Das offizielle Poster der 2026 World Island Fair Yeosu Korea zeigt das diesjährige Leitmotiv „Island, Connecting the Ocean and the Future“. Die internationale Inselausstellung findet vom 5. September bis einschließlich 4. November 2026 in Yeosu in der Provinz Jeollanam-do statt © Yeosu World Island Expo Organizing Committee
Von Ehrenberichterstatterin Jasmin Mikolay aus Deutschland
Mehr als 3.000 Inseln liegen entlang der Küsten Koreas. Manche sind durch Brücken mit dem Festland verbunden, andere nur mit der Fähre erreichbar, viele sind unbewohnt. Zusammen bilden sie nicht nur eine charakteristische Küstenlandschaft. Über Generationen entstanden auf ihnen eigene Lebensweisen, Geschichten und Traditionen.
Besonders sichtbar wird diese Inselwelt im Süden des Landes. Allein zu Yeosu in der Provinz Jeollanam-do gehören 365 Inseln, davon 48 bewohnte und 317 unbewohnte. Meer, Inseln und Stadt liegen hier so nah beieinander, dass die maritime Landschaft vielerorts zum selbstverständlichen Teil des Alltags gehört.
Vom
5. September bis 4. November 2026 wird genau diese Beziehung zum Thema einer internationalen Veranstaltung. Unter dem Leitgedanken
„Connecting Islands, Oceans, and the Future“ findet in Yeosu die
2026 World Island Fair Yeosu Korea statt. Sie beschäftigt sich mit der Kultur und Natur von Inseln ebenso wie mit der Frage, welche Rolle Inselgemeinschaften in Zukunft spielen können.
Für Yeosu ist der Blick auf das Meer nicht neu. Bereits 2012 war die Stadt Gastgeberin einer internationalen Expo. Damals standen unter dem Motto „The Living Ocean and Coast“ das Meer und die Küsten im Mittelpunkt. Vierzehn Jahre später richtet sich der Blick auf jene Orte, die zwischen beiden Welten liegen: die Inseln.
Von Odongdo öffnet sich im Oktober 2024 der Blick über das Meer und die Inselwelt vor Yeosu, die mit ihren 365 Inseln den geografischen und kulturellen Ausgangspunkt der 2026 World Island Fair Yeosu Korea bildet © Jasmin Mikolay
Inseln als kulturelles Gedächtnis
Inseln werden häufig zunächst mit Stränden, Küstenwegen und abgelegenen Landschaften verbunden. Ihre geografische Lage hat jedoch auch Kulturen geprägt. Wo Gemeinschaften über lange Zeit durch das Meer vom Festland getrennt waren, entwickelten sich eigene Geschichten, Bräuche und Lebensweisen.
Auch Yeosus Inseln bewahren Spuren dieser Vergangenheit. Auf Ando zeugen prähistorische Muschelhaufen von früher menschlicher Besiedlung. Gleichzeitig haben sich zahlreiche Erzählungen erhalten. Nach Angaben der Stadt Yeosu sind 45 Legenden von 23 Inseln bekannt. Dazu gehören Geschichten von Gaedo, Geumodo und Odongdo. Einige dieser Überlieferungen sollen während der 2026 World Island Fair Yeosu Korea in Form von Musicals neu interpretiert werden.
Damit erhält ein Teil des immateriellen kulturellen Erbes der Inseln eine neue Bühne. Geschichten, die lange an einzelne Orte und Gemeinschaften gebunden waren, werden für ein internationales Publikum zugänglich. Gerade darin liegt eine der interessanten kulturellen Ebenen der Ausstellung. Sie behandelt Inseln nicht nur als geografische Räume, sondern als Orte des Erinnerns. Hinter den Landschaften stehen Menschen, deren Alltag über Generationen vom Meer geprägt wurde.
Felsige Küstenwege, dichte Vegetation und das Odongdo Lighthouse (오동도등대) prägen bei einem Besuch auf Odongdo in Yeosu im Oktober 2024 die Landschaft und zeigen, wie unmittelbar Inselnatur und Meer hier aufeinandertreffen © Jasmin Mikolay
Eine Stadt, in der das Meer immer wieder auftaucht
Warum eine Ausstellung über Inseln gerade in Yeosu stattfindet, lässt sich auch außerhalb des Veranstaltungsgeländes nachvollziehen.
Bei Besuchen Yeosus im Oktober 2023 und 2024 zeigte sich der Autorin besonders deutlich, wie selbstverständlich das Meer zum Stadtbild gehört. Zwischen Straßen und Hügeln öffnete sich immer wieder der Blick auf das Wasser. Die Yeosu-Brücke tauchte aus unterschiedlichen Perspektiven im Stadtbild auf, dahinter erstreckten sich das Meer und die vorgelagerten Inseln. So erschien die maritime Landschaft nicht als Kulisse am Rand Yeosus, sondern als fester Bestandteil der Stadt selbst.
