In Korea befindet sich die Zahl der Eheschließungen im Aufwärtstrend. Im vergangenen Jahr wurden rund 240.000 Ehen geschlossen – so viele wie seit sieben Jahren nicht mehr. Die koreanische Heiratskultur und ihre Institutionen verändern sich von traditionellen bis hin zu modernen Formen. Korea.net beleuchtet mit der Artikelserie die Entwicklung der koreanischen Heiratskultur.
Fotos von der Gruppenhochzeit in den 1970er und 1980er Jahren in der Sonderausstellung „Ulsan Wedding Chronicles”, die bis zum 26. Juli im Ulsan Museum stattfindet
Von Hong Angie | Fotos: Hong Angie/korea.net
Von der traditionellen Hochzeit über die Gruppenhochzeit in der Moderne und Gegenwart bis zur maßgeschneiderten Hochzeitszeremonie der Gegenwart – die Eheschließung in Korea hat sich im Laufe der Zeit und innerhalb gesellschaftlicher Strukturen kontinuierlich verändert.
Pyebaek – das Fest der Gemeinschaft
Fotos von „Pyebaek”, einem traditionellen koreanischen Hochzeitsritual, und „spielerischen Neckereien des Bräutigams”, einem koreanischen Hochzeitsritual
Die traditionelle koreanische Hochzeit war ein Gemeinschaftsfest, an dem das ganze Dorf und die gesamte Verwandtschaft teilnahmen. Ein repräsentatives Beispiel dafür sind die „spielerischen Neckereien des Bräutigams“, bei denen der Bräutigam in der Hochzeitsnacht von seinen Freunden auf spielerische Weise geneckt oder ausgefragt wird, bevor er als ein Mitglied der Gemeinschaft anerkannt wird.
Nach der Hochzeitszeremonie folgte das Pyebaek, ein traditioneller koreanischer Hochzeitsbrauch, bei dem das Brautpaar Hanbok trug und den Eltern sowie den Verwandten beider Familien offiziell seine Ehrerbietung erwies. Pyebaek war eine feierliche Zeremonie, die die offizielle Verbindung und Harmonie zwischen den beiden Familien bekräftigte.
Die Eltern warfen Jujuben und Kastanien in den Rock der Braut und wünschten dem Brautpaar zahlreiche Nachkommen und familiären Wohlstand. Heute gilt das Pyebaek zunehmend als optionales Ritual, dessen Durchführung von den Vorstellungen und Wünschen des Brautpaares abhängt.
Hanbok der Mütter des Brautpaares
In der traditionellen Hochzeit trugen im Einklang mit dem Prinzip der Harmonie von Yin und Yang (Koreanisch Eum und Yang) die Mutter des Bräutigams einen Hanbok in Blautönen und die der Braut einen Hanbok in Rottönen
Es gibt eine Tradition, die sich bis heute in der modernen Hochzeitszeremonie erhält. Im Einklang mit dem Prinzip der Harmonie von Yin und Yang (Koreanisch Eum und Yang) trägt die Mutter des Bräutigams einen Hanbok in Blautönen, während die Mutter der Braut einen Hanbok in Rottönen trägt.
Gruppenhochzeit in Unternehmen und elektrische Reiskocher
Foto: Elektrischer Reiskocher und Sparbücher
Während der rasanten Industrialisierung in den 1970er und 1980er Jahren entstand ein neues Phänomen: die Gruppenhochzeit. In dieser Zeit veranstalteten große Unternehmen im Rahmen ihrer betrieblichen Sozialleistungen Gruppenhochzeiten. Dabei wurden anstelle von Geldgeschenken elektrische Reiskocher und Sparbücher überreicht.
Im Gegensatz dazu hat sich heute die Tradition etabliert, Geld als Hochzeitsgeschenk in einem Umschlag zu überreichen.
Die heutige Hochzeitszeremonie
Heutzutage werden Hochzeitszeremonien zunehmend individuell gestaltet. Mit dem Hochzeitspaket aus Fotostudio, Brautkleid und Make-up plant das Brautpaar eine maßgeschneiderte Hochzeitszeremonie nach seinen eigenen Wünschen. Dies ist ein prägendes Merkmal der modernen koreanischen Hochzeitskultur, die die Hochzeit als eine eigene Bühne für das Brautpaar versteht.
shong9412@korea.kr