Die 48. Generalversammlung des UNESCO-Welterbekomitees wird im kommenden Juli in Busan eröffnet. Korea.net stellt sechs der zwölf Stätten vor, die auf der vorläufigen Kandidatenliste Koreas für das UNESCO-Welterbe stehen.
Von Margareth Theresia | Fotos: Lee Jeong Woo/korea.net | Video: Park Daejin/korea.net
Im Jahr 1392, als das Königreich Joseon gegründet wurde, wurde die Hauptstadt von Gaekyung nach Hanyang verlegt. Da sich die Stadt Hanyang im Süden des Bukhansan-Berges und im Norden des Flusses Hangang befindet, gilt sie als eine Schlüsselstellung. Die entlang der Gebirgskämme des Bukansan-, Namsan-, Naksan- und Inwangsan-Berges gebauten Festungen bildeten die Grenze dieser Hauptstadt.
Aus diesem Grund bezeichnen die “Hauptstadtbefestigungen von Hanyang” ein Verteidigungssystem, das entlang der Berge aufgebaut wurde. Mit dem Beginn des Baus der Hanyangdoseong (Stadtmauern von Seoul) im Jahr 1396 wurde die Festung Bukhansanseong im Jahr 1711 fertiggestellt.
Später wurde Tangchun Daeseong (Festung Tangchun), die Hanyangdoseong und Bukhansanseong verbindet, ergänzt, wodurch ein umfangreiches Verteidigungssystem mit einer Gesamtlänge von 37,7 km entstand.
Die Hanyangdoseong (Stadtmauern von Seoul) wurde im 14. Jahrhundert gebaut, um die damalige Hauptstadt Hanyang zu schützen. Heute ist sie ein historisches Kulturerbe und ein beliebter Wanderweg für koreanische Bürger und ausländische Touristen. Foto: Ausländische Touristen, die Strecke des Naksan-Berges der Hanyangdoseong spazieren
Hanyangdoseong – Die Stadtmauern, die Hauptstadtverwaltung und das Leben der Bürger umfassen
Die Hanyangdoseong wurden errichtet, um die Grenze der Hauptstadt Hanyang festzulegen und die Stadt vor äußeren Angriffen zu schützen. Sie wurden erstmals in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts erbaut und im 15. Jahrhundert grundlegend umgebaut.
Die Abschnitte der Mauern, die in der Ebene mit Erde errichtet worden waren, wurden später mit Stein neu aufgebaut, um die Verteidigungsanlagen zu verstärken.
Die 12,8 km von der gesamten Länge von 18,6 km sind in ihrer ursprünglichen Form erhalten oder wurden wiederhergestellt. Da das Torhaus und die Stadtmauer gut erhalten sind, kann man die Bautechnik und die Stadtkultur in der Joseon-Zeit beobachten.
Foto: Das Tor Daeseomun der Festung Bukhansanseong. Das Tor liegt auf der niedrigsten Höhe unter den 16 Toren und diente früher als die Passage für die Bewohner. Heutzutage ist das Tor für Wanderer als die repräsentative Wanderroute bekannt
Festung Bukhansanseong – Verteidigungspunkt für den Nottfall
Die Festung Bukhansanseong, die im Norden der Hanyangdoseong erbaut ist, diente als wichtiger Verteidigungspunkt für den Notfall. Diese Festung hat eine Gesamtlänge von 11,6 km und eine Innenfläche von etwa 5,3 km².
Nach dem Imjin-Krieg und der Qing-Invasion des Königsreichs Joseon wurde die Bedeutung der Stadtverteidigung größer und die Festung wurde in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts ebenfalls mit Stein erneut errichtet.
In der Festung Bukhansanseong gab es einen Königspalast sowie verschiedene militärische Einrichtungen wie Vorratslager. Sie war mit 99 Brunnen, 26 kleinen Stauseen und acht Lagern ausgestattet, um sich auf den längeren Krieg vorzubereiten. Darüber hinaus wurde diese Festung mit einer systematischen Struktur gebaut, damit im Notfall der König und die Bürger in die Festung evakuiert werden konnten.
Foto: Das Tor Hongjimun der Tangchun Daeseong (Festung Tangchun). Es war Im Jahr 1921 wegen des Hochwassers zerstört worden, wurde aber im Jahr 1977 im Rahmen des Renovierungsprojekts der Tangchun Daeseong wiederhergestellt
Tangchun Daeseong – eine Verbindungsfestung, die das Verteidigungssystem vervollständigt
Die Festung Tangchun wurde entlang der Kämme vom Inwangsan-Berg bis zum Bukhansan-Berg errichtet und verbindet damit Hanyangdoseong und Bukhansanseong. Die 4 km lange Festung diente dazu, die Angriffe der Gegner zu streuen und die Bürger nach Buknahsanseong zu evakuieren.
Darüber hinaus fungiert diese Festung zur Verstärkung der westlichen Verteidigung und als Verbindung für den Transport von Vorräten und Truppen zwischen der Hanyangdoseong und Bukhansanseong.
Somit wurde das Verteidigungssystem der Hauptstadt Hanyang in der späten Joseon-Zeit durch die Kombination von Stadtmauern in der Ebene und den Bergfestungen fertiggestellt.
Foto: Die Landschaft der Stadt Seoul aus der Festung Buknahsanseong
Die “Hauptstadtbefestigungen von Hanyang” sind kein einfaches Bauwerk, sondern ein Verteidigungssystem, das von Ende des 14. Jahrhunderts bis Anfang des 18. Jahrhunderts schrittweise aufgebaut wurde. Die Steinen in unterschiedlichen Formen auf Mauern zeigen noch immer die damalige Bauweise und die zeitliche Dringlichkeit.
Vor allem ist es von großem Wert, da die “Hauptstadtbefestigungen von Hanyang” die Tradition der nordostasiatischen Bauweise, die das Gebirgsgelände bestmöglich nutzt, auf kreative Weise weiterführt und den Entwicklungsprozess der Stadtmauern auf der koreanischen Halbinsel gut zeigt.
Das Verteidigungssystem geht über eine einfache Verteidigungsanlage hinaus und bildet eine Grundlage für die Identität der Stadt Seoul. Es könnte auch als eine Methode dienen, durch die man die Entstehung und die Beständigkeit einer Stadt und eines Landes erklären kann.