Ehrenberichterstatter

14.01.2026

Korea.net in 11 Sprachen
  • 한국어
  • English
  • 日本語
  • 中文
  • العربية
  • Español
  • Français
  • Deutsch
  • Pусский
  • Tiếng Việt
  • Indonesian
Zeremonie an der Bosingak-Glocke in Seoul zum Jahreswechsel. Vor traditioneller Kulisse nehmen ausgewählte Bürger und Persönlichkeiten am offiziellen Glockenläuten teil, das den Beginn des neuen Jahres markiert © Seoul Government

Zeremonie an der Bosingak-Glocke in Seoul zum Jahreswechsel. Vor traditioneller Kulisse nehmen ausgewählte Bürger und Persönlichkeiten am offiziellen Glockenläuten teil, das den Beginn des neuen Jahres markiert © Seoul Government



Von Ehrenberichterstatter Manuel Guthmann aus Deutschland

Der 31. Dezember ist in Korea ein besonderer Abend, auch wenn er im Schatten eines anderen Festes steht. Während das traditionelle koreanische Neujahrsfest Seollal erst Ende Januar nach dem Mondkalender gefeiert wird, hat der westliche Jahreswechsel längst seinen festen Platz im koreanischen Kalender gefunden. Der 1. Januar ist ein gesetzlicher Feiertag, und viele Menschen nutzen die Gelegenheit, um mit Familie oder Freunden ins neue Jahr zu starten.

Zwei Neujahrsfeste in einem Land

Korea feiert zweimal Neujahr. Das westliche Neujahr am 1. Januar nennt sich Shinjeong, also das solare Neujahr. Der Silvesterabend selbst heißt Yeonmal. Deutlich bedeutender ist allerdings Seollal, das koreanische Neujahrsfest nach dem Mondkalender. Im Jahr 2026 fällt Seollal auf den 17. Februar. An diesem Tag kommen Familien zusammen, tragen traditionelle Hanbok, verneigen sich vor den Älteren und essen gemeinsam Tteokguk, eine Reiskuchensuppe, die symbolisch ein Jahr zum Alter hinzufügt.

Während Seollal fest in der koreanischen Tradition verwurzelt ist und mit dreitägigen Feierlichkeiten begangen wird, hat der westliche Jahreswechsel einen anderen Charakter. Er ist lockerer, urbaner und wird oft als Anlass genutzt, um mit Freunden zu feiern oder einen besonderen Abend zu erleben.

Die Bosingak-Glocke läutet das neue Jahr ein

Wer in der Silvesternacht in Seoul unterwegs ist, kommt an einem Ereignis kaum vorbei: dem Läuten der Bosingak-Glocke. Um Mitternacht ertönt sie 33 Mal und markiert damit den Übergang ins neue Jahr. Diese Tradition reicht bis in die Joseon-Zeit zurück, als die Glocke täglich um vier Uhr morgens 33 Mal geläutet wurde, um die nächtliche Ausgangssperre zu beenden und die Stadttore zu öffnen. Die Zahl 33 stammt aus der buddhistischen Überlieferung und steht für die 33 himmlischen Erscheinungsformen des Bodhisattva.

Seit 1953 wird die Glocke in der Silvesternacht öffentlich geläutet. Tausende Menschen strömen nach Jongno, um live dabei zu sein. Die Zeremonie beginnt bereits um 23 Uhr mit traditionellen Aufführungen wie Talchum-Maskentänzen und koreanischer Musik. Um Mitternacht läuten ausgewählte Bürger und Prominente gemeinsam die Glocke. Die Veranstaltung wird landesweit im Fernsehen übertragen, und viele, die nicht vor Ort sind, schalten ein, um das neue Jahr auf diese Weise zu begrüßen.

