Ehrenberichterstatter

23.09.2026

Korea.net in 11 Sprachen
  • 한국어
  • English
  • 日本語
  • 中文
  • العربية
  • Español
  • Français
  • Deutsch
  • Pусский
  • Tiếng Việt
  • Indonesian
Teilnehmende spielen am 13. September 2022 beim Chuseok-Fest des Koreanischen Kulturzentrums (KCC) in Abuja, Nigeria, das traditionelle koreanische Spiel Jegichagi. Dabei wird ein Federball möglichst lange mit dem Fuß in der Luft gehalten © KCC Nigeria

Teilnehmende spielen am 13. September 2022 beim Chuseok-Fest des Koreanischen Kulturzentrums (KCC) in Abuja, Nigeria, das traditionelle koreanische Spiel Jegichagi. Dabei wird ein Federball möglichst lange mit dem Fuß in der Luft gehalten © KCC Nigeria



Von Ehrenberichterstatterin Jasmin Mikolay aus Deutschland

Wenn in Korea der Herbst beginnt und der Vollmond am Himmel steht, rückt eines der bedeutendsten traditionellen Feste des Landes näher: Chuseok (추석). Das Fest findet am 15. Tag des achten Monats nach dem Mondkalender statt und ist auch unter dem traditionellen Namen Hangawi (한가위) bekannt. Im Jahr 2026 fällt Chuseok auf den 25. September. Für viele Koreaner ist die Feiertagszeit eng mit Familie, gemeinsamem Essen und der Rückkehr in die Heimat verbunden.

Seine Ursprünge hat Chuseok als Erntefest. Traditionell dankten Familien für die Ernte und bereiteten Speisen aus frisch geerntetem Reis, Getreide und Obst zu. Zu den bekanntesten Chuseok-Speisen gehören Songpyeon, halbmondförmige Reiskuchen mit unterschiedlichen Füllungen. Familientreffen und gemeinsames Essen prägen das Fest bis heute.

Doch Chuseok besteht nicht nur aus Festessen und familiären Traditionen. Auch traditionelle Spiele gehören zur koreanischen Festkultur. Sie bieten einen besonders lebendigen Zugang zu Traditionen, denn hier steht nicht das Zuschauen, sondern das Mitmachen im Mittelpunkt.

Drei Spiele zeigen, wie unterschiedlich diese Traditionen sein können: Yutnori, Jegichagi und Tuho. Sie sind nicht ausschließlich mit Chuseok verbunden und werden auch bei anderen traditionellen Festen und Kulturveranstaltungen gespielt. Während der Feiertage bieten sie jedoch eine Möglichkeit, gemeinsam Zeit zu verbringen und traditionelle koreanische Kultur zu erleben. Yutnori verbindet Glück und Strategie, Jegichagi fordert Geschick und Körperbeherrschung, bei Tuho entscheiden Konzentration und Zielgenauigkeit.

Gemeinsam spielen bei Yutnori

Yutnori, auf Koreanisch 윷놀이, zählt zu den bekanntesten traditionellen Spielen Koreas. Besonders an traditionellen Feiertagen kommen Familien und Freundesgruppen zusammen, um gegeneinander anzutreten. Auf den ersten Blick erinnert Yutnori an ein klassisches Brettspiel. Statt eines Würfels bestimmen jedoch vier längliche Holzstäbe den nächsten Spielzug.

Alle vier Yut-Stäbe werden gleichzeitig geworfen. Ihre Lage nach dem Wurf entscheidet darüber, wie weit eine Spielfigur auf dem Brett ziehen darf. Unterschiedliche Kombinationen haben eigene Bezeichnungen und entsprechen einer bestimmten Anzahl von Schritten. Einige Würfe ermöglichen außerdem einen weiteren Zug.

Das Spielbrett besteht aus verschiedenen Wegen, die schließlich wieder zum Ausgangspunkt führen. Ziel ist es, die eigenen Figuren über das Spielfeld und anschließend aus dem Brett herauszubringen. Der Zufall beim Werfen der Yut-Stäbe spielt dabei eine wichtige Rolle, entscheidet jedoch nicht allein über den Ausgang.

Strategische Entscheidungen beginnen bereits bei der Wahl des Weges. Abkürzungen können eine Figur schneller in Richtung Ziel bringen. Eigene Figuren lassen sich zusammenführen und anschließend gemeinsam bewegen. Landet eine eigene Figur auf einem Feld, auf dem bereits eine gegnerische steht, muss diese wieder zurück zum Start. Ein komfortabler Vorsprung kann dadurch innerhalb weniger Spielzüge verloren gehen.

Gerade diese Mischung aus Zufall und Strategie sorgt für Dynamik. Ein günstiger Wurf kann eine Partie plötzlich verändern. Gleichzeitig beeinflusst jede Entscheidung den weiteren Verlauf. Jubel über einen gelungenen Wurf und Enttäuschung über eine zurückgeschickte Figur liegen oft nur wenige Augenblicke auseinander.

Yutnori eignet sich besonders als Gemeinschaftsspiel. Unterschiedliche Generationen können gemeinsam an einer Partie teilnehmen, ohne dass besondere körperliche Fähigkeiten erforderlich sind. Die Grundidee ist schnell verständlich, während die taktischen Möglichkeiten auch nach mehreren Runden für Abwechslung sorgen.

Im Umfeld von Chuseok zeigt Yutnori damit eine gesellige Seite koreanischer Tradition. Nicht die einzelne Person, sondern das gemeinsame Spiel steht im Vordergrund. Ein traditioneller Brauch wird so nicht nur erklärt oder betrachtet, sondern direkt erlebt.

Ein tragbares Yutnori-Set mit Spieltuch, vier Yut-Stäben und Spielfiguren für vier Spieler in Bamberg am 17. September 2026. Das traditionelle koreanische Brettspiel verbindet Glück mit strategischen Entscheidungen © Jasmin Mikolay

Ein tragbares Yutnori-Set mit Spieltuch, vier Yut-Stäben und Spielfiguren für vier Spieler in Bamberg am 17. September 2026. Das traditionelle koreanische Brettspiel verbindet Glück mit strategischen Entscheidungen © Jasmin Mikolay


Geschicklichkeit mit Jegichagi

Nach Strategie und Würfelglück wird es sportlicher. Jegichagi, auf Koreanisch 제기차기, ist ein traditionelles koreanisches Geschicklichkeitsspiel. Im Mittelpunkt steht ein kleiner Gegenstand namens Jegi. Dieser wird mit dem Fuß nach oben gekickt und soll möglichst lange in der Luft bleiben.

Die Grundidee wirkt zunächst einfach. Doch schon die ersten Versuche zeigen, wie viel Koordination erforderlich ist. Der Jegi muss im richtigen Moment und mit passender Kraft getroffen werden. Ein zu kräftiger Kick befördert ihn weit vom Körper weg, ein zu schwacher lässt ihn schnell zu Boden fallen. Gleichzeitig müssen Augen und Beine ständig auf seine Flugbahn reagieren.

Damit unterscheidet sich Jegichagi deutlich von Yutnori. Taktische Entscheidungen treten in den Hintergrund. Stattdessen entscheiden Bewegung, Gleichgewicht und ein gutes Gefühl für den richtigen Zeitpunkt über den Erfolg.

Besonders spannend wird Jegichagi als kleiner Wettbewerb. Die Zahl der aufeinanderfolgenden Kicks lässt sich leicht zählen. Schon entsteht die Frage, wer den Jegi am längsten in der Luft halten kann. Ein erster Versuch endet vielleicht nach einer einzigen Berührung, während nach etwas Übung bereits mehrere Kicks hintereinander gelingen.

Der Reiz liegt auch in der Einfachheit. Eine aufwendige Ausrüstung ist nicht notwendig. Gleichzeitig lässt sich das Ziel des Spiels ohne lange Erklärung verstehen. Der Jegi darf den Boden nicht berühren – und jeder weitere Kick zählt.

Auch Sprachbarrieren spielen dadurch kaum eine Rolle. Eine kurze Vorführung reicht aus, um das Prinzip zu erkennen. Menschen mit unterschiedlichen kulturellen und sprachlichen Hintergründen können unmittelbar miteinander spielen. Gerade bei Kulturveranstaltungen bietet Jegichagi deshalb einen unkomplizierten Zugang zu einer koreanischen Tradition.

Das Spiel zeigt zugleich, dass traditionelle Kultur nicht statisch sein muss. Ein Jegi, etwas Platz und ein wenig Ehrgeiz reichen aus, um aus einer überlieferten Freizeitbeschäftigung einen modernen kleinen Wettkampf entstehen zu lassen.

Zielgenauigkeit bei Tuho

Beim dritten Spiel steht erneut eine andere Fähigkeit im Mittelpunkt. Tuho, auf Koreanisch 투호, ist ein traditionelles Wurfspiel, bei dem längliche Pfeile oder Stäbe in ein schmales Gefäß geworfen werden. Ziel ist es, möglichst viele Treffer zu erzielen.

Die Regeln sind schnell erklärt, die Umsetzung erfordert jedoch Konzentration. Das Gefäß bietet nur eine kleine Trefferfläche. Entfernung, Wurfrichtung und Kraft müssen zusammenpassen. Ein zu kräftiger Wurf fliegt über das Ziel hinaus, während ein zu schwacher Wurf den Behälter möglicherweise gar nicht erreicht.

Nach mehreren Versuchen entwickelt sich meist ein Gefühl für die passende Bewegung. Kleine Veränderungen beim Wurfwinkel oder bei der Kraft können bereits darüber entscheiden, ob der Pfeil im Gefäß landet oder knapp danebenfällt. Jeder Treffer wird dadurch unmittelbar zum Erfolgserlebnis.

Im Vergleich zu Jegichagi verlangt Tuho weniger körperliche Bewegung. Dafür stehen Ruhe, Konzentration und Präzision im Vordergrund. Vor dem Wurf richtet sich der Blick auf das Ziel, anschließend entscheidet eine einzige Bewegung über Treffer oder Fehlwurf.

Die Autorin hat Tuho bereits bei mehreren koreanischen Veranstaltungen ausprobiert. Dabei zeigte sich, dass nicht jeder Pfeil gleich leicht im Gefäß landet. Einige Varianten besitzen an beiden Enden eine Art Polsterung, wodurch sie leichter wieder aus dem Gefäß springen. Je nach Spielmaterial sind deshalb Feingefühl und die richtige Wurftechnik gefragt. Bei manchen Veranstaltungen gibt es zudem nur einen einzigen Wurf. Dann kommt es besonders auf Konzentration und Zielgenauigkeit an.

Die Autorin probiert Tuho beim K-Wave Festival am 9. Dezember 2022 im KINTEX in Goyang aus. Bei dem traditionellen Wurfspiel gilt es, Pfeile aus einiger Entfernung in ein schmales Gefäß zu werfen © Jasmin Mikolay

Die Autorin probiert Tuho beim K-Wave Festival am 9. Dezember 2022 im KINTEX in Goyang aus. Bei dem traditionellen Wurfspiel gilt es, Pfeile aus einiger Entfernung in ein schmales Gefäß zu werfen © Jasmin Mikolay


Tradition spielerisch erleben

Chuseok lässt sich auf ganz unterschiedliche Weise entdecken: durch typische Speisen wie Songpyeon, einen Besuch auf einem traditionellen Markt oder Veranstaltungen in Museen und Kulturzentren. Yutnori, Jegichagi und Tuho eröffnen einen weiteren Zugang zum Fest. Statt Tradition ausschließlich zu betrachten, rückt das gemeinsame Erlebnis in den Mittelpunkt.

Jedes der drei Spiele zeigt dabei eine andere Facette. Yutnori verbindet Glück mit taktischen Entscheidungen und sorgt besonders in der Gruppe für Spannung. Jegichagi fordert Koordination und Ausdauer, während bei Tuho vor allem Konzentration und Zielgenauigkeit zählen. Trotz dieser Unterschiede haben alle drei Spiele etwas gemeinsam: Sie bringen Menschen zusammen.

Ein Wurf mit den Yut-Stäben, der nächste Versuch mit dem Jegi oder ein Treffer beim Tuho machen traditionelle koreanische Kultur unmittelbar erfahrbar. Umfangreiche Vorkenntnisse sind dafür nicht erforderlich. Auch sprachliche Unterschiede verlieren schnell an Bedeutung, sobald eine gemeinsame Spielrunde beginnt.

Traditionelle Spiele bewahren damit nicht nur einen Teil koreanischer Kulturgeschichte. Sie schaffen zugleich neue gemeinsame Erlebnisse. Kinder und Erwachsene ebenso wie Menschen aus Korea und anderen Ländern können miteinander spielen, lachen, ihre Fähigkeiten testen und koreanische Traditionen aus einer anderen Perspektive kennenlernen.

Chuseok zeigt sich so nicht ausschließlich als Fest historischer Bräuche. Vergangenheit und Gegenwart begegnen sich auch beim gemeinsamen Spielen. Yutnori, Jegichagi und Tuho vermitteln diese Verbindung auf lebendige Weise und eröffnen einen spielerischen Zugang zu einem der bedeutendsten traditionellen Feiertage Koreas.

Dieser Artikel wurde von einer Korea.net-Ehrenberichterstatterin verfasst. Unsere ehrenamtlichen Reporter kommen aus der ganzen Welt und teilen ihre Liebe und Leidenschaft über alle Dinge in Korea.

dlektha0319@korea.kr