Ehrenberichterstatter

11.09.2026

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Das Tigerschwert „Sa-In-Geom“ (사인검) im Grassimuseum Leipzig (Inv. Nr. OAs 7835) im Juli 2026 © Lydia Sonntag

Das Tigerschwert „Sa-In-Geom“ (사인검) im Grassimuseum Leipzig (Inv. Nr. OAs 7835) im Juli 2026 © Lydia Sonntag



Von Ehrenberichterstatterin Lydia Sonntag aus Deutschland

Ein Netflix-Film führt ins Museum

Ein Jahr nach dem weltweiten Erfolg von „KPop Demon Hunters“ ist die Begeisterung für den Film noch immer groß. Seit seiner Veröffentlichung am 20. Juni 2025 fasziniert der Netflix-Animationsfilm Millionen Zuschauer mit seiner Mischung aus K-Pop, koreanischer Mythologie und moderner Fantasy. So auch viele junge Menschen in Deutschland. Besonders spannend: Das Schwert der Hauptfigur Rumi, die mächtigste Waffe im Film, geht auf das sogenannte „Vier-Tiger-Schwert“ zurück.

Als Korea.net-Ehrenberichterstatterin Lydia Sonntag im Frühjahr 2026 erfuhr, dass sich die historische Vorlage dieses Schwertes ausgerechnet in Leipzig befinden soll, führte ihre Recherche in das Leipziger Völkerkundemuseum. Aus der Suche nach einem einzelnen Ausstellungsstück entwickelte sich eine überraschende Entdeckungsreise durch koreanische Geschichte, Kunst und Kultur.

Kampfszene aus dem Netflix-Film „KPop Demon Hunters“, in der die Hauptfigur Rumi ihr Schwert gegen den Dämon Jinu einsetzt © 2025 Sony Pictures Animation/Netflix

Kampfszene aus dem Netflix-Film „KPop Demon Hunters“, in der die Hauptfigur Rumi ihr Schwert gegen den Dämon Jinu einsetzt © 2025 Sony Pictures Animation/Netflix


Korea im Grassimuseum

Das Grassimuseum für Völkerkunde zu Leipzig gehört zu den größten ethnologischen Museen Deutschlands und beherbergt Sammlungen aus allen Teilen der Welt – darunter auch zahlreiche Objekte aus Korea. Um mehr über diese Sammlung zu erfahren, traf Lydia Sonntag im Juli 2026 Peggy Marx, Sammlungsverwalterin für Ostasien, Nordasien und Europa. Noch bevor sich die Museumstüren öffneten, sprachen sie in der Asien-Ausstellung über die Geschichte der koreanischen Sammlung und darüber, wie die Objekte ihren Weg nach Leipzig fanden.

Viele Exponate stammen aus der sogenannten Möllendorff-Sammlung und gelangten bereits Anfang des 20. Jahrhunderts nach Deutschland. Paul Georg von Möllendorf wurde im Dezember 1882 als Berater an den Hof des koreanischen Königs berufen, um die Öffnung und den Austausch mit westlichen Nationen zu fördern. Weitere Objekte kamen ab dem Jahr 1902 durch die umfangreiche Sammlung von H. Sänger nach Leipzig.

Heute finden Ausstellungsstücke durch Kooperationen mit anderen Museen oder Stiftungsangebote ihren Weg in das Museum. Obwohl derzeit nur ein kleiner Teil der über 2000 koreanischen Objekte dauerhaft ausgestellt ist, arbeitet das Museum daran, die koreanische Sammlung künftig wieder stärker in der Ausstellung sichtbar zu machen.

Das Eingangstor vom Grassimuseum für Völkerkunde zu Leipzig im Juli 2026 © Lydia Sonntag

Das Eingangstor vom Grassimuseum für Völkerkunde zu Leipzig im Juli 2026 © Lydia Sonntag


Das Schwert, das K-Pop-Fans plötzlich kennen

Im Mittelpunkt des Gesprächs steht schließlich genau jenes Objekt in der Vitrine neben ihnen, das viele Fans aus dem Film „KPop Demon Hunters“ wiedererkennen würden: das Sa-In-Geom (사인검) – das sogenannte Vier-Tiger-Schwert. Es schlägt eine überraschende Brücke zwischen moderner Popkultur und jahrhundertealter Geschichte.

