Kommentar

13.08.2026

Präsident Lee Jae Myung und der brasilianische Präsident Luiz Inácio Lula da Silva halten am 27. Juli im Präsidentenpalast in Brasília ein Gipfeltreffen ab ⓒ Cheong Wa Dae

Präsident Lee Jae Myung und der brasilianische Präsident Luiz Inácio Lula da Silva halten am 27. Juli im Präsidentenpalast in Brasília ein Gipfeltreffen ab ⓒ Cheong Wa Dae





Von Hong Hyun-ik

Generalsekretär der Koreanischen Nationalkommission für die UNESCO



Für Korea, das ständig der Bedrohung durch Nordkoreas Atomwaffenprogramm ausgesetzt ist, hat die nationale Sicherheit höchste Priorität. Daher setzt die Regierung von Präsident Lee Jae Myung auf eine Wiederannäherung an Nordkorea auf Grundlage des Vertrauens zwischen Korea, den USA und Japan sowie auf eine Normalisierung der Beziehungen zu China.

Gleich zu Beginn des neuen Jahres reiste er zu einem Staatsbesuch nach China, um die strategische Partnerschaft mit diesem Land wiederherzustellen, und anschließend nach Japan. Darüber hinaus führte er mit dem US-amerikanischen Präsidenten Donald Trump nicht nur bilaterale, sondern auch multilaterale Gespräche durch, um die Vertrauensbeziehungen zu stärken.

Wirtschaftssicherheit, Handel und Industrie werden zunehmend ebenso wichtig wie politische und militärische Sicherheitsfragen. Da auch unter Verbündeten ein intensiver Wettbewerb in diesen Bereichen herrscht, ist eine umfassende pragmatische Diplomatie unverzichtbar.

US-Präsident Donald Trump begann unter dem Motto „America First“ einen Zollkrieg, während die Lieferketten durch den Wettbewerb zwischen den USA und China beeinträchtigt wurden. Die Kriege zwischen Russland und der Ukraine sowie zwischen den USA und dem Iran führten zu Unterbrechungen bei der Versorgung mit Erdöl und Rohstoffen und ließen die internationalen Preise stark steigen.

In dieser Situation ist Korea, das bei Energie und Rohstoffen weitgehend von Importen abhängig ist und eine hohe Außenhandelsquote aufweist, dringend auf die Sicherung von Lieferketten und Exportmärkten angewiesen. Insbesondere für künftige Schlüsselindustrien Koreas wie die Halbleiter-, Batterie- und Chemieindustrie ist eine stabile Versorgung mit Seltenen Erden, Lithium, Kupfer, Erdöl und Erdgas von entscheidender Bedeutung.

Vor diesem Hintergrund reiste der koreanische Präsident vom 24. Juli bis zum 3. August in die USA sowie nach Brasilien, Chile, Argentinien und Deutschland.

Ergebnisse und Bedeutung des Besuchs

Der koreanische Präsident besuchte zuerst San Francisco und traf CEOs globaler Big-Tech-Unternehmen wie Jen-Hsun Huang von Nvidia, Sam Altman von OpenAI, Hock Tan von Broadcom und Dario Amodei von Anthropic, um um Investitionen zu bitten.

Zugleich unterstützte er den Aufbau einer koreanisch-amerikanischen KI-Kooperation zwischen den CEOs von Samsung Electronics, SK hynix, Hyundai Motor und Naver sowie globalen Big-Tech-Unternehmen, einschließlich einer Halbleiterkooperation im Wert von 950 Milliarden US-Dollar.

Zudem vereinbarte er mit Vertretern globaler Venture-Capital-Unternehmen eine Zusammenarbeit bei Kapitalinvestitionen und erklärte anschließend in der „San-Francisco-KI-Erklärung“, dass Korea zu einem unverzichtbaren Akteur in der globalen KI-Lieferkette werden werde.

Beim Staatsbesuch in Brasilien bekräftigten Korea und Brasilien ihre Solidarität und ihr gegenseitiges Vertrauen. Beide Länder vereinbarten, die Verhandlungen über das Korea-Mercosur-Handelsabkommen (TA) wiederaufzunehmen. Damit wurde eine wichtige Grundlage für den Zugang zum südamerikanischen Markt mit 280 Millionen Einwohnern geschaffen.