Besonders unmittelbar lässt sich diese Verbindung auf Odongdo erleben. Die Insel liegt nahe dem Gelände der Expo 2012 und ist über einen Damm mit dem Festland verbunden. Zwischen dichter Vegetation führen Wege zur felsigen Küste. Ein Leuchtturm überragt die Insel, während Aussichtspunkte den Blick über das Meer und die umliegende Landschaft öffnen.
An solchen Orten wird verständlich, dass die Inselwelt für Yeosu nicht erst mit der Ausstellung 2026 beginnt. Sie bestimmt die Wahrnehmung der Stadt schon heute. Die Nähe von Vegetation, Felsen, Wasser und urbanem Raum schafft einen Wechsel, der selbst innerhalb kurzer Entfernungen sichtbar wird. Die World Island Exhibition greift damit ein Thema auf, das in Yeosu längst Teil der Landschaft ist.
Der Zugang zu Odongdo in Yeosu führt Besucher:innen zu einer der bekanntesten Küstenlandschaften der Stadt. Die im Oktober 2024 entstandene Aufnahme verweist zugleich auf jene Inselwelt, die 2026 international zum Thema wird © Jasmin Mikolay
Wenn das Meer Geschichte erzählt
Die maritime Identität Yeosus reicht weit über Landschaft und Tourismus hinaus. Auch die Geschichte der Stadt ist eng mit dem Meer verbunden.
Im Zentrum begegnet Besucher:innen immer wieder das Erbe von Admiral Yi Sun-sin, der während der Joseon-Zeit an Koreas Südküste wirkte. Denkmäler und das berühmte Geobukseon, häufig als Schildkrötenschiff bezeichnet, erinnern bis heute an die strategische Bedeutung der Region.
Bei einem Rundgang durch Yeosu 2024 gehörte gerade das Nebeneinander verschiedener Zeitebenen zu den auffälligsten Eindrücken. Historische Erinnerungsorte stehen in einer Stadt, deren heutige Silhouette zugleich von Brücken, moderner Küstenarchitektur und den Spuren der Expo 2012 geprägt wird. Wandmalereien und kleinere kulturelle Orte erzählen lokale Geschichten auf wiederum andere Weise.
Das Meer verbindet diese unterschiedlichen Ebenen. Es erscheint als historischer Schauplatz, als Lebensgrundlage und als Teil der kulturellen Identität der Stadt. Vierzehn Jahre nach der Expo 2012 wird diese Geschichte nun fortgeschrieben.
Das Geobukseon, Erinnerungsorte an Admiral Yi Sun-sin und der Hafen zeigen bei einem Rundgang durch Yeosu im Oktober 2024, wie eng maritime Geschichte und Gegenwart im Stadtbild miteinander verbunden sind © Jasmin Mikolay
Alte Inselsagen treffen auf neue Technologien
Die World Island Exhibition beschäftigt sich jedoch nicht nur mit der Vergangenheit. Einen wesentlichen Teil bildet die Frage nach der Zukunft von Inseln.
Geplant sind Themenbereiche zu Meeresökologie, Inselkultur, internationalem Austausch und zukünftigen Lebensräumen. Moderne Technologien sollen dabei helfen, diese Themen erfahrbar zu machen. Zu den angekündigten Elementen gehören immersive Medien, LED-Installationen und Anwendungen mit Augmented Reality.
Damit entsteht ein bemerkenswerter Kontrast. Auf der einen Seite stehen prähistorische Spuren und Legenden, die über Generationen weitergegeben wurden. Auf der anderen Seite stehen digitale Technologien und Zukunftskonzepte. Dazwischen liegt eine Frage, die weit über Yeosu hinausreicht: Wie können Inselgemeinschaften ihre kulturelle Identität bewahren und sich gleichzeitig weiterentwickeln?
Auch deshalb beschränkt sich die Veranstaltung nicht allein auf klassische Ausstellungshallen. Mit Gaedo und Geumodo werden reale Inseln in das Programm einbezogen. Die Inselwelt wird damit nicht nur Gegenstand der Ausstellung, sondern selbst zu einem Teil ihres Schauplatzes.
Auf dem ehemaligen Expo-Gelände von 2012 treffen bei einem Besuch Yeosus im Oktober 2024 nächtliche Lichtinstallationen und Küstenlandschaft aufeinander. Vierzehn Jahre später schreibt die Stadt mit der 2026 World Island Fair Yeosu Korea ihre internationale Geschichte rund um Meer und Inseln weiter © Jasmin Mikolay
Inselkultur auf dem Teller
Wie eng das Leben am Meer mit Kultur verbunden ist, zeigt sich in Yeosu auch beim Essen. Fisch, Krabben und andere Meeresfrüchte gehören zu den Spezialitäten der Region.
