Selbst zubereitetes Baechu-Kimchi: Links wird der gesalzene Chinakohl am 1. Oktober 2026 in Dresden mit der Würzmischung vermengt. Anschließend kommt das fertige Kimchi in einen Behälter, in dem es fermentieren kann © Kim Dongkyun
Von Ehrenberichterstatterin Jasmin Mikolay aus Deutschland
Am 8. Oktober wird in Gwangju gesalzen, gewürzt und abgeschmeckt und am Ende entscheidet nicht allein der Geschmack. Bei der ersten Runde der „2026 Korea Kimchi Competition“ (대한민국 김치 경연대회) müssen die Teilnehmenden zeigen, wie gut sie traditionelle Herstellungstechniken beherrschen und zugleich eigene Ideen umsetzen können.
Der Wettbewerb gehört zum 33. Gwangju Kimchi Festival, das vom 23. bis 25. Oktober stattfindet. Bereits Wochen zuvor begann die Auswahl: Interessierte konnten sich bis Anfang September mit ihren Rezepten und Beschreibungen ihrer Kimchi-Kreationen bewerben. Nach einer Dokumentenprüfung wurden 20 Teams für den eigentlichen Wettbewerb ausgewählt. Am 8. Oktober treten sie zunächst in der ersten Runde in der Gwangju Kimchi Town an, die zweite Runde folgt am 22. Oktober.
Dabei bereitet jedes Team nicht einfach nur ein beliebiges Kimchi zu. Der Wettbewerb besteht aus zwei Kategorien. Beim Baechu-Kimchi (배추김치), dem klassischen Kimchi aus Chinakohl, stehen traditionelle Herstellungstechniken im Vordergrund. Die Teilnehmenden arbeiten mit vorgegebenen Grundzutaten; bewertet werden unter anderem der Umgang mit traditionellen Zutaten, die Zubereitung und das fertige Kimchi. In der zweiten Kategorie, dem Selection Kimchi, können sie dagegen ein Kimchi präsentieren, das beispielsweise innerhalb einer Familie oder Region weitergegeben wurde oder selbst entwickelt ist. Hier spielen neben Qualität und Originalität auch Möglichkeiten einer späteren Vermarktung eine Rolle.
Auch zwischen den beiden Wettbewerbstagen gibt es einen Unterschied: Am 8. Oktober wird das zuvor hergestellte und gereifte Kimchi bewertet. Beim zweiten Wettbewerb am 22. Oktober stellen die Teilnehmenden ihre beiden Kimchi dagegen am selben Tag vor Ort her. Am Ende werden fünf Teams ausgezeichnet. Neben Preisen des Landwirtschaftsministeriums, des Kulturministeriums und der Stadt wird bei dem Wettbewerb auch ein Presidential Award vergeben. Die Preisverleihung findet am 23. Oktober während der Eröffnung des Gwangju Kimchi Festival statt; die ausgezeichneten Kimchi werden anschließend während des Festivals präsentiert.
So kann Kimchi vor der Würzung aussehen, wie hier am 1. Oktober 2026 in Dresden: Der Chinakohl wird geschnitten und gesalzen. Durch das Salzen verliert er Wasser und wird für die weitere Zubereitung vorbereitet © Kim Dongkyun
33 Jahre Kimchi Festival in Gwangju
Der Wettbewerb ist nur ein Teil einer wesentlich längeren Geschichte. Das Gwangju Kimchi Festival wurde 1994 ins Leben gerufen. Hintergrund waren die ausgeprägte Esskultur Gwangjus und die Vielfalt der regional verfügbaren Zutaten. Gleichzeitig sollte traditionelle Kimchi-Kultur in einer Zeit bewahrt und vermittelt werden, in der sich Ernährungsgewohnheiten zunehmend veränderten. 2026 findet das Festival zum 33. Mal statt.