Die Bosingak-Glocke in Seoul beim traditionellen Läuten zum Jahreswechsel. Um Mitternacht erklingt sie 33 Mal und markiert symbolisch den Übergang in das neue Jahr © Seoul Government

Die Bosingak-Glocke in Seoul beim traditionellen Läuten zum Jahreswechsel. Um Mitternacht erklingt sie 33 Mal und markiert symbolisch den Übergang in das neue Jahr © Seoul Government


Dongdaemun Design Plaza mit Feuerwerk und Lichtshow

Neben der Bosingak-Glocke gibt es in Seoul weitere zentrale Orte, an denen das neue Jahr gefeiert wird. Das Dongdaemun Design Plaza, kurz DDP, veranstaltet eine große Countdown-Show mit Feuerwerk, Lichtinstallationen und Live-Musik. Die futuristische Architektur des Gebäudes bildet dabei eine beeindruckende Kulisse. Um 23:55 Uhr beginnt die Medien-Fassadenshow, kurz vor Mitternacht steigt das Feuerwerk vom Dach, und danach sorgen Bands und DJs für Stimmung bis in die frühen Morgenstunden.

Auch am Gwanghwamun-Platz wird gefeiert. Dort läuft die Seoul Light Show bis nach Mitternacht und zieht ebenfalls viele Besucher an. Die gesamte Innenstadt steht an diesem Abend im Zeichen des Lichts und der Gemeinschaft.

Silvester am Dongdaemun Design Plaza: Ein atemberaubender Countdown mit spektakulärer Medienfassade, Musik, Feuerwerk und der Chance, einen Neujahrswunsch an der Wunschwand zu hinterlassen © DDP

Silvester am Dongdaemun Design Plaza: Ein atemberaubender Countdown mit spektakulärer Medienfassade, Musik, Feuerwerk und der Chance, einen Neujahrswunsch an der Wunschwand zu hinterlassen © DDP


Am Hangang das Jahr ausklingen lassen

Wer es ruhiger mag, findet am Hangang alternative Möglichkeiten. Viele Menschen versammeln sich dort mit Freunden, essen Ramyeon, trinken Soju oder Bier und genießen die Atmosphäre am Fluss. Anders als in vielen westlichen Städten gibt es in Seoul kein großes zentrales Feuerwerk am Hangang. Das internationale Feuerwerksfestival findet im Herbst statt, nicht zu Silvester. Dennoch ist der Fluss ein beliebter Ort, um den Abend entspannt ausklingen zu lassen.

Zum Jahreswechsel erhellt ein großes Feuerwerk den Himmel über dem Hangang in Seoul. Viele Menschen verfolgen das Spektakel entlang des Flusses und begrüßen dort gemeinsam das neue Jahr © Visit Korea

Zum Jahreswechsel erhellt ein großes Feuerwerk den Himmel über dem Hangang in Seoul. Viele Menschen verfolgen das Spektakel entlang des Flusses und begrüßen dort gemeinsam das neue Jahr © Visit Korea


Mit Freunden am Hangang sitzen, eine Schale warmes Ramyeon in der Hand, den Blick über das Wasser schweifen lassen und dabei ins neue Jahr rutschen. Das wäre eine ganz andere Art, Silvester zu verbringen, ruhiger als am DDP, aber trotzdem mitten in der Stadt.

Auch in anderen Städten Koreas wird gefeiert

Nicht nur in Seoul, sondern im ganzen Land wird der Jahreswechsel begangen. In Busan versammeln sich die Menschen am Gwangalli Beach zum Countdown mit Dronenshow und Konzerten. Auch am Yongdusan Park findet eine Glockenzeremonie statt. Auf der Insel Jeju veranstaltet das Shinhwa World Resort eine spektakuläre Countdown-Party mit K-Pop-Künstlern. In Yeosu an der Südküste gibt es kulturelle Feiern und Feuerwerk, und viele fahren dorthin, um den ersten Sonnenaufgang des Jahres zu erleben.

Zum Jahreswechsel treffen sich in Busan rund 100.000 Menschen am Gwangalli Beach, um gemeinsam den Countdown zu erleben. Shows begleiten den Abend, während ein großes Feuerwerk den Himmel über dem Strand erleuchtet © Visit Korea

Zum Jahreswechsel treffen sich in Busan rund 100.000 Menschen am Gwangalli Beach, um gemeinsam den Countdown zu erleben. Shows begleiten den Abend, während ein großes Feuerwerk den Himmel über dem Strand erleuchtet © Visit Korea


Clubs, Bars und Jahresabschlusspartys

Für viele junge Koreaner gehört die Silvesternacht zu den wichtigsten Partynächten des Jahres. In Vierteln wie Gangnam, Itaewon und Hongdae öffnen Clubs und Bars mit speziellen Events. Manche veranstalten Motto-Partys, andere bieten unbegrenzte Getränke bis Mitternacht oder kostenfreien Champagner zum Anstoßen. Die Atmosphäre ist ausgelassen, die Musik laut, und viele bleiben bis in die frühen Morgenstunden.