Heute gelten diese Schwerter als äußerst selten. Geschmiedet werden durften sie nur unter außergewöhnlichen astrologischen Bedingungen: Jahr, Monat, Tag und Stunde mussten gleichzeitig im Zeichen des Tigers stehen. Dieses seltene Zusammentreffen findet lediglich alle zwölf Jahre statt. Die nächste Gelegenheit bietet sich erst wieder am 21. Februar 2034 zwischen drei und fünf Uhr morgens koreanischer Zeit.

Das Leipziger Exponat stammt aus der Joseon-Zeit des 19. Jahrhunderts und misst 61,8 Zentimeter. Zwar wäre es grundsätzlich kampftauglich gewesen, diente jedoch vor allem zeremoniellen und rituellen Zwecken. Hochrangige Generäle trugen es als Schutzsymbol. Auf der Klinge befinden sich Sternbilder sowie talismanische Inschriften, die himmlische Mächte anrufen und böse Geister fernhalten sollten. In der koreanischen Kultur gilt der Tiger bis heute als Symbol für Mut, Stärke, Wohlstand und Erfolg.

Besonders bemerkenswert ist jedoch die jüngste Geschichte des Schwertes. Laut Peggy Marx gelangte das Exemplar bereits 1902 durch den Hamburger Kunsthändler H. Sänger in die Leipziger Sammlung, zu der auch Objekte aus dem Umfeld des koreanischen Palasts zu gehören scheinen. Seit November 2025 ist das Schwert Teil der Ausstellung in Leipzig, nachdem es zuvor in Dresden ausgestellt war.

Im Rahmen eines Digitalisierungsprojekts der Heritage Connection wurde das „Vier Tiger Schwert“ 2025 dreidimensional erfasst. Die Bilder des Schwertes sind auf der Webseite der Digital Heritage Library zu sehen. Nach Angaben des Museums diente dieses Modell später als Vorlage für Rumis Schwert in „KPop Demon Hunters“. So verbindet das historische Objekt heute auf überraschende Weise koreanisches Kulturerbe mit moderner Popkultur.

Abbildung des Vier-Tiger-Schwerts im Buch „Glanz und Zurückhaltung“ in der Bibliothek des Grassimuseums für Völkerkunde zu Leipzig im Juli 2026 © Lydia Sonntag

Abbildung des Vier-Tiger-Schwerts im Buch „Glanz und Zurückhaltung“ in der Bibliothek des Grassimuseums für Völkerkunde zu Leipzig im Juli 2026 © Lydia Sonntag


Ein Gemälde öffnet ein Fenster in die Joseon-Zeit

Die koreanische Sammlung umfasst weit mehr als die aktuellen Ausstellungsstücke. Zu ihren interessantesten Werken zählt der mehrteilige Wandschirm „Gwakbunyang Haengnakdo“, eine Malerei aus der Joseon-Zeit.

Der Wandschirm zeigt Szenen aus dem Leben des chinesischen Staatsmannes Guo Fenyang. Er befindet sich derzeit nicht in der Ausstellung, gehört jedoch zur Leipziger Sammlung. Nach seiner Restaurierung in Korea war er zeitweise in Dresden zu sehen. Es besteht der Wunsch, das Exponat wieder in Leipzig auszustellen.

