen Grenzort zwischen Bayern und Thüringen, verlief bis 1990 die Grenze zwischen der Bundesrepublik Deutschland (BRD) und der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) mitten durchs Dorf. Wie Korea war auch Deutschland über Jahrzehnte ein geteiltes Land, bis zur Wiedervereinigung 1990.

An diesem symbolträchtigen Ort trafen sich am 26. Juli Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Deutschland, Korea und weiteren Ländern zum „Peace Walk 2026. Vom Grünen Band zur DMZ“.

Anlass war der 73. Jahrestag des Waffenstillstandsabkommens auf der koreanischen Halbinsel. Eingeladen hatte die Frankfurter Regionalgruppe des Peaceful Unification Advisory Council (PUAC), einer Organisation, die sich für die friedliche Wiedervereinigung Koreas einsetzt. Mitveranstalter waren das Deutsch-Deutsche Museum Mödlareuth, der BUND, die Initiative Grünes Band Deutschland und die Deutsch-Koreanische Gesellschaft (DKG), die den kulturellen Austausch zwischen beiden Ländern fördert.

Erinnern und voneinander lernen als Ziel des Tages

Hauptorganisator Seung-Seok Ryu, Regionalleiter des PUAC Frankfurt, machte in seiner Eröffnungsrede deutlich, worum es an diesem Tag gehen sollte. Es sollte um das Bewahren von Erinnerung, den gegenseitigen Austausch und gemeinsame Überlegungen zu Frieden und Verständigung auf der koreanischen Halbinsel gehen. Deutschland habe seine schmerzhafte Teilungsgeschichte nicht vergessen, sondern in eine Zukunft der Hoffnung verwandelt, so Ryu.

Genau diese Hoffnung wolle man an diesem Tag mit den koreanischen Gästen teilen. Er fügte hinzu, dass das Treffen eine neue Brücke des Friedens zwischen Deutschland und Korea sein solle.

Unter den Ehrengästen waren Prof. Dr. Hubert Weiger, Ehrenvorsitzender des BUND, Thomas Elster, Honorarkonsul der Republik Korea in Bayern, Museumsleiter Robert Lebegern sowie Juliana Baron, Vizepräsidentin der Deutsch-Koreanischen Gesellschaft.

Grußworte durch Prof. Dr. Hubert Weiger, Ehrenvorsitzender des BUND und Beauftragter für das Grüne Band, und Regionalleiter Jung-Hwan Lee, PUAC Frankfurt

Grußworte durch Prof. Dr. Hubert Weiger, Ehrenvorsitzender des BUND und Beauftragter für das Grüne Band, und Regionalleiter Jung-Hwan Lee, PUAC Frankfurt


Eine persönliche Verbindung zur eigenen Familiengeschichte

Besonders persönlich wurde es in der Rede von Thomas Elster, Honorarkonsul der Republik Korea in Bayern. In seinem Grußwort spannte er den Bogen von der deutschen Geschichte zur Gegenwart auf der koreanischen Halbinsel.

Vortrag durch Thomas Elster, Honorarkonsul der Republik Korea in Bayern

Vortrag durch Thomas Elster, Honorarkonsul der Republik Korea in Bayern


Aus eigener Erfahrung, aufgewachsen nahe der innerdeutschen Grenze, erinnerte Elster an die tiefen Einschnitte, die die Teilung für Familien, Nachbarn und ganze Regionen bedeutete. Er verwies dabei auf eine oft vergessene Lehre der deutschen Wiedervereinigung: Noch 1988 wurde in Deutschland ernsthaft diskutiert, das Ziel der Wiedervereinigung als unrealistisch aufzugeben.

Nur ein Jahr später fiel die Mauer. Für Elster ein Beleg dafür, dass Geschichte nicht geradlinig verläuft und sich selbst festgefahrene Situationen unerwartet wenden können.

Gerade angesichts der aktuellen Entwicklungen in Nordkorea rief er dazu auf, realistisch zu bleiben, ohne die Hoffnung auf Dialog, Verständigung und friedliche Perspektiven aufzugeben. Der Peace Walk selbst sei ein Beispiel dafür, wie solche Begegnungen möglich werden.

Wie Naturschutz zum Vorbild für die DMZ werden kann

Prof. Dr. Hubert Weiger, Ehrenvorsitzender des BUND, erläuterte die doppelte Bedeutung des Grünen Bandes als Natur- und Erinnerungslandschaft. Er schilderte, wie entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze auf 1.400 Kilometern das Grüne Band entstand, heute einer der bedeutendsten Biotopverbünde Europas.

Die Entstehungsgeschichte reicht zurück bis unmittelbar nach dem Fall der Berliner Mauer. In jahrzehntelanger Arbeit setzten sich Naturschützer dafür ein, diesen einzigartigen Natur- und Kulturraum zu erhalten. Derzeit wird sogar eine Anerkennung als UNESCO-Welterbe angestrebt.

