Die Sichtweise auf Tiere in der koreanischen Gesellschaft verändert sich grundlegend. Da die Zahl der Haushalte mit Haustieren zunimmt und sich das Bewusstsein für das Tierwohl wächst, zeigen sich Veränderungen in der Politik. Die Reportage “Koexistenz von Mensch und Tier” beleuchtet anhand von Diskussionen über die Rechtsstellung von Tieren, Beispiele von Tier-Sanctuaries und tierfreundliche politische Maßnahmen der Kommunen den gesellschaftliche Wandel der Beziehungen zwischen Mensch und Tier.
Foto: Die geretteten Rinder im New Moon Sanctuary in Inje-gun in der Provinz Gangwon-do ⓒ Animal Liberation Wave
Von Kim Hyelin | Video: Offizieller YouTube-Kanal von Project Moon Bear
“Tier-Sanctuary” ist ein Zufluchtsort, in dem gerettete Tiere bis an ihr Lebensende bleiben können. Da dieser Ort ohne kommerzielle Nutzung und Zucht das Tierwohl an die erste Stelle setzt, unterscheidet er sich von herkömmlichen Tierheimen und Zoos.
Die Sanctuary-Bewegung verbreitete sich nach der Gründung des US-amerikanischen Farm Sanctuary im Jahr 1986 weltweit. Danach wurde im Jahr 2007 die Global Federation of Animal Sanctuaries (GFAS) zur internationalen Standardisierung ins Leben gerufen.
Im Moment sind weltweit fast 200 Sanctuaries in Betrieb. In einigen Ländern wie Spanien und Österreich werden Sanctuaries für Nutztiere als eigene rechtliche Kategorie anerkannt.
In diesem Bereich befindet sich Korea am Anfang. Unter der Führung der privaten Initiativen wurden Zufluchtsorte für Rinder, Schweine und Bären nach und nach eröffnet. Im Vorfeld des Inkrafttretens des Gesetzes zum Schutz und zur Verwaltung von Wildtieren (WILDLIFE PROTECTION AND MANAGEMENT ACT) in diesem Jahr beginnt die koreanische Regierung, entsprechende Maßnahmen zu ergreifen.
In Gurye-gun in der Provinz Jeollanam-do ist die “Gurye Bear Protection Facility” in Betrieb ⓒ Ministerium für Klima, Energie und Umwelt
Das Ministerium für Klima, Energie und Umwelt richtete in Masan-myeon in Gurye-gun in der Provinz Jeollanam-do eine “Gurye Bear Protection Facility” ein, die bis 49 Bären aufnehmen kann. Sie wurde am 30. September vergangenen Jahres eröffnet und beherbergt derzeit 21 Bären.
In Seocheon-gun in der Provinz Chungcheongnam-do ist eine zusätzliche Einrichtung mit einer Kapazität von 70 Bären im Bau. Aber aufgrund von Hochwasserschäden wurde die Fertigstellung auf die zweite Hälfte des Jahres 2027 verschoben.
Die privaten Initiativen handelten proaktiv. Das “Project Moon Bear” begann bereits vor der Durchführung des Gesetzes damit, die gezüchteten Bären direkt von Farmen zu retten. Im Jahr 2021 übernahmen sie Bärenfarmen in Hwacheon und begannen mit der Pflege der Tiere. Danach erweiterten sie die Außenanlagen schrittweise und verbesserten die Haltungsbedingungen für Bären. Derzeit werden im “Project Moon Bear” 13 Mondbären geschützt.
Ziegen und Schweine, die im “KARA Farm Sanctuary” in Eumseong-gun in der Provinz Chungcheongbuk-do geschützt werden ⓒ KARA
Die Tierrechtsorganisation “Animal Liberation Wave” rettete im August 2021 fünf Holstein-Rinder, die in einem illegalen Stall in Gyeyang-gu, Incheon, von der Schlachtung bedroht waren. Um sie zu schützen, wurde im Oktober vergangenen Jahres die “New Moon Sanctuary” in Inje-gun in der Provinz Gangwon-do eröffnete.
Im April 2020 wurde die “Dawn Sanctuary“ eingerichtet – die erste Sanctuary in Korea. Dort leben die Schweine, die aus Zuchtanlagen und Versuchslaboren gerettet wurden. Der Tierschutzverein KARA eröffnete im Jahr 2022 ebenfalls einen Zufluchtsort in der Provinz Gyeongi-do für gerettete Schweine, Ziegen und Hühner. Dann wurde sie nach Eumseong-gun in der Provinz Chungcheongbuk-do verlegt.
Am 8. November vergangenen Jahres fand ein Forum über Sanctuaries an der Yonsei-Universität in Seodaemun-gu in Seoul statt ⓒ Tierrechtsorganisation Animal Liberation Wave
Die Diskussion über die Institutionalisierung begann. Auf einem Forum für Sanctuaries, das im November vergangenen Jahres an der Yonsei-Universität stattfand, wurden die rechtliche Anerkennung von Sanctuaries, die Einführung eines Zertifizierungssystems und die Notwendigkeit steuerlicher Förderungen intensiv behandelt.
Im selben Monat überarbeitete die Nationalversammlung das Wildtierschutzgesetz und das Tierschutzgesetz, um über die Einführung des Konzepts für Sanctuary zu diskutieren.