Darüber hinaus wurden beim Gipfeltreffen zwischen den beiden Ländern sieben Absichtserklärungen (MOU) in Bereichen wie Energie und Raumfahrt unterzeichnet. Außerdem vereinbarten beide Länder die Erschließung kritischer Mineralien wie Seltenen Erden, Nickel und Eisenerz sowie eine Stärkung der Lieferketten. Auch eine Zusammenarbeit im Verteidigungsbereich, einschließlich der gemeinsamen Entwicklung von Verkehrsflugzeugen der nächsten Generation, sowie ein Markteintritt koreanischer Unternehmen, unter anderem in der Beauty-Industrie, wurden vereinbart.

In Chile, dem ersten Land, mit dem Korea ein Freihandelsabkommen (FTA) abschloss, versprachen Korea und Chile als Partner für den internationalen Freihandel seit 22 Jahren die Modernisierung des Freihandelsabkommen.

Zusätzlich verständigten sich beide Länder darauf, optimale Kooperationspartner zu werden. Korea verfügt in den Bereichen Batterie, Automobil, Halbleiter und KI über eine weltweit hohe Wettbewerbsfähigkeit, während Chile als weltweit größter Kupferproduzent und Land mit den größten Lithiumvorkommen der Welt ein wichtiges globales Versorgungszentrum für die umweltfreundliche Industrie ist.

Zudem nahm Lee als koreanischer Präsident erstmals seit 22 Jahren den bilateralen Gipfeldialog mit Argentinien wieder auf. Dabei unterzeichneten Korea und Argentinien ein MOU über die Zusammenarbeit bei kritischen Mineralien und das Doppelbesteuerungsabkommen. Sie vereinbarten auch, die in diesem Jahr probeweise aufgenommenen Rohölimporte aus Argentinien ab dem kommenden Jahr regulär auszuweiten.

Lee baute mit seiner Reise angesichts des zunehmenden Protektionismus und der Unsicherheit in den globalen Lieferketten ein Kooperationsnetzwerk zwischen koreanischen und US-amerikanischen globalen KI-Unternehmen als neuen Wachstumsmotor für Koreas Zukunft auf.

Zudem stärkte er durch die Förderung von Hightech-Industrien und die Sicherung von Ressourcen die Wettbewerbsfähigkeit der koreanischen Zukunftsindustrien und festigte die wirtschaftliche Sicherheit.

Künftige Aufgaben der koreanischen Diplomatie

Nun hielt Korea mit allen G20-Mitgliedstaaten außer Russland bilaterale Gipfeltreffen ab und schuffte damit die Grundlage für Koreas G20-Präsidentschaft im Jahr 2028. Wenn Korea den Wunsch Russlands nach einer Normalisierung der Beziehungen zu Korea nutzt und dadurch ein flexibles Gleichgewicht in den Beziehungen zwischen Russland und dem Westen wahrt, kann das Land seine umfassende pragmatische Diplomatie vervollständigen.

Darüber hinaus sollte Korea die operative Kontrolle in der Kriegszeit (OPCON) zurückerlangen und weiterhin seine Bereitschaft zu friedlicher Koexistenz und gegenseitig vorteilhafter Zusammenarbeit vermitteln. Wenn Korea an diesem außenpolitischen Kurs festhält, wird auch Nordkorea letztlich den Weg zum Dialog einschlagen und der Frieden auf der koreanischen Halbinsel wird gefestigt.

Hong Hyun-ik forscht seit 1997 am Sejong-Institut in Seoul zu Fragen der nationalen Sicherheit und Strategie Koreas, darunter das nordkoreanische Atomprogramm, die innerkoreanischen Beziehungen, das koreanisch-amerikanische Bündnis, die koreanisch-russischen Beziehungen sowie der Aufbau eines Friedensregimes auf der koreanischen Halbinsel. Er war Direktor der Korea National Diplomatic Academy und Leiter des Unterausschusses für Außen- und Sicherheitspolitik der Kommission für Politikplanung.