Ehrenberichterstatter

30.10.2026

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Links: Das offizielle Plakat zum Herbstfestival „Gwisin Saba – Geisterspiele“, das vom 12. September bis zum 15. November 2026 stattfindet. Rechts: Eine Übersichtskarte zeigt die verschiedenen Veranstaltungsbereiche und Attraktionen im Korean Folk Village © Korean Folk Village / Instagram @koreanfolkvillage

Links: Das offizielle Plakat zum Herbstfestival „Gwisin Saba – Geisterspiele“, das vom 12. September bis zum 15. November 2026 stattfindet. Rechts: Eine Übersichtskarte zeigt die verschiedenen Veranstaltungsbereiche und Attraktionen im Korean Folk Village © Korean Folk Village / Instagram @koreanfolkvillage



Von Ehrenberichterstatterin Jasmin Mikolay aus Deutschland

Während sich Menschen in vielen Teilen der Welt auf Halloween am 31. Oktober 2026 vorbereiten, sind im Korean Folk Village in Yongin bereits seit September Geister unterwegs. Noch bis zum 15. November können Besucher:innen beim Herbstfestival „Gwisin Saba – Geisterspiele“ (귀신사바 귀신놀이) auf verschiedene Figuren aus der koreanischen Geisterwelt treffen und an interaktiven Darbietungen teilnehmen.

Seit dem 12. September verwandeln kostümierte Darsteller:innen den kulturhistorischen Themenpark mit Freilichtmuseum in eine Bühne für ungewöhnliche Begegnungen. Unter dem Motto „Einladung nach Gwisineup, Sokchon-ri“ ziehen unter anderem Figuren, die von koreanischen Geisterüberlieferungen inspiriert sind, durch das Dorf. Dazu gehören der Jungfrauengeist und der neunschwänzige Fuchs Gumiho. Die Gäste können dabei nicht nur die traditionellen Häuser erkunden, sondern werden auch spontan in kleine Spielszenen einbezogen.

Das Korean Folk Village bietet während des Festivals zudem ein abwechslungsreiches Programm. Tagsüber können Besucher:innen die traditionelle koreanische Architektur entdecken, Fahrgeschäfte nutzen sowie verschiedene Aufführungen und Mitmachangebote erleben. Am Abend sorgen Geisterspiele, Tanzdarbietungen und Gruselattraktionen für eine andere Atmosphäre.

Einer der Charakterdarsteller ist Jo Eun-ho (조은호), der den verspielten Hasengeist Myogwi (묘귀) verkörpert. Mit seinen Streichen und spontanen Begegnungen mit den Gästen gehört er zu den Figuren, die das Geisterfestival zum Leben erwecken. Mit Unterstützung des Korean Folk Village konnte Korea.net-Ehrenberichterstatterin Jasmin Mikolay zwischen dem 7. und 15. Oktober 2026 ein schriftliches Interview mit Jo Eun-ho führen. Darin geht er auf seinen ungewöhnlichen Weg zum Charakterdarsteller, die Begegnungen mit den Gästen und die Herausforderungen seiner Rolle ein. Außerdem verrät er, was das Korean Folk Village für ihn besonders macht und welche Wünsche er für die Zukunft hat.

Jo Eun-ho posiert am 28. Oktober 2024 als Hasengeist Myogwi im Korean Folk Village in Yongin, Provinz Gyeonggi © Angela / Instagram @alexmom_angela

Jo Eun-ho posiert am 28. Oktober 2024 als Hasengeist Myogwi im Korean Folk Village in Yongin, Provinz Gyeonggi © Angela / Instagram @alexmom_angela


– Sie waren früher als Taekwondo-Nationalathlet aktiv. Wie kamen Sie dazu, als Charakterdarsteller im Korean Folk Village zu arbeiten, und wie hat sich Ihre Tätigkeit dort entwickelt?

Nach meinem Taekwondo-Studium an der Korea National Sport University war ich im Nationalteam aktiv. Dabei bedauerte ich, dass die eher konservative Ausrichtung des Sports wenig Raum für kreative Aufführungen ließ. Deshalb entschied ich mich, im Korean Folk Village zu arbeiten. Dort konnte ich Ideen für Auftritte im direkten Kontakt mit den Gästen umsetzen, die ich bereits vor meinem Einstieg entwickelt hatte. Durch die positiven Reaktionen der Besucher:innen konnte ich mich weiterentwickeln.

– Sie haben viele Jahre Taekwondo betrieben. Welche Erfahrungen aus Ihrer Zeit als Sportler helfen Ihnen heute bei Ihren Auftritten?

Während meiner aktiven Zeit als Sportler war es für mich sehr stressig, wenn ich aufgrund einer schlechten körperlichen Verfassung viele Fehler machte. In einem Freizeitpark ist das anders. Hier kann ich Fehler lockerer nehmen und sogar bewusst welche einbauen, um das Publikum zum Lachen zu bringen. Deshalb hilft mir die lange Trainingszeit aus meiner Nationalteam-Karriere auch bei meiner heutigen Arbeit sehr.