Der Wandschirm „Gwakbunyang Haengnakdo“ (Inv. Nr. OAs 8971) © SKD, Grassimuseum für Völkerkunde zu Leipzig

Der Wandschirm „Gwakbunyang Haengnakdo“ (Inv. Nr. OAs 8971) © SKD, Grassimuseum für Völkerkunde zu Leipzig


Ein kleines Geschenk bleibt ein Rätsel

Die eigentliche Recherche zu koreanischen Exponaten im Leipziger Völkerkundemuseum begann jedoch bereits einige Monate zuvor. Beim ersten K-Pop-Bingo-Abend des Grassimuseums am 04. Februar 2026 durften die K-Pop-Fans nicht nur einen Blick in die Ausstellung nebenan werfen, wo sie das Vier-Tiger-Schwert bewundern konnten, sondern die Gewinnerinnen erhielten unter anderem einen traditionellen Papierdruck als Erinnerung. Das Motiv faszinierte Lydia Sonntag sofort – doch niemand konnte erklären, woher es stammt.

Gemeinsam mit den Museumsmitarbeitenden versuchte sie, Herkunft und Bedeutung des Drucks nachzuvollziehen. Trotz intensiver Recherche ließ sich das Rätsel jedoch nicht vollständig lösen. Vielleicht macht genau das den Reiz von Museen aus: Nicht jedes Objekt gibt seine Geschichte sofort preis. Manche Fragen bleiben offen – und wecken gerade dadurch die Neugier auf weitere Entdeckungen.

Ein traditioneller Papierdruck als Erinnerung für die Gewinnerinnen des K-Pop-Bingo-Abends am 04.02.2026 im Grassimuseum für Völkerkunde zu Leipzig © Lydia Sonntag

Ein traditioneller Papierdruck als Erinnerung für die Gewinnerinnen des K-Pop-Bingo-Abends am 04.02.2026 im Grassimuseum für Völkerkunde zu Leipzig © Lydia Sonntag


Die Recherche endet nicht an der Museumstür

Nach dem Gespräch führte der Weg weiter in eine der Museumsbibliotheken. Zwischen Ausstellungskatalogen und Fachbüchern fand Lydia Sonntag zahlreiche Informationen zur koreanischen Sammlung, zur Joseon-Zeit und zu den ausgestellten Objekten.

Dabei zeigte sich auch, dass Korea im Grassimuseum längst nicht nur durch historische Objekte vertreten ist. In der Sammlung des Grassimuseums für Angewandte Kunst befindet sich außerdem ein Werk der zeitgenössischen Keramikkünstlerin Sin Youkyung, das im Rahmen der GRASSI Messe 2025 nach Leipzig gelangte. Ihre Keramiken verbinden traditionelle koreanische Handwerkstechniken mit zeitgenössischer Gestaltung und zeigen, dass koreanische Kunst im Museum nicht nur Vergangenheit, sondern auch Gegenwart ist.

Lydia Sonntag recherchiert im Buch „Glanz und Zurückhaltung“ in der Bibliothek des Grassimuseums für Völkerkunde zu Leipzig im Juli 2026 © Lydia Sonntag

Lydia Sonntag recherchiert im Buch „Glanz und Zurückhaltung“ in der Bibliothek des Grassimuseums für Völkerkunde zu Leipzig im Juli 2026 © Lydia Sonntag


Mehr Korea als erwartet

Was als Recherche über die Verbindung zwischen einem Netflix-Film und einem historischen Schwert begann, entwickelte sich zu einer unerwarteten Reise durch koreanische Kulturgeschichte mitten in Leipzig.

Das Vier-Tiger-Schwert, ein Joseon-Wandschirm, zeitgenössische Keramikkunst und die Geschichten hinter den Sammlungsobjekten zeigen, wie vielfältig Korea im Völkerkundemuseum vertreten ist – auch wenn derzeit nur ein kleiner Teil der Sammlung öffentlich zu sehen ist. Museen bewahren nicht nur Vergangenheit. Sie schaffen Verbindungen zwischen verschiedenen Zeiten, Kulturen und Generationen. Genau diesen Ansatz möchte das Grassimuseum für Völkerkunde weiterverfolgen.

Dieser Artikel wurde von einer Korea.net-Ehrenberichterstatterin verfasst. Unsere ehrenamtlichen Reporter kommen aus der ganzen Welt und teilen ihre Liebe und Leidenschaft über alle Dinge in Korea.

dlektha0319@korea.kr