Ehrenberichterstatter

11.09.2026

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Meeresfrüchte, Gemüse und Reis werden bei einer gemeinsamen Mahlzeit in Yeosu im Oktober 2024 nacheinander auf derselben heißen Platte zubereitet. Die Aufnahme zeigt den ersten Gang mit Meeresfrüchten und Gemüse (links) und den anschließenden Reisgang, bei dem auch Garnelen und die Aromen der vorherigen Zubereitung einbezogen werden (rechts)

Meeresfrüchte, Gemüse und Reis werden bei einer gemeinsamen Mahlzeit in Yeosu im Oktober 2024 nacheinander auf derselben heißen Platte zubereitet. Die Aufnahme zeigt den ersten Gang mit Meeresfrüchten und Gemüse (links) und den anschließenden Reisgang, bei dem auch Garnelen und die Aromen der vorherigen Zubereitung einbezogen werden (rechts)



Von Ehrenberichterstatterin Jasmin Mikolay aus Deutschland | Fotos: Jasmin Mikolay

Am 18. August stand in Korea ein Lebensmittel im Mittelpunkt, das für viele Menschen zum täglichen Essen gehört: Reis. Beim zwölften „Rice Day“ hob das Ministerium für Landwirtschaft, Ernährung und ländliche Angelegenheiten (MAFRA) unter dem diesjährigen Motto „우리를 잇는 한 톨“, sinngemäß „Ein Reiskorn, das uns verbindet“, die Bedeutung von Reis für Ernährung, Alltag und koreanische Esskultur hervor.

Wie vielseitig Reis in Korea verwendet wird, zeigt sich besonders am Esstisch. Dort kann er Beilage, Grundlage einer Mahlzeit und manchmal sogar ihr letzter Gang sein. Zutaten und Aromen, die bereits Teil des gemeinsamen Essens waren, können dabei noch einmal eine neue Rolle bekommen. 2026 erhält dieser Blick auf Lebensmittel zusätzliche Aktualität.

Wenn Reis zum letzten Gang wird

Wie wandelbar Reis innerhalb einer koreanischen Mahlzeit sein kann, zeigt sich besonders bei Gerichten, die gemeinsam aus einer heißen Pfanne oder Platte gegessen werden. Das koreanische Wort Bap (밥) bezeichnet gekochten Reis, wird im Alltag aber auch im Zusammenhang mit einer ganzen Mahlzeit verwendet.

Ein bekanntes Beispiel ist Dakgalbi (닭갈비), ein würziges Gericht, bei dem Hähnchenfleisch und Gemüse gemeinsam in einer meist scharf abgeschmeckten Sauce gegart werden. Anschließend kann auf derselben heißen Fläche ein weiterer Gang entstehen. Reis wird mit der aromatischen Sauce und beispielsweise Kimchi (김치), Gim (김), getrockneten Algenblättern, und Sesamöl vermischt. Daraus entsteht Bokkeumbap (볶음밥), gebratener Reis.

Für Besucher:innen kann dieser zusätzliche Reisgang eine besondere Entdeckung sein. Fast wirkt er wie ein herzhaftes „Dessert“. Vor allem setzt er die Mahlzeit geschmacklich fort: Der Reis nimmt Sauce und Röstaromen auf und verbindet sie zu einem neuen Gericht.

Einen ähnlichen Ablauf erlebte die Autorin bei einem Restaurantbesuch in Yeosu im Oktober 2024. Zunächst wurden Meeresfrüchte und Gemüse gemeinsam auf einer großen heißen Platte gegart. Später kam Reis hinzu, der auf derselben Fläche mit den vorhandenen Zutaten und Aromen weitergegart wurde. Statt mit dem ersten Gericht zu enden, erhielt die Mahlzeit dadurch auf derselben Platte eine zweite kulinarische Form.

