Von Ehrenberichterstatter Gregory Aron Bey aus Deutschland | Fotos: Gregory Aron Bey
Kein Fleisch? Kein Problem! Vegane und vegetarische Restaurants in Seoul auf dem Vormarsch – fünf persönliche Empfehlungen
Als ich vor einigen Jahren – lange vor meinem ersten Urlaub in Seoul – meine Koreanischlehrerin fragte, ob ich als Vegetarier ausreichend Auswahl in Seoul haben würde, schüttelte sie mit einem Ausdruck von Mitleid lächelnd den Kopf; praktisch jede und jeder meiner koreanischen Freundinnen und Freunde pflichteten ihr bei. Für die längste Zeit mag dies auch gestimmt haben, doch gerade in den letzten Jahren eröffneten immer mehr Restaurants, deren Eigentümerinnen und Eigentümer sich bewusst gegen das Kochen mit Fleisch – oder allen tierischen Produkten – entschieden haben.
In den folgenden Absätzen möchte ich euch einige dieser Restaurants vorstellen und damit anderen Veganern und Vegetariern einen kurzen Überblick über die meines Erachtens besten veganen und vegetarischen Restaurants in Seoul bieten. Die Reihenfolge stellt hierbei keine Rangliste dar. Es handelt sich deshalb ausschließlich um persönliche Empfehlungen, die auf der Breite der Auswahl, dem Preis-Leistungsverhältnis, der Lage sowie dem Geschmack basieren.
1) Günstig und zentral: Vegan Kitchen in Myeongdong
Die wohl am leichtesten auffindbare und erreichbare Option für Veganer und Vegetarier findet sich direkt im Herzen von Seoul: Vegan Kitchen. Nur wenige hundert Meter südlich der U-Bahn-Haltestelle Myeongdong am Fuß des Namsan wird hier ein relativ breit aufgestelltes Angebot vollständig veganer Speisen geboten; von Tteokbokki über Fried Chicken, von Japchae zu Mandu.
Die Preise sind dabei nicht viel höher als bei nicht-veganen Alternativen – etwa 10 bis 15 € pro Person sollte man für Hauptspeise, Beilage und Getränk einplanen. Die Bestellterminals erlauben Bestellungen auf mehreren Sprachen und bieten über Bilder einen Eindruck der Portionsgrößen. Im Sommer bietet Vegan Kitchen zudem einen Außenbereich.
Besonders hervorzuheben sind die Wartezeiten: In den meisten Fällen wartet man nur etwa zehn bis fünfzehn Minuten nach Abgabe der Bestellung, weshalb Vegan Kitchen – gerade in Verbindung mit der günstigen Lage – vor allem für spontane Besuche geeignet ist und durch das breite Angebot an Vor- und Hauptspeisen sowohl dem kleinen als auch dem großen Hunger gerecht wird.
Adresse: 21 Toegye-ro 20-gil Jung-gu, Seoul, Korea, 100-042
Mandu, veganes Bulgogi und Tteokbokki; dazu typische koreanische Beilagen
2) Umweltbewusst und überraschend gut: URT in Hongdae
In einer deutlich schlechter erreichbaren Seitenstraße im westlichen Teil von Hongdae befindet sich URT (유알티); ein Mix aus Restaurant und Bäckerei. Hier wird nicht nur darauf geachtet, keine tierischen Produkte zu verwenden; das Restaurant setzt zudem auf gleich mehreren Ebenen auf Nachhaltigkeit. Mobiliar und Geschirr wurden nicht etwa neu angeschafft, sondern Second-Hand gekauft. Für beinahe alle Zutaten aller Gerichte wird zudem darauf geachtet, lokale Produzenten und Bauern zu unterstützen – und es wird sogar angegeben, wo genau die Zutaten bezogen werden.
Präsentiert wird einem hier nicht etwa traditionelle koreanische Küche, sondern vielmehr ein breites Angebot internationaler, insbesondere italienischer, Speisen, von Sandwiches und Pasta bis hin zu Suppen und Salaten. Mein persönliches Highlight: die vollständig ohne künstliche Zusatzstoffe und Zutaten hergestellte „Craft Cola“, das wohl beste Getränk, das ich jemals in einem Restaurant trinken durfte.
Neben herzhaften Speisen ist hier zudem eine breite Auswahl an teils täglich wechselnden Gebäckstücken, Broten und Süßwaren geboten. Lokal ist das URT längst kein Geheimtipp mehr – wer es auf ein bestimmtes Gebäck abgesehen hat, sollte den Besuch deshalb möglichst zu Beginn des Tages ansetzen, denn bereits in den frühen Nachmittagsstunden waren einige Brote ausverkauft, was sich wiederum negativ auf die Auswahl an Broten für Sandwiches ausgewirkt hat. Der wohl einzige Nachteil: Mit 20 € bis 25 € pro Person für Hauptspeise, Getränk und ein Gebäckstück zählt das URT zweifelsohne zu den teureren Optionen in Seoul.
Adresse: 34, World Cup Buk-ro 7-gil, Seoul, Korea, 03999
Herzhafte Sandwiches und fantastische hausgemachte Getränke: Das ist jeden Cent wert
3) Warm und herzhaft: Plantude in Yongsan und Jamsil
Hat man erst einmal genug vom Erkunden der scheinbar endlosen Einkaufszentren in Yongsan oder Jamsil, so bieten beide Filialen des Plantude (플랜튜드) einen gelungenen Mix aus koreanischer und internationaler Küche. In der I-Park Mall in Yongsan sowie der COEX in Jamsil wird einem hier in modernem Ambiente eine ausreichend vielfältige Auswahl verschiedener kalter und warmer Speisen geboten, welche sich zwischen den Standorten nicht voneinander unterscheidet.
