Von Ehrenberichterstatter Jason Edwards aus Luxemburg | Fotos: Kpop.Dresden
Es gibt Momente in der Arbeit als Kulturjournalist, in denen man spürt, dass eine Community nicht nur wächst, sondern sich neu definiert. Dresden ist genau so ein Ort geworden. In den letzten Jahren hat sich dort eine lebendige K‑Pop‑Szene entwickelt, getragen von Menschen, die nicht nur tanzen, sondern Räume schaffen, in denen andere sich sicher fühlen, sich ausdrücken können und gemeinsam etwas erleben. Eine dieser Gruppen ist
Kpop.Dresden, ein Team, das längst mehr ist als nur ein Zusammenschluss von Tänzern. Es ist ein Treffpunkt, ein Motor, ein Zuhause für viele junge Menschen, die koreanische Musik und Kultur lieben.
Für diesen Artikel hatten wir die Gelegenheit,
am 4. September ein E‑Mail‑Interview mit Alec und Michelle zu führen, den beiden Köpfen hinter Kpop.Dresden. Trotz der Tatsache, dass sie gerade mitten in der Vorbereitung eines neuen Events stecken – ein Prozess, der immer hektisch, chaotisch und zeitintensiv ist – nahmen sie sich die Zeit, ausführlich zu antworten. Schon das zeigt, wie sehr ihnen ihre Community am Herzen liegt und wie ernst sie ihre Rolle in der lokalen Kulturszene nehmen.
Was sofort auffällt, wenn man mit ihnen spricht, ist die Mischung aus Leidenschaft und Bodenständigkeit. Kpop.Dresden ist nicht über Nacht entstanden. Die Wurzeln reichen zurück bis 2017, als sich ein paar Freunde einfach zum Tanzen trafen. Kein großer Plan, keine Organisation – nur Musik, Bewegung und das Bedürfnis, etwas zu teilen.
Erst Anfang 2024 wurde daraus eine richtige Gruppe, die Events organisiert, mit Festivals zusammenarbeitet und sich aktiv in der Stadt einbringt. Heute veranstalten sie drei große Random‑Dance‑Events pro Jahr, treten bei Anime‑Messen auf, unterstützen Eröffnungen und bringen Menschen zusammen, die sich sonst vielleicht nie begegnet wären.
In ihren Antworten wird schnell klar: Für Alec und Michelle geht es nicht nur um K‑Pop. Es geht um Gemeinschaft, Respekt, Freude und darum, einen Ort zu schaffen, an dem jeder sein darf, wie er ist. Und genau das macht Kpop.Dresden zu einem wichtigen Teil der kulturellen Landschaft der Stadt.
Kpop.Dresden / Dresden Kulturpalast / 11.04.26 Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Kpop.Dresden‑Events versammeln sich vor dem Kulturpalast in Dresden. Die Community präsentiert eine große Tanzperformance im öffentlichen Raum
Könnt ihr kurz erklären, wie Kpop.Dresden entstanden ist und was eure Hauptmission ist?
Kpop.Dresden ist über mehrere Jahre gewachsen. 2017 haben sich einige von uns einfach zum Tanzen getroffen, ganz ohne große Struktur. Wirklich gegründet und mit Events begonnen haben wir aber erst Anfang 2024. Seitdem organisieren wir drei große Veranstaltungen pro Jahr und nehmen zusätzlich an anderen Events als Kollaborationspartner oder Programmpunkt teil. Unsere Mission ist es, Menschen zusammenzubringen, ihnen Spaß zu ermöglichen und einen Safe‑Space zu schaffen. Wir möchten eine Bühne bieten, auf der jeder zeigen kann, was er liebt.
Welche Aktivitäten organisiert ihr regelmäßig für die K‑Pop‑Community in Dresden?
Wir veranstalten drei große Events pro Jahr: unsere Random Dances im Frühling, Sommer und Herbst. Bei jedem dieser Events organisieren wir drei Runden Random Dance und haben zusätzlich Auftritte von Tänzern aus der Community. Es ist jedes Mal ein Treffpunkt für Fans, Tänzer und alle, die K‑Pop lieben.
Ihr seid oft als Hosts oder Animations‑Team bei Events aktiv – wie würdet ihr eure Rolle dort beschreiben?
Das ist immer unterschiedlich und hängt davon ab, was in Dresden stattfindet. Wir versuchen, bei den meisten „nerdigen“ Veranstaltungen dabei zu sein – Anime-Messen, Pop-Culture-Events oder neuerdings auch Restaurant-Eröffnungen. Unsere Rolle ist meistens Hosting, Animation oder Community‑Programm. Wir bringen Energie, verbinden Menschen und sorgen dafür, dass die K‑Pop‑Community sichtbar bleibt.
Kpop.Dresden / Dresden Kulturpalast / 05.07.25 Eine große Gruppe von K‑Pop‑Fans und Tänzern bildet eine lange Reihe auf dem Platz vor dem Kulturpalast, während ein Community‑Event stattfindet
Was bedeutet euch die Förderung der koreanischen Kultur in Deutschland persönlich?