– Viele Besucher:innen kennen Sie als Myogwi. Wie würden Sie dessen Persönlichkeit beschreiben?

Myogwi ist ein Hasengeist, der Kunststücke vorführt. Daher stammt auch sein Name: Er setzt sich aus den koreanischen Wörtern für Kunststück und Geist zusammen. Da er weniger furchteinflößend aussieht als andere Geister, können Menschen leichter auf ihn zugehen und ihre Vorsicht ablegen. Er spielt gerne Streiche und kann sich mit Menschen anfreunden. Allerdings spielt er so viele Streiche, dass am Ende alle weglaufen. (lacht)

– Wenn Sie als Myogwi Kindern begegnen, reagieren diese sehr unterschiedlich. Wie erkennen Sie, wann ein Scherz zu weit geht?

Um die Intensität einer solchen Begegnung anzupassen, muss ich viele Faktoren berücksichtigen: die Reaktionen der Eltern, der Menschen in der Umgebung und des Kindes selbst. Ich achte auf die körperlichen Reaktionen und Bewegungen des Kindes sowie darauf, ob wir noch miteinander kommunizieren. Bei Kindern, die sich nicht so leicht erschrecken lassen, beende ich die Begegnung mit einer fröhlichen Aktion. Bei Kindern, die vielleicht eine kleine „Lektion“ brauchen – wie ich scherzhaft sage –, steigere ich die Intensität schrittweise.

Wenn ich den Eindruck habe, dass es zu viel wird, beende ich die Begegnung. Besonders in Erinnerung geblieben sind mir die menschlichen Instinkte. Wenn Menschen Angst empfinden, können sie aggressiv reagieren, weil sie sich schützen wollen. Ich denke, das ist eine natürliche Reaktion. Aber angesichts von Gewalt hat der Geist manchmal mehr Angst vor den Menschen als umgekehrt. (lacht)

Die Charakterdarsteller des Korean Folk Village posieren am 8. Juni 2024 in Yongin für ein Gruppenfoto. Vorne liegend ist Jo Eun-ho in seiner damaligen Rolle als Bettler zu sehen © Ha Dong Hyun / Instagram @dong.hyun.ha

Die Charakterdarsteller des Korean Folk Village posieren am 8. Juni 2024 in Yongin für ein Gruppenfoto. Vorne liegend ist Jo Eun-ho in seiner damaligen Rolle als Bettler zu sehen © Ha Dong Hyun / Instagram @dong.hyun.ha


– Sie haben im Korean Folk Village bereits sehr unterschiedliche Figuren verkörpert, darunter einen Bettler und heute Myogwi. Was ist entscheidend, damit Gäste ganz in die Welt einer Figur eintauchen können?

Ich denke, das Wichtigste ist, dass die Menschen vollständig in die Welt der Figur eintauchen können. Dabei glaube ich, dass die Kulisse des Korean Folk Village wesentlich dazu beiträgt, dieses Erlebnis zu verstärken. Deshalb: Kommt alle vorbei! Los geht's!

– Neben Ihrer Arbeit als Charakterdarsteller zeigen Sie auch Taekwondo auf der Bühne. Was unterscheidet eine klassische Taekwondo-Vorführung von einer Aufführung, die das Publikum unterhalten soll?

Bei einer klassischen Taekwondo-Vorführung musste ich mich vor allem auf die Techniken konzentrieren. Sie begann mit einem Kampfschrei, gefolgt von Sprüngen, Tritten, Bruchtests, Landungen und einer abschließenden Pose. Bei einer Bühnenaufführung, bei der man mit dem Publikum interagiert, reicht es dagegen nicht aus, einfach nur Techniken zu zeigen. Es ist wichtig zu verstehen, welche Bedeutung die jeweilige Darbietung vermitteln soll. Manchmal kann auch ein Misserfolg etwas Positives ausdrücken. Selbst wenn ich vor einer Darbietung überhaupt keine Angst habe, kann ich große Furcht vorspielen. Am wichtigsten finde ich, solche Situationen mit schauspielerischem Geschick und einer gewissen Leichtigkeit passend zur jeweiligen Szene umzusetzen.

– Bei anderen Programmen treten Sie nicht als Myogwi auf, sondern nehmen gemeinsam mit Kindern und Jugendlichen an Spielen und sportlichen Aktivitäten teil. Was haben Sie durch diese Begegnungen gelernt?