In einem heißen Kochgefäß kommt der Reis direkt an den Tisch. Die Aufnahme aus einem Restaurant in Seoul im Dezember 2023 zeigt eine Form des Reisservierens, bei der die Wärme des Gefäßes auch nach dem Garen erhalten bleibt

In einem heißen Kochgefäß kommt der Reis direkt an den Tisch. Die Aufnahme aus einem Restaurant in Seoul im Dezember 2023 zeigt eine Form des Reisservierens, bei der die Wärme des Gefäßes auch nach dem Garen erhalten bleibt


Wenn der Topfboden Teil der Mahlzeit wird

Eine weitere Facette der koreanischen Reiskultur lernte die Autorin bei einem Restaurantbesuch in Seoul im Dezember 2023 kennen. Dort wurde Reis in einem heißen Kochgefäß serviert. Nachdem der weiche Reis in eine separate Schale gegeben worden war, befand sich am Boden eine dünne, goldbraun geröstete Reisschicht: Nurungji (누룽지).

Anschließend wurde Flüssigkeit in das noch heiße Gefäß gegossen. Die gerösteten Reiskörner lösten sich langsam vom Boden und gaben ihr leicht nussiges Aroma ab. Als Sungnyung (숭늉) kann dieser Reisaufguss zusammen mit dem aufgeweichten Reis zum Abschluss der Mahlzeit gegessen beziehungsweise getrunken werden.

Gerade für Reisende eröffnet diese Zubereitung einen interessanten Einblick in koreanische Reiskultur. Die goldbraune Schicht am Topfboden wird als Nurungji selbst zum Bestandteil des Essens. Damit erhält Reis innerhalb derselben Mahlzeit unterschiedliche Texturen und Geschmacksformen – vom frisch gegarten Korn bis zum gerösteten Abschluss.

Nach dem Servieren und dem Herausnehmen des weichen Reises bleibt im heißen Kochgefäß eine goldbraun geröstete Reisschicht zurück. Mit Wasser oder Tee aufgegossen wird daraus Sungnyung (숭늉), während der geröstete Reis als Nurungji (누룽지) seinen charakteristischen Geschmack entfaltet, wie hier bei einem Restaurantbesuch im Dezember 2023 in Seoul

Nach dem Servieren und dem Herausnehmen des weichen Reises bleibt im heißen Kochgefäß eine goldbraun geröstete Reisschicht zurück. Mit Wasser oder Tee aufgegossen wird daraus Sungnyung (숭늉), während der geröstete Reis als Nurungji (누룽지) seinen charakteristischen Geschmack entfaltet, wie hier bei einem Restaurantbesuch im Dezember 2023 in Seoul


Auch außerhalb Koreas begegnete der Autorin diese Seite der Esskultur erneut. Beim gemeinsamen Kochen mit koreanischen Bekannten lernte sie, wie vielseitig bereits vorhandene Zutaten weiterverwendet werden können. Gekühlt aufbewahrter Reis vom Vorabend wurde beispielsweise mit verschiedenen Banchan (반찬), koreanischen Beilagen, Gemüse und einem frischen Ei zu Bibimbap (비빔밥) kombiniert. Dabei erfuhr die Autorin auch, dass sich gekochter Reis unkompliziert für weitere Gerichte verwenden lässt. Dazu gehört etwa Kimchi-bokkeumbap (김치볶음밥), gebratener Reis mit Kimchi, der je nach Zubereitung um Gemüse, Ei oder andere Zutaten ergänzt werden kann. Auch Jumeokbap (주먹밥), kleine Reisbällchen, bieten eine Möglichkeit, gekochten Reis mit unterschiedlichen Zutaten neu zu kombinieren.