Auch sogenannte Songnyeonhoe, Jahresabschlusspartys mit Kollegen oder Freunden, sind in Korea weit verbreitet. Sie finden oft schon in den Tagen vor Silvester statt und dienen dazu, das Jahr gemeinsam Revue passieren zu lassen. Dabei wird gegessen, getrunken und oft auch Karaoke gesungen.

Essen, Trinken und Rituale

Anders als in Deutschland, wo viele am Heiligabend, dem 24. Dezember, mit der Familie feiern und Silvester eher mit Freunden verbringen, ist es in Korea oft umgekehrt. Weihnachten gilt als romantischer Feiertag oder wird mit Freunden begangen, während Silvester eher ein Familienanlass ist. Allerdings ist auch das keine feste Regel und viele Menschen entscheiden sich frei, wie sie den Abend gestalten möchten. Das zeigt sich auch daran, wie die meisten Menschen den Jahreswechsel tatsächlich verbringen. Ein Großteil der Koreaner feiert Silvester zu Hause. Schätzungen zufolge verbringen rund 30 bis 35 Millionen Menschen den Abend privat mit Familie oder Freunden, schauen die Bosingak-Zeremonie im Fernsehen und essen gemeinsam. Weitere 15 bis 20 Prozent, also etwa 7 bis 10 Millionen Menschen, gehen an diesem Abend in Restaurants, Cafés oder Hotels.

Menschenmenge bei der Bosingak-Glocke in Seoul zum Jahreswechsel. Tausende verfolgen den Countdown und das traditionelle Glockenläuten vor der Bühne im Stadtzentrum © Visit Korea

Menschenmenge bei der Bosingak-Glocke in Seoul zum Jahreswechsel. Tausende verfolgen den Countdown und das traditionelle Glockenläuten vor der Bühne im Stadtzentrum © Visit Korea


Die großen öffentlichen Events bleiben dagegen vergleichsweise klein. Am Dongdaemun Design Plaza feiern rund 80.000 Menschen, in Myeongdong etwa 50.000. Zum Vergleich: In Berlin versammeln sich am Brandenburger Tor an Silvester rund 500.000 Menschen.

Am Silvesterabend selbst essen viele Familien zusammen, oft Korean BBQ, Eintöpfe oder andere Gerichte, die sich gut teilen lassen. Ich verbringe, wie die meisten Koreaner, dieses Jahr den Silvesterabend mit der Familie zu Hause. Wir machen Raclette, und kurz vor Mitternacht gehen wir mit Sekt nach draußen, um das Feuerwerk in der Nachbarschaft zu genießen. Auch der Besuch in einem Restaurant ist beliebt. Convenience Stores und kleinere Läden bieten an diesem Abend oft spezielle Snacks und Getränke an.

Beim Trinken spielt Soju eine zentrale Rolle. Traditionell wird Soju zu Neujahr getrunken, um böse Geister zu vertreiben. Bei größeren Partys und Events kommt auch Sekt oder Champagner zum Einsatz, besonders zum Anstoßen um Mitternacht.

Zum Essen gehört in Korea traditionell Tteokguk, eine Suppe mit dünn geschnittenen ovalen Reiskuchen. Diese wird allerdings nicht am 31. Dezember, sondern am 1. Januar gegessen. Die Suppe symbolisiert einen Neuanfang und steht für Glück und Wohlstand. Die runde Form der Reiskuchen erinnert an alte koreanische Münzen und soll Reichtum bringen. Besonders bekannt ist der Glaube, dass man mit jedem Teller Tteokguk ein Jahr älter wird. Die Vorstellung, dass ich viel Suppe esse und dann im neuen Jahr viel Geld habe, gefällt mir.