Vom 23. bis 25. Oktober 2026 können Besucher:innen Kimchi dort deshalb nicht nur essen. Das Programm verbindet Verkostung und Verkauf mit Ausstellungen, kulturellen Angeboten und Möglichkeiten, die Herstellung selbst kennenzulernen. Geplant sind unter anderem ein Kimchi-Markt, ein Bereich mit Kimchi-Gerichten, Mitmachangebote und Masterclasses mit früheren Gewinner:innen des Presidential Award. Gerade diese Verbindung von Essen und gemeinsamer Zubereitung führt zu einem wichtigen Teil der koreanischen Kimchi-Kultur: Kimjang (김장).
Kimchi ist nicht gleich Kimchi
Wer bei Kimchi zunächst an roten, scharf gewürzten Chinakohl denkt, kennt nur einen Teil seiner Vielfalt. Baechu-Kimchi (배추김치) gehört zwar zu den bekanntesten Varianten, daneben gibt es jedoch zahlreiche weitere Arten, deren Zutaten und Zubereitung sich je nach Region, Jahreszeit und Familie unterscheiden. Bei Baechu-Kimchi wird der Chinakohl zunächst gesalzen. Anschließend werden die Blätter mit einer Würzmischung verarbeitet, zu der beispielsweise Gochugaru, Knoblauch, Ingwer, Frühlingszwiebeln und Rettich gehören können. Je nach Rezept kommen weitere Zutaten hinzu. Während der anschließenden Milchsäuregärung verändern sich Geschmack, Aroma und Säure des Kimchi.
Andere bekannte Varianten zeigen, wie unterschiedlich Kimchi aussehen und schmecken kann: Kkakdugi (깍두기) wird aus gewürfeltem Rettich hergestellt, Oi-sobagi (오이소박이) aus gefüllten Gurken. Baek-kimchi (백김치) wiederum wird ohne Gochugaru, koreanische Chiliflocken, zubereitet.
Zutaten für eine Kimchi-Würzmischung am 1. Oktober 2026 in Dresden: Dazu gehören unter anderem Frühlingszwiebeln, Zwiebeln, Knoblauch, Schnittlauch und Karotten. Rechts werden einige der Zutaten im Mixer verarbeitet © Kim Dongkyun
Kimjang: Gemeinsam Kimchi für den Winter zubereiten
Traditionell wurde Kimchi nicht immer nur in kleinen Mengen für den unmittelbaren Verzehr hergestellt. Kimjang bezeichnet die gemeinschaftliche Zubereitung und das Teilen größerer Mengen Kimchi, insbesondere zur Vorbereitung auf den Winter. Familien, Verwandte und Nachbarschaften kamen dafür zusammen und teilten die verschiedenen Arbeitsschritte untereinander. Dabei beginnt Kimjang nicht erst an dem Tag, an dem Chinakohl und Würzmischung zusammenkommen.
UNESCO beschreibt einen jahreszeitlichen Prozess, bei dem bereits im Frühjahr Zutaten vorbereitet und fermentiert werden können, während im Sommer unter anderem Meersalz beschafft und später Chili getrocknet und gemahlen wird. Im Spätherbst kommen die Zutaten schließlich beim eigentlichen Kimjang zusammen. 2013 nahm die UNESCO „Kimjang, making and sharing kimchi in the Republic of Korea“ in die Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit auf. Entscheidend ist dabei ein häufig übersehener Unterschied: Nicht Kimchi als fertiges Lebensmittel wurde eingetragen, sondern die Kultur des gemeinsamen Herstellens und Teilens.
Vom Kimjang zum Kimchi Day
Diese kulturelle Bedeutung spiegelt sich auch im
Kimchi-Day (김치의 날) wider, der in Korea jedes Jahr am
22. November begangen wird. Seit einer Änderung des Kimchi Industry Promotion Act im Jahr 2020 ist der Tag gesetzlich verankert. Auch das Datum trägt eine symbolische Bedeutung: Die 11 steht für die verschiedenen Zutaten, die bei der Kimchi-Herstellung zusammenkommen, die 22 für die traditionell genannten positiven Eigenschaften von Kimchi. Der Gedenktag soll dazu beitragen, die Bedeutung von Kimchi und seiner Tradition zu vermitteln und zugleich die koreanische Kimchi-Industrie nachhaltig weiterzuentwickeln.