Das gemeinsame Kochen machte damit eine praktische Seite koreanischer Esskultur sichtbar: Was bereits vorhanden ist, kann zum Ausgangspunkt einer neuen Mahlzeit werden. Reis lässt sich neu kombinieren, Beilagen können erneut auf dem Tisch erscheinen und unterschiedliche Zutaten finden in einem weiteren Gericht zusammen

Reis vom Vortag wird mit verschiedenen Beilagen und einem frischen Ei zu Bibimbap (비빔밥) weiterverarbeitet. Das Foto entstand beim gemeinsamen Kochen mit koreanischen Bekannten in Stuttgart am 01. September 2026

Reis vom Vortag wird mit verschiedenen Beilagen und einem frischen Ei zu Bibimbap (비빔밥) weiterverarbeitet. Das Foto entstand beim gemeinsamen Kochen mit koreanischen Bekannten in Stuttgart am 01. September 2026


Lebensmittelrettung wird 2026 digital

Am 29. September erhält der Blick auf den Wert von Lebensmitteln eine internationale Dimension. Dann wird der Internationale Tag gegen Lebensmittelverluste und -verschwendung begangen. Der von den Vereinten Nationen ausgerufene Aktionstag richtet weltweit die Aufmerksamkeit auf einen bewussten und zukunftsorientierten Umgang mit Lebensmitteln.

In Korea trifft dieser internationale Anlass 2026 auf eine konkrete neue Entwicklung. Seit dem 15. Juni erprobt das Ministerium für Klima, Energie und Umwelt (MCEE) mit dem „Unsold Food Closing Discount Service“ einen digitalen Weg, noch genießbare Lebensmittel an Verbraucher:innen weiterzugeben. Restaurants, Bäckereien und andere teilnehmende Betriebe können Lebensmittel vergünstigt anbieten, die am Ende des Tages verfügbar sind oder sich dem Ende ihres vorgesehenen Verbrauchszeitraums nähern.

Nach Angaben des Ministeriums entstehen in Korea jährlich rund fünf Millionen Tonnen Lebensmittelabfälle. Über Smartphone-Apps und Webseiten sollen deshalb noch genießbare Angebote leichter neue Abnehmer:innen finden. Entsprechende Funktionen gibt es laut Ministerium unter anderem bei Baemin, Yogiyo und Coupang Eats sowie über spezialisierte Dienste wie Lucky Meal und Magu Market. Welche Lebensmittel angeboten werden, hängt vom jeweiligen Tagesbestand der teilnehmenden Geschäfte ab.

Für Verbraucher:innen verbindet der Service Lebensmittelrettung mit einem praktischen Vorteil: Angebote in der Umgebung lassen sich digital finden und günstiger erwerben. Auch Reisende können auf diese Weise lokale Restaurants, Bäckereien und Geschäfte entdecken und gleichzeitig kennenlernen, wie digitale Lebensmittelrettung zunehmend Teil des koreanischen Alltags wird.

Vom Reiskorn zur digitalen Plattform

Reis erzählt in Korea damit nicht nur von einer langen Esskultur. Ob als zusätzlicher Gang auf einer heißen Platte, als gerösteter Nurungji oder neu kombiniert mit bereits vorhandenen Zutaten: Seine unterschiedlichen Zubereitungsformen zeigen, wie vielseitig ein Grundnahrungsmittel innerhalb des Alltags sein kann.

2026 kommt eine weitere Ebene hinzu. Digitale Angebote schaffen neue Möglichkeiten, noch genießbare Lebensmittel zwischen Betrieben und Verbraucher:innen weiterzugeben. Damit begegnen sich zwei Perspektiven: eine gewachsene Esskultur, in der Lebensmittel auf vielfältige Weise Teil einer Mahlzeit werden können, und neue Technologien, die ihren Wert auch außerhalb des Esstisches sichtbar machen.

Vom Reiskorn bis zum Angebot auf dem Smartphone zeigt Korea 2026 damit, wie sich Esskultur und Innovation miteinander verbinden lassen. Der bewusste Umgang mit Lebensmitteln wird so zu einem Bereich, in dem alltägliche Gewohnheiten und digitale Ideen gemeinsam neue Möglichkeiten für die Zukunft eröffnen.

Dieser Artikel wurde von einer Korea.net-Ehrenberichterstatterin verfasst. Unsere ehrenamtlichen Reporter kommen aus der ganzen Welt und teilen ihre Liebe und Leidenschaft über alle Dinge in Korea.

dlektha0319@korea.kr