Tteokguk ist eng mit dem Jahreswechsel in Korea verbunden. Die Reiskuchensuppe steht für Neuanfang, Erneuerung und den symbolischen Beginn eines neuen Lebensjahres © Korea.net

Tteokguk ist eng mit dem Jahreswechsel in Korea verbunden. Die Reiskuchensuppe steht für Neuanfang, Erneuerung und den symbolischen Beginn eines neuen Lebensjahres © Korea.net


Was das Feuerwerk angeht, unterscheidet sich Korea übrigens stark von Deutschland. Während bei uns Menschen privat sehr viel Feuerwerk zünden und jedes Jahr zig Millionen Euro dafür ausgeben, ist privates Feuerwerk in Korea verboten. Dort gilt Feuerwerk als Sprengstoff und darf nur von lizenzierten Profis bei offiziellen Events gezündet werden. Wer erwischt wird, muss mit Strafen rechnen. Deshalb gibt es in Korea ausschließlich organisierte, professionelle Feuerwerke bei bedeutenden Veranstaltungen.

Vergnügungsparks und Sonnenaufgang

Ein besonders beliebtes Ziel für Paare sind Vergnügungsparks wie Lotte World oder Everland. Beide öffnen in der Silvesternacht länger als üblich und veranstalten spezielle Countdown-Events mit Lichtshows, Paraden und Feuerwerk. Viele junge Paare nutzen die Gelegenheit, um den Jahreswechsel auf eine romantische und unterhaltsame Weise zu erleben.

Feuerwerk über Everland bei Seoul. Der Freizeitpark zählt zu den beliebten Zielen für den Jahreswechsel mit großem Countdown-Event © Visit Korea

Feuerwerk über Everland bei Seoul. Der Freizeitpark zählt zu den beliebten Zielen für den Jahreswechsel mit großem Countdown-Event © Visit Korea


Eine weitere Tradition, die viele Koreaner pflegen, ist das Anschauen des ersten Sonnenaufgangs am 1. Januar. Es gilt als besonders glücksbringend, diesen Moment zu erleben und dabei Wünsche für das neue Jahr zu formulieren. Beliebte Orte dafür sind der Achasan-Berg nahe Seoul oder der Strand von Jeongdongjin an der Ostküste. Tausende Menschen brechen bereits um vier oder fünf Uhr morgens auf, um rechtzeitig an ihrem Zielort zu sein.

Auch Tempelbesuche gehören für manche zum Jahreswechsel. In buddhistischen Tempeln finden Zeremonien statt, bei denen Glocken geläutet und Gebete gesprochen werden. Diese ruhigere Form des Feierns steht im Kontrast zu den lauten Partys in der Stadt und wird von Menschen geschätzt, die das neue Jahr besinnlich beginnen möchten.

Neujahrsgrüße und Wünsche

Wer jemandem auf Koreanisch ein frohes neues Jahr wünschen möchte, sagt „Saehae Bok Mani Badeuseyo“. Das bedeutet wörtlich „Ich wünsche dir viel Glück im neuen Jahr“. Diese Formulierung wird sowohl am 1. Januar als auch zu Seollal verwendet und drückt Wertschätzung und gute Wünsche aus.

In Deutschland schicke ich meist ein paar Minuten nach Mitternacht eine WhatsApp-Nachricht an gute Freunde und Verwandte, um ihnen auch auf diesem Weg alles Gute fürs neue Jahr zu wünschen. In Korea machen viele das mit KakaoTalk, dem meistgenutzten Messenger des Landes. Dort werden spezielle Neujahrs-Emoticons und Sticker verschickt, oft mit den beliebten Kakao-Friends-Figuren.

Fazit

Der westliche Jahreswechsel in Korea hat seinen eigenen Charakter entwickelt. Die Bosingak-Glocke läutet das neue Jahr ein, Tteokguk wird am Neujahrstag gegessen, und viele Menschen nutzen die Gelegenheit für besondere Momente mit Familie oder Freunden. Gleichzeitig bleibt Seollal das wichtigere Fest, das tief in der koreanischen Kultur verankert ist. Wer beide Feste erlebt, bekommt einen umfassenden Eindruck davon, wie in Korea gefeiert wird.

Dieser Artikel wurde von einem Korea.net-Ehrenberichterstatter verfasst. Unsere ehrenamtlichen Reporter kommen aus der ganzen Welt und teilen ihre Liebe und Leidenschaft über alle Dinge in Korea.

dlektha0319@korea.kr