Die 48. Generalversammlung des UNESCO-Welterbekomitees wird im kommenden Juli in Busan eröffnet. Korea.net stellt sechs der zwölf Stätten vor, die auf der vorläufigen Kandidatenliste Koreas für das UNESCO-Welterbe stehen.
Von Hong Angie | Video: Offzieller YouTube-Kanal von Hoeamsaji-Museum von Yangju | Fotos: Park Daejin/korea.net
Die Landschaft am Cheongobsan-Berg, die frische Luft und die Stille, die nur vom Zirpen der Insekten durchbrochen wird – hier befindet sich die Hoeamsa-Tempelanlage in Yangju in der Provinz Gyeonggi-do.
Heute ist von der einst weitläufigen Anlage nur noch wenig zu sehen. Einst jedoch stand hier ein großer Tempel, der das Landschaftsbild völlig anders prägte.
Die Landschaft der Hoeamsa-Tempelanlage in Yangju in der Provinz Gyeonggi-do
Am Fuße der Hügel im Nordosten der Anlage steht der Stupa der Hoeamsa-Tempelanlage, die als Nationalschatz ausgewiesen ist. Auf dem achteckigen Sockel sind Drachen, Wolken und Lotosblüten kunstvoll und detailreich eingemeißelt, die ein herausragendes Beispiel der höfischen Steinbildhauerkunst der frühen Joseon-Zeit darstellen.
Das ursprüngliche Erscheinungsbild der Hoeamsa-Tempelanlage ist im Hoeamsaji-Museum von Yangju zu sehen. Im ersten Stock des Museums ist der Tempel so nachgebildet, wie er vor etwa 600 Jahren ausgesehen haben soll.
Der als Nationalschatz ausgewiesene Stupa der Hoeamsa-Tempelanlage
Die seit 1997 andauernden langfristigen Ausgrabungen machten die einstige Bedeutung der Hoeamsa-Tempelanlage noch deutlicher. Dabei wurden unter anderem hochwertige blaue Dachziegel, die nur in begrenztem Umfang für königliche Gebäude verwendet wurden, sowie Drachenkopf-Ornamente, Wasserspeier und weiße Porzellanfiguren von Mönchskindern entdeckt.
Besonders beeindruckt das Bronze-Windspiel des Hoeamsa-Tempels mit seiner außergewöhnlichen Größe, wie sie bei gewöhnlichen Tempeln kaum zu finden ist. Auf seiner Oberfläche sind neben einer Widmung für das Wohlergehen der königlichen Familie auch die Namen von König Taejo, Königin Sindeok, Kronprinz Bangseok und dem königlichen Lehrmeister Muhak eingraviert.
Hong Bo Kyoung, Kuratorin der Stadtverwaltung Yangju, erklärte: „Die ausgegrabenen Relikte belegen eindeutig, dass der Hoeamsa-Tempel weit mehr als ein gewöhnlicher buddhistischer Tempel war. Er war eine königliche Residenz, in der der König persönlich verweilte und die Staatsgeschäfte führte, und zugleich einer der bedeutendsten Tempel seiner Zeit, der staatlich gefördert wurde.“
Das Bronze-Windspiel, das in der Hoeamsa-Tempelanlage ausgegraben wurde
Die Raumaufteilung der Hoeamsa-Tempelanlage ähnelt der von Manwoldae in Kaesong, einem königlichen Palastkomplex aus der Goryeo-Zeit. Auf acht Steinterrassen, die dem Hang des Cheonbosan-Berges folgend angelegt wurden, standen einst mehr als 70 Gebäude.
Vom Ende der Goryeo-Dynastie bis zum Beginn der Joseon-Dynastie war Hoeamsa der größte königliche Tempel und zugleich eine königliche Residenz, in der König Taejo auf seinen Reisen verweilte.
Doch die Pracht dieses gewaltigen königlichen Tempels konnte dem Lauf der Zeit nicht standhalten. Nachdem dieser Tempel im 16. Jahrhundert einem Feuer zum Opfer gefallen war, ist heute nur noch das ehemalige Tempelgelände erhalten.
Obwohl die Gebäude verschwunden sind, sind die unter der Erde erhaltenen Spuren nicht verloren gegangen. Insbesondere das traditionelle Fußbodenheizungssystem Ondol (Gudeul) sowie das ausgeklügelte Entwässerungssystem gelten als entscheidende Zeugnisse der herausragenden Bautechnik jener Zeit.
So ist die Hoeamsa-Tempelanlage die historische Stätte, die die Blüte der zen-buddhistischen Kultur in Ostasien sowie die groß angelegten Räumlichkeiten für die religiöse Praxis am Ende der Goryeo-Zeit und zu Beginn der Joseon-Zeit im 14. Jahrhundert veranschaulicht.
In Anerkennung dieses historischen und archäologischen Wertes wurde diese Anlage im vergangenen Jahr als eigenständiger Eintrag in die UNESCO-Welterbe-Prioritätenliste des Korea Heritage Service aufgenommen.
Das Rekonstruktionsmodell des Hoeamsa-Tempels im Hoeamsaji-Museum in Yangju