Weiger warb dafür, dieses Konzept auf die DMZ (Demilitarisierte Zone), den rund vier Kilometer breiten und streng bewachten Grenzstreifen, der die Republik Korea bis heute von Nordkorea trennt, zu übertragen. Gerade weil dort kaum Menschen den Streifen betreten durften, ist über Jahrzehnte ein einzigartiger Rückzugsraum für seltene Tier- und Pflanzenarten entstanden.

Eines Tages könnte auch die DMZ zu einem Ort des Erinnerns, Lernens und der Begegnung werden, so Weiger. Er warb dafür, die deutschen Erfahrungen frühzeitig in die koreanische Diskussion einzubringen, mit dem Ziel, Naturschutz und Erinnerungsarbeit von Anfang an zusammenzudenken, eine Perspektive, die bei den koreanischen Gästen große Zustimmung fand.

Ein Museum erzählt vom geteilten Alltag

Im Anschluss erkundeten die Teilnehmer das Deutsch-Deutsche Museum Mödlareuth. Erhaltene Grenzanlagen, Wachtürme und originale Zeitzeugnisse vermittelten ein anschauliches Bild vom Alltag in einem Dorf, das über Jahrzehnte hinweg durch ein politisches System geteilt war.

Für viele koreanische Gäste wurde hier erstmals unmittelbar nachvollziehbar, welche Auswirkungen eine Grenze auf das Leben der Menschen haben kann. Sie verglichen die Eindrücke direkt mit der Situation auf der koreanischen Halbinsel, wo eine Grenze bis heute Familien und Nachbarschaften trennt.

Grußworte durch Robert Lebegern, Museumsleiter des Deutsch-Deutschen Museums Mödlareuth

Grußworte durch Robert Lebegern, Museumsleiter des Deutsch-Deutschen Museums Mödlareuth


Ein Spaziergang entlang der einstigen Grenzlinie

Den Höhepunkt des Tages bildete der gemeinsame Spaziergang entlang des Grünen Bandes unter Leitung von Thomas Findeis, Projektleiter des Naturschutzgroßprojekts „Grünes Band Dreiländereck Bayern–Sachsen–Thüringen“. Findeis begleitet das Projekt seit Jahren fachlich und kennt nahezu jeden Abschnitt der ehemaligen Grenzlinie im Detail. Mit enormer Sachkenntnis führte er die Gruppe entlang der Strecke und machte die Geschichte des Ortes lebendig.

Friedensspaziergang entlang des Grünen Bandes unter der Leitung von Thomas Findeis

Friedensspaziergang entlang des Grünen Bandes unter der Leitung von Thomas Findeis


Die Teilnehmer standen dort, wo einst Grenzzäune und Wachtürme das Land teilten, umgeben von dichtem Grün, Vogelgesang und der ungewohnten Stille eines Ortes, an dem früher jeder Schritt überwacht wurde. Gleichzeitig erlebten sie, wie sich entlang dieser ehemaligen Trennlinie ein kostbarer Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten entwickelt hat. Findeis verwies mehrfach auf die Parallelen zur DMZ als Rückzugsraum für die Natur inmitten einer einst streng bewachten Grenzregion.

Besonders bewegend waren die persönlichen Gespräche während des Spaziergangs. Eine koreanische Teilnehmerin erzählte von ihrer eigenen Kindheit in einem Dorf nahe der Grenze zu Nordkorea und zog bewegende Parallelen zu Mödlareuth. Solche persönlichen Erzählungen machten deutlich, dass hinter politischen Begriffen wie Teilung und Wiedervereinigung stets die persönlichen Geschichten und Schicksale einzelner Menschen stehen, in Deutschland ebenso wie in Korea.

Thomas Findeis, Projektleiter des Naturschutzgroßprojekts Grünes Band Dreiländereck Bayern–Sachsen–Thüringen

Thomas Findeis, Projektleiter des Naturschutzgroßprojekts Grünes Band Dreiländereck Bayern–Sachsen–Thüringen


Was von diesem Tag für Korea bleibt

Der Peace Walk 2026 zeigte eindrucksvoll, wie aus einem Erinnerungsort ein Raum des Dialogs werden kann. Die Verbindung deutscher und koreanischer Erfahrungen sowie die gemeinsame Auseinandersetzung mit Geschichte, Natur und Frieden machten die Veranstaltung zu einem besonderen Beispiel deutsch-koreanischer Verständigung.

Besonderer Dank galt Seung-Seok Ryu für seine Initiative und sein Engagement bei der Organisation des Peace Walks sowie der PUAC Frankfurt für die Ausrichtung der gelungenen Veranstaltung. Der gemeinsame Weg entlang des Grünen Bandes zeigte, wie wertvoll persönliche Begegnungen sind und dass Grenzen zu Brücken und einstige Orte der Trennung zu Orten der Begegnung werden können.

Dieser Artikel wurde von einem Korea.net-Ehrenberichterstatter verfasst. Unsere ehrenamtlichen Reporter kommen aus der ganzen Welt und teilen ihre Liebe und Leidenschaft über alle Dinge in Korea.

dlektha0319@korea.kr