Die Sichtweise auf Tiere in der koreanischen Gesellschaft verändert sich grundlegend. Da die Zahl der Haushalte mit Haustieren nimmt zu und sich das Bewusstsein für das Tierwohl wächst, zeigen sich Veränderungen in der Politik. Die Reportage “Koexistenz von Mensch und Tier” beleuchtet anhand von Diskussionen über die Rechtsstellung von Tieren, Beispiele von Tier-Sanctuaries und tierfreundliche politische Maßnahmen der Kommunen den gesellschaftliche Wandel der Beziehungen zwischen Mensch und Tier.
Am 30. Mai 2023 demonstrieren die Aktivisten der Koalition “Tier sind keine Sachen”, die aus 20 Bürgerinitiativen bestehen, vor der koreanischen Nationalversammlung, um die dringende Verabschiedung des Gesetzentwurfs zur Teiländerung des Bürgerlichen Gesetzbuches “Entsachlichung der Tiere” zu fordern ⓒ Koalition “Tier sind keine Sachen”
Von Kim Hyelin
Tiere wurden seit langem rechtlich als “Sachen” behandelt. Laut Artikel 98 des geltendenen Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) definiert Sachen als “materielle Gegenstände und natürliche Kräfte, die verwaltet werden können, wie zum Beispiel Elektrizität”.
Dementsprechend wurden Tieren als Objekte angesehen, die gekauft, verkauft oder weggeworfen werden können. Aber in jüngster Zeit verschiebt sich der Fokus politischer Maßnahmen davon, wie man tiere nutzt, darauf, wie man mit ihnen umgeht.
Die Diskussionen über die Veränderung des BGB begannen im Jahr 2021, als das Ministerium für Justiz die geplante Aufnahme des Artikels “Tier sind keine Sachen” ankündigte. Obwohl dieser Entwurf in der 21. Legislaturperiode die Gesetzgebung automatisch abgeschafft wurde, werden ähnliche Gesetzentwürfe in der 22. Legislaturperiode vom Ausschuss für Gesetzgebung und Justiz geprüft. Es zeigt, dass die Richtung der Politik im Bereich Tiere grundlegend verändert wurde, auch wenn es noch nicht so weit ist, dass Tiere als Rechtssubjekte anerkannt werden.
Am 9. Januar 2024 wird in der Plenarsitzung der Nationalversammlung das “Sondergesetz zur Beendigung der Aufzucht, Schlachtung und Vertriebs von Hunden zum Verzehr” verabschiedet ⓒ Yonhap News
In bestimmten Bereichen wurden bereits institutionelle Fortschritte erzielt. Ein repräsentatives Beispiel ist das Problem des Hundeverzehrs. Das im Januar 2024 beschlossene Hundeverzehrs” wird ab Februar 2027 in Kraft treten.
Das Ministerium für Landwirtschaft, Ernährung und ländlichen Raum teilte mit, dass mit Stand vom 9. Februar vergangenen Jahres 40 % (623) der gesamten 1.537 Hundezuchtbetriebe geschlossen wurden.
Die Veränderungen setzen sich im Bereich für die Ausstellung von Tieren fort. Im Jahr 2022 wurden die Änderung des “Gesetzes über die Verwaltung von Zoos und Aquarien” verabschiedet und tritt im Dezember 2023 in Kraft.
Dadurch wurden die Wale als die “Arten, deren Besitz zu Ausstellungszwecken verboten ist” bestimmt, wodurch ihre Einfuhr in Aquarien grundsätzlich verhindert wurde. Die Ausstellung von Wildtieren in Einrichtungen außerhalb von Zoos wurde ebenfalls verboten.
Die Aufnahme in Zoos ist nur noch für Forschungs- und Bildungszwecke erlaubt. Darüber hinaus wurden die Tierschutzstandards verschärft, indem stressauslösende Aktivitäten, wie zum Beispiel Reiten auf Tieren, auch vollständig verboten wurden.
Am 20. Oktober 2023 betrachtet ein Besucher bei der Technologie-Kommerzialisierungsmesse, die anlässlich des 50-jährigen Jubiläums des Daedeok-Forschungs- und Entwicklungsgebiets im Daejeon Convention Center in Yuseong-gu, Daejeon, stattfindet, menschliche Organoide. Die Organoide sind organähnliche Mikrostruktur, die aus Stammzellen artifiziell erzeugt werden. Es gilt als eine der alternativen Methoden zu Tierversuchen der nächsten Generation ⓒ Yonhap News
Im Bereich der Tierversuche wird anstatt des vollständigen Verbots die parallele Umsetzung von Investitionen in alternative Technologien und ethnischer Kontrolle ausgewählt.
Das Ministerium für Handel, Industrie und Energie, Ministerium für Wissenschaft und IKT und das Ministerium für Gesundheit und Wohlfahrt riefen im Juni vergangenen Jahres gemeinsam einen Rat zur Entwicklung von Technologien und Produkten zur Bewertung der nichtklinischen Wirksamkeit fortschrittlicher Biopharmazeutika ins Leben. Damit unterstützen die Ministerien gezielt die Entwicklung alternativer Technologien, die die Tierversuche ersetzen können.
Das Ministerium für Landwirtschaft, Ernährung und ländlichen Raum erstellt und verteilt im Januar dieses Jahres den Leitfaden zur Erstellung von Tierversuchsplänen, damit die Forscher bei den Tierversuchen ethische Versuche gestalten können, die unnötiges Leiden der Tiere minimieren.
kimhyelin211@korea.kr