2026 wird auch international Kimchi gemacht
Am
20. November, zwei Tage vor dem Kimchi Day, findet das
Korea Kimchi Festival 2026 gleichzeitig in Seoul, New Jersey und München statt. Eine weitere Ausgabe ist für November in Kuala Lumpur angekündigt. Anders als das Gwangju Kimchi Festival handelt es sich dabei um eine eigene Veranstaltungsreihe, die insbesondere die Kimjang-Kultur international vermitteln möchte. Neben Kimchi-Making gehören auch weitere Aspekte koreanischer Kultur wie K-Food und K-Pop zum Konzept.
Das offizielle Poster kündigt das Korea Kimchi Festival am 20. November 2026 im Museum Fünf Kontinente in München an. Geplant sind eine Ausstellung mit Kimchi-Verkostung sowie ein Kimjang-Workshop © Korea Kimchi Festival
Das Münchner Programm verbindet eine Ausstellung und Kimchi-Verkostung mit einem Kimjang-Workshop, bei dem Besucher:innen die Herstellung von Kimchi selbst kennenlernen können. Wer teilnehmen möchte, kann sich über die
Website des Korea-Kimchi-Festival für den Workshop anmelden. Da die Teilnehmerzahl begrenzt ist, ist eine vorherige Anmeldung erforderlich.
Kimchi selbst machen
Wie anders es sich anfühlt, Kimchi selbst zuzubereiten, konnte die Autorin bereits 2023 beim Museumsuferfest in Frankfurt am Main erleben. Als Global-SNS-Supporterin der damaligen Provinz Jeollanam-do bereitete sie dort gemeinsam mit weiteren Supporter:innen und Park Chang-hwan, dem damaligen Vizegouverneur der Provinz, auf der Bühne Kimchi zu.
Die Autorin (2. von rechts) bei der gemeinsamen Kimchi-Zubereitung mit Park Chang-hwan (Mitte) beim Museumsuferfest 2023 in Frankfurt am Main © Jeollanamdo Europe Office
Dabei blieb Kimchi für sie nicht länger nur das fertige Banchan auf dem Tisch. Vom vorbereiteten Chinakohl bis zur Würzmischung konnte sie die einzelnen Arbeitsschritte selbst erleben. Während die Gruppe gemeinsam mischte und würzte, konnten Besucher:innen zuschauen und anschließend auch probieren. Besonders in Erinnerung blieb ihr das gemeinsame Zubereiten. Was bei Beschreibungen von Kimjang zunächst abstrakt klingen kann, wurde dabei unmittelbar verständlich: Es geht nicht nur um einzelne Arbeitsschritte, sondern auch darum, Aufgaben, Wissen und schließlich das Essen miteinander zu teilen.
Eine Tradition, die weitergegeben wird
Vom Wettbewerb in Gwangju über das gemeinsame Kimjang bis zu Veranstaltungen in München, New Jersey und Kuala Lumpur zeigt der Herbst 2026 unterschiedliche Seiten derselben Esskultur. In Gwangju messen sich am 8. und 22. Oktober Menschen mit traditionellen und eigenen Rezepten, bevor Ende Oktober drei Tage lang gefeiert, probiert und selbst Kimchi hergestellt wird. Im November führt der Kimchi-Day schließlich zurück zu der Frage, warum diese Tradition bis heute weitergegeben wird.
Vielleicht liegt ein Teil der Antwort schon in der Herstellung selbst. Kimchi entsteht nicht nur durch Zutaten und Fermentation, sondern auch durch Rezepte, Erfahrungen und Handgriffe, die von Menschen weitergegeben werden. Wer einmal selbst Chinakohl gesalzen, die Würzmischung vorbereitet und gemeinsam Kimchi hergestellt hat, erlebt deshalb etwas, das auf dem Teller allein kaum sichtbar ist.
Dieser Artikel wurde von einer Korea.net-Ehrenberichterstatterin verfasst. Unsere ehrenamtlichen Reporter kommen aus der ganzen Welt und teilen ihre Liebe und Leidenschaft über alle Dinge in Korea.
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