Von
Hong Hyun-Ik
Ehemaliger Präsident der Koreanischen Nationalen Diplomatischen Akademie
Gipfeltreffen zwischen Korea und China zum Jahreswechsel
Das Bündnis zwischen Korea und den USA ist die wichtigste Säule der koreanischen Außenpolitik. Aber China übt ebenfalls einen massiven Einfluss auf den Frieden und die Stabilität auf der koreanischen Halbinsel aus. Das Land behauptet jahrzehntelange wechselseitige Beziehungen mit der Republik Korea. Nach der Teilung der koreanischen Halbinsel machte China mehr als 90 % des nordkoreanischen Handels aus und versorgt das Land zu günstigen Preisen mit Energien. In diesem Sinne ist die Kooperation mit den USA für die Lösung der nordkoreanischen Frage unerlässlich, aber Korea muss die Kooperation mit China pflegen, um den Frieden auf der koreanischen Halbinsel neu zu gestalten und eine friedliche Wiedervereinigung zu erreichen.
Die Beziehungen zwischen Korea und China, die nach der Stationierung des THAAD-Raketenabwehrsystems eingefroren worden waren, wurden während der vorherigen Regierung noch mehr verschlechtert. Jedoch wurde der Weg zur Normalisierung ihrer Beziehungen in jüngster Zeit geebnet, indem der chinesische Staatspräsident Xi Jinping die Wichtigkeit der Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsgemeinschaft erkannte und Präsident Lee Jae Myung Xi zu einem Staatsbesuch nach Korea einlud. Infolgedessen fand bereits nach zwei Monaten das Gipfeltreffen zwischen Korea und China in Peking statt.
Grundlage für die Wiederherstellung des Vertrauens und die Normalisierung der Beziehungen
Bei diesem Gipfeltreffen wurde Korea von der chinesischen Regierung mit außergewöhnlicher Höflichkeit empfangen. Die beiden Länder erzielten auch konkrete Ergebnisse. Die koreanische Regierung legte viel Wert auf den gegenseitigen Respekt, die Förderung der gegenseitigen Zusammenarbeit, die Etablierung des Friedens in Südostasien und die Schaffung des neuen Wachstumsmotors. Die größte Leistung war, dass das menschliche Vertrauen zwischen Lee und Xi vertieft wurde. Das ursprünglich auf 30 Minuten geplante Gipfeltreffen dauerte 90 Minuten und die beiden Staats- und Regierungschefs führten ein offenes und ehrliches Gespräch.
Der koreanische Präsident schlug vor, die gegenseitige Zusammenarbeit im Bereich Wirtschaft, Industrie und Leben der Bevölkerung zu erweitern. Er sorgte dafür, zwischen der koreanischen pragmatischen Diplomatie und der chinesischen Diplomatie, Unterschiede zu akzeptieren und ein gemeinsames Ziel anzustreben, eine Schnittstelle zu finden.
Durch die Entwicklung der chinesischen Technologien entwickelten sich die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Korea und China von der vertikalen Arbeitsteilung hin zu einer horizontalen Kooperation – vor allem im Bereich Spitzenindustrien wie KI.
Darüber hinaus wurden beim bilateralen Treffen 15 Absichtserklärungen abgeschlossen, darunter ein MOU über die Schenkung eines Paares steinerner Löwenstatuen, eines chinesischen Kulturerbes, an China. Dazu wird prognostiziert