Auch diese Seite der Stadt ließ sich bei einem Aufenthalt 2024 unmittelbar erleben. Würzig zubereitete Krabbengerichte verbinden lokale Zutaten mit einer Esskultur, die ohne die geografische Lage Yeosus kaum denkbar wäre. Das Meer ist hier nicht nur Landschaft, sondern seit Generationen auch Nahrungsquelle.
Die 2026 World Island Fair Yeosu Korea greift diese kulinarische Dimension ebenfalls auf. Ein Festival rund um die Küche verschiedener Inselregionen soll Besucher:innen unterschiedliche Esskulturen näherbringen.
Damit wird deutlich, dass Inselkultur nicht allein in Museen, historischen Stätten oder überlieferten Legenden zu finden ist. Sie lebt ebenso in Gerichten und alltäglichen Gewohnheiten weiter.
Gejang Baekban (게장백반), ein koreanisches Menü mit marinierten Krabben und zahlreichen Beilagen, zählt zu den bekannten Spezialitäten Yeosus. Die im Oktober 2024 aufgenommene Mahlzeit zeigt, wie eng die regionale Esskultur der Hafenstadt mit dem Meer verbunden ist © Jasmin Mikolay
Informationen zur 2026 World Island Fair Yeosu Korea
Wer die Ausstellung besuchen möchte, findet auf der offiziellen Website der Expo aktuelle Informationen zu Veranstaltungsorten, Themenbereichen und dem begleitenden Programm. Neben dem Hauptgelände in Yeosu sind auch Veranstaltungen und Erlebnisprogramme auf Gaedo und Geumodo geplant. Da einzelne Programmpunkte und Termine bis zur Eröffnung aktualisiert werden können, empfiehlt sich vor dem Besuch ein Blick auf den aktuellen Veranstaltungskalender.
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Dauer: 5. September bis 4. November 2026
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Ort: Yeosu, Jeollanam-do
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Hauptveranstaltungsort: Jinmo District (돌산 진모지구), Dolsan
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Weitere Veranstaltungsorte: Expo-Gelände, Gaedo und Geumodo
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Programm und Besucherinformationen: Offizielle Website der Expo “2026 World Island Fair Yeosu Korea”:
https://www.yeosuexhibition2026.or.kr
Von der Expo 2012 zur Inselwelt von 2026
Für Yeosu bedeutet die 2026 World Island Fair Yeosu Korea deshalb mehr als eine weitere internationale Großveranstaltung.
2012 erzählte die Stadt von Ozeanen und Küsten. 2026 wird diese maritime Geschichte aus einer anderen Perspektive fortgesetzt. Nun stehen die Inseln selbst stärker im Mittelpunkt, mit ihren Landschaften, Geschichten und Gemeinschaften, aber auch mit den Herausforderungen ihrer Zukunft.
Wer von Yeosus Küste auf das Meer blickt, sieht zunächst Wasser und Inseln am Horizont. Dahinter liegen jedoch Geschichten von Seefahrt und Fischerei, historischen Ereignissen und überlieferten Legenden, regionaler Küche und dem Alltag von Menschen, deren Leben seit Generationen mit dem Meer verbunden ist.
Wenn die 2026 World Island Fair Yeosu Korea am 5. September eröffnet, werden einige dieser Geschichten für zwei Monate Teil einer internationalen Ausstellung. Die eigentliche Inselwelt beginnt jedoch außerhalb der Ausstellungshallen. Sie liegt an den kleinen Häfen, auf den Küstenwegen, zwischen den Inseln und dort, wo Brücken und Fähren Verbindungen schaffen.
Vielleicht liegt gerade darin die besondere Bedeutung Yeosus für das Thema. Inseln sind durch Wasser voneinander getrennt. Ihre Geschichten erzählen jedoch immer wieder davon, wie Menschen diese Distanz überwinden.
Mit der 2026 World Island Fair Yeosu Korea versucht Yeosu 2026, diese Geschichten nicht nur zu bewahren, sondern mit Fragen nach der Zukunft zu verbinden. Damit positioniert sich die koreanische Küstenstadt zunehmend als internationales Zentrum für Inselkultur und maritime Zukunftsfragen.
Dieser Artikel wurde von einer Korea.net-Ehrenberichterstatterin verfasst. Unsere ehrenamtlichen Reporter kommen aus der ganzen Welt und teilen ihre Liebe und Leidenschaft über alle Dinge in Korea.
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