Neben meiner Tätigkeit im Korean Folk Village arbeite ich auch als Trainer einer Taekwondo-Vorführmannschaft in einer Taekwondo-Schule. Dort betreue ich Kinder und Jugendliche ähnlicher Altersgruppen. Dabei lerne ich, ihre Gefühle, ihre psychische Verfassung und ihre Reaktionen besser zu verstehen. Diese Erfahrungen versuche ich in meine Arbeit im Korean Folk Village einzubringen. Meine Tätigkeit als Taekwondo-Trainer hilft mir deshalb auch bei meinen Auftritten dort.

– Sie erleben die Reaktionen koreanischer und internationaler Gäste aus nächster Nähe. Was weckt besonders ihre Neugier, und wodurch bleiben ihnen die Figuren in Erinnerung?

Ich habe den Eindruck, dass vor allem die Aufführungen die Neugier der Menschen wecken. Es fällt mir allerdings schwer, genau in Worte zu fassen, wodurch sich die Besucher:innen später an eine bestimmte Figur erinnern. Was ich aber deutlich spüre, ist, dass sie sich umso mehr an mich erinnern, je mehr Leidenschaft ich in meine Auftritte stecke. Und das gilt unabhängig davon, ob die Gäste aus Korea oder aus dem Ausland kommen!

– Wenn Sie künftig die Gelegenheit hätten, im Korean Folk Village etwas Neues auszuprobieren, welches Projekt würden Sie gerne verwirklichen?

Derzeit trete ich allein auf. Wenn sich die Gelegenheit ergibt, würde ich gerne ein Team zusammenstellen und regelmäßig Aufführungen veranstalten, um zum Ansehen des Korean Folk Village beizutragen. Ich glaube, dass eine kontinuierliche Weiterentwicklung den Besucher:innen immer wieder neue Anreize bieten kann.

– Stellen Sie sich vor, jemand aus Europa entdeckt Myogwi in einem kurzen Video und besucht anschließend das Korean Folk Village. Was sollte diese Person vor Ort erleben, das sich durch Fotos und Videos nicht vermitteln lässt?

K-Pop und die vielen Unterhaltungsmöglichkeiten in Korea sind natürlich schön. Aber ich würde mir wünschen, dass die Menschen auch Orte mit vielen Bäumen besuchen und die Luft einatmen, die man meiner Meinung nach nur in Korea erleben kann. Während meiner Zeit im Nationalteam konnte ich auch Erfahrungen im Ausland sammeln. Aber bisher habe ich noch kein Land gefunden, dessen Luft ich als so gut empfunden habe wie die in Korea. Ich hoffe, dass die Besucher:innen ins Korean Folk Village kommen, den gut aussehenden Myogwi treffen, die frische Luft genießen und dabei seelische Erholung finden, damit sie ihr Leben noch besser gestalten können.

Bei einem Besuch des Korean Folk Village in Yongin am 10. Oktober 2026 wurden links die leuchtende Mondinstallation des nächtlichen Beleuchtungsprogramms „Dalbit-eul Deohada“ (달빛을 더하다) und rechts eine unheimliche Geisterkulisse fotografiert, die zur gruseligen Atmosphäre des Freilichtmuseums beiträgt © Emma Kim

Bei einem Besuch des Korean Folk Village in Yongin am 10. Oktober 2026 wurden links die leuchtende Mondinstallation des nächtlichen Beleuchtungsprogramms „Dalbit-eul Deohada“ (달빛을 더하다) und rechts eine unheimliche Geisterkulisse fotografiert, die zur gruseligen Atmosphäre des Freilichtmuseums beiträgt © Emma Kim


▶️ Ort: Korean Folk Village (한국민속촌), Yongin, Provinz Gyeonggi, Korea
▶️ Veranstaltung: „Gwisin Saba – Geisterspiele“ (귀신사바 귀신놀이)
▶️ Laufzeit des Herbstfestivals: 12. September bis 15. November 2026
▶️ Offizielle Website: www.koreanfolk.co.kr

Das Korean Folk Village bietet das ganze Jahr über wechselnde Veranstaltungen, Aufführungen und Mitmachangebote. Da sich das Programm regelmäßig ändert, lohnt sich vor einem Besuch ein Blick auf die offizielle Website, um sich über aktuelle Veranstaltungen, Termine und Öffnungszeiten zu informieren.

Wer derzeit traditionelle koreanische Kultur mit einer kleinen Portion Grusel verbinden möchte, hat noch bis zum 15. November 2026 Gelegenheit dazu: Beim Herbstfestival „Gwisin Saba – Geisterspiele“ können Besucher:innen das Korean Folk Village in Yongin von einer besonders gespenstischen Seite kennenlernen und vielleicht sogar dem verspielten Hasengeist Myogwi für ein gemeinsames Erinnerungsfoto begegnen.

Dieser Artikel wurde von einer Korea.net-Ehrenberichterstatterin verfasst. Unsere ehrenamtlichen Reporter kommen aus der ganzen Welt und teilen ihre Liebe und Leidenschaft über alle Dinge in Korea.

dlektha0319@korea.kr