Für uns stehen die Unterstützung und das Zusammenbringen der Community im Vordergrund. Wir lieben es, wenn Menschen verschiedener Altersgruppen zusammenkommen und gemeinsam essen, Musik hören oder einfach die Zeit genießen. Wir sind selbst seit über zehn Jahren begeistert von koreanischer Musik und Kultur. Als wir damals angefangen haben, wurde man eher schief angesehen. Heute ist es viel einfacher, mit anderen darüber zu sprechen und sich zu verbinden. Deshalb bedeutet uns die Förderung koreanischer Kultur sehr viel – es ist ein Teil unseres Lebens geworden.
Welche Zusammenarbeit mit Festivals oder Partnern war für euch bisher besonders wichtig?
Ganz ehrlich: alle. Jede Veranstaltung und jede Zusammenarbeit gibt unseren Tänzern mehr Raum, sich zu entfalten und anderen Menschen zu zeigen, wer wir sind. Deshalb können wir nicht sagen: „Diese eine Zusammenarbeit war die beste.“ Jede einzelne hat uns weitergebracht.
Wie erlebt ihr die Entwicklung der K‑Pop‑Szene in Dresden und allgemein in Deutschland?
Wir sind inzwischen echte K‑Pop‑Oldies und haben fast die gesamte Entwicklung miterlebt. Seit 2020/2021 wird es immer mehr. Die Szene bekommt mehr Aufmerksamkeit, und besonders nach 2025 und dem Erfolg von KPop Demon Hunters ist sie förmlich explodiert. Mittlerweile findet man K‑Pop an jeder Ecke – etwas, das 2015–2018 unvorstellbar gewesen wäre. Auch bei unseren eigenen Events sehen wir jedes Mal neue Gesichter. Die Community wächst und wird vielfältiger.
Was sind eure Ziele oder Projekte für die kommenden Monate?
Unsere Ziele sind dieses Jahr recht simpel: Wir möchten unsere zwei bevorstehenden Veranstaltungen erfolgreich durchführen und danach in die Winterpause gehen. In dieser Zeit werden wir Pläne schmieden, Mails verschicken und kreativ bleiben. Ein weiteres Projekt ist bereits geplant – aber die Winterpause hält uns nicht davon ab, neue Ideen zu entwickeln.
Kpop.Dresden / Dresden Kulturpalast / 05.04.25 Die Community versammelt sich auf dem Platz vor dem Kulturpalast, um an einer großen K‑Pop‑Tanzsession teilzunehmen
Möchtet ihr eine Nachricht an die Leser von Korea.net richten?
Wir würden uns freuen, wenn ihr bei einem unserer Events vorbeischaut oder einen Blick auf unsere Social‑Media‑Kanäle werft. Und auf menschlicher Ebene: Seid nett zueinander. Es gibt genug Negativität auf dieser Welt – lasst euch davon nicht unterkriegen.
Kpop.Dresden / Dresden Kulturpalast / 05.04.25 Ein Blick von oben auf die große Menschenmenge, die sich für eine Tanzperformance im Rahmen eines Kpop.Dresden‑Events versammelt hat
Wenn man mit Alec und Michelle spricht, merkt man schnell, dass Kpop.Dresden nicht einfach ein Projekt ist, sondern ein Stück gelebte Leidenschaft. Die beiden haben etwas aufgebaut, das heute für viele junge Menschen in Dresden ein fester Bestandteil ihres Alltags geworden ist. Ein Ort, an dem man nicht bewertet wird, sondern willkommen ist. Ein Ort, an dem Musik, Tanz und Gemeinschaft denselben Wert haben.
Wer Kpop.Dresden live erleben möchte, hat schon bald die Gelegenheit dazu:
Der nächste Autumn Random Dance findet am 10. Oktober statt. Wie immer wird es ein Treffpunkt für Tänzer, Fans und alle, die einfach Lust haben, Teil dieser wachsenden Szene zu sein.
Aktuelle Informationen, Fotos, Videos und Event‑Updates findet man auf ihrem Instagram‑Kanal: 👉
https://www.instagram.com/kpop.dresden/
Am Ende bleibt vor allem eines: Kpop.Dresden zeigt, wie stark Kultur Menschen verbinden kann – selbst in einer Stadt, in der man es vielleicht nicht erwartet hätte. Alec und Michelle haben etwas geschaffen, das weit über Tanzschritte hinausgeht. Es ist ein Raum für Begegnung, Respekt und Freude. Und genau deshalb lohnt es sich, hinzuschauen.
Dieser Artikel wurde von einem Korea.net-Ehrenberichterstatter verfasst. Unsere ehrenamtlichen Reporter kommen aus der ganzen Welt und teilen ihre Liebe und Leidenschaft über alle Dinge in Korea.
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