Auch hier erfolgt die Bestellung über elektronische Bestellterminals, welche durch Mehrsprachigkeit und Bilder der Speisen auch Erstbesucherinnen und -besuchern das Bestellen erleichtern.
Besonders zu empfehlen sind hier die Soft-Tofu-Tomatensuppen sowie die verschiedenen Gerichte mit frittiertem Gemüse. Wie so häufig bei dediziert veganen und vegetarischen Restaurants ist auch das Plantude im direkten Vergleich eher am oberen Ende des Preisspektrums angesiedelt; dennoch bleibt man mit Vor- und Hauptspeise sowie Getränk unter 20 € pro Person.
Adressen: Haengdang-ro, Seoul, Korea, 04717 (Yongsan)
513 Yeongdong-daero, Seoul, Korea (Jamsil)
Für jeden etwas dabei: Warme Suppen mit Soft Tofu (oben) oder kalte Bowls mit Gemüse und Reis (unten)
4) Der Sieger in Sachen Ambiente und Freundlichkeit: Vegan Insa
Kaum zu überbieten ist das Ambiente sowie die Freundlichkeit der Gastgeber des Vegan Insa. Mitten zwischen den Hanok-Dörfern Insa-Dong und Ikseon-Dong – und zugegebenermaßen etwas schwer zu finden – befindet sich ein sehr kleines Restaurant mit ausschließlich veganen Optionen und großartiger Auswahl.
Neben wenigen internationalen Gerichten bietet sich euch hier eine breite Auswahl veganer Interpretationen traditioneller koreanischer Speisen zu verhältnismäßig sehr günstigen Preisen. Gerade für Besucherinnen und Besucher, die das gerade unter jungen Koreanerinnen und Koreanern sonst so beliebte Chimaek (치맥) – also Huhn (Chicken/치킨) und Bier (Maekju/맥주) – nicht auslassen wollen, bietet das Vegan Insa hervorragendes frittiertes Huhn und einige alkoholische Getränke.
Zum großartigen Eindruck des Vegan Insa tragen auch die Eigentümer bei; betrieben von einem älteren koreanischen Ehepaar – das im Übrigen auch hervorragend Englisch spricht – wird man hier auf eine sehr freundliche und willkommen heißende Art empfangen und bedient, wie es die sonst weit verbreiteten elektronischen Bestellterminals nicht vermögen.
Adresse: 33-18 Ikseon-dong, Jongno-gu, Seoul, Korea, 03132
Gut versteckt mit kuscheligem Ambiente und malerischem Innenhof: Vegan Insa
5) Die wohl authentischste vegane koreanische Küche: Oh Se Gae Hyang
Ist man als Veganerin oder Veganer auf der Suche nach der meines Erachtens besten Option für authentische koreanische Küche, so kommt man um einen Besuch im Oh Se Gae Hyang (오세계향) im Herzen von Insa-Dong nicht herum. Gut versteckt im besinnlichen Ambiente kleiner und verwinkelter Gassen inmitten des Insa-Dong-Hanok-Dorfes findet sich hier ein Angebot authentischer koreanischer Küche unangetroffener Breite – nur eben ganz ohne tierische Produkte.
Was das Oh Se Gae Hyang im Punkto Ambiente einbüßt – das Restaurant selbst ist gerade verglichen mit den zuvor erwähnten Optionen URT und Vegan Insa etwas weniger herzlich eingerichtet – macht es dafür mit Portionsgrößen und kostenlosen Beilagen wett. Meine Partnerin und ich bestellten lediglich zwei Vor- und Hauptspeisen und wurden prompt von der Eigentümerin gebeten, an einen größeren Tisch zu wechseln, da wir sonst nicht ausreichend Platz für alle Teller und Schüsseln gehabt hätten.
Mit etwas traditionellerer koreanischer Küche geht natürlich immer eines einher: Schärfe! Deshalb eine Warnung meinerseits: Wer sonst eher Probleme mit scharfen Gerichten hat, sollte gerade hier zu den Optionen greifen, welche meist ohne Schärfe auskommen. Preislich liegt das Oh Se Gae Hyang ebenfalls eher im teuren Bereich; allerdings wird dies durch die Portionsgrößen ausgeglichen.
Adresse: 14-5 Insa-dong 12-gil, Jongno-gu, Seoul, Korea
Hier verlässt niemand hungrig das Restaurant: Oh Se Gye Hyang. Besonders empfehlenswert: Das vegane Spiegelei (hier auf blauem Teller)
Selbstverständlich gibt es Dutzende, wenn nicht Hunderte Restaurants mit veganen und vegetarischen Optionen, weshalb ich unmöglich auf alle Restaurants im Einzelnen eingehen konnte. Ich hoffe, dieser Artikel konnte dem einen oder anderen Veganer oder Vegetarier Ideen für den nächsten Aufenthalt in Seoul bieten oder sogar etwas die Angst nehmen, in Seoul als Veganer oder Vegetarier möglicherweise nicht ausreichend Auswahl zu haben.
Dieser Artikel wurde von einem Korea.net-Ehrenberichterstatter verfasst. Unsere ehrenamtlichen Reporter kommen aus der ganzen Welt und teilen ihre Liebe und Leidenschaft über alle Dinge in Korea.
dlektha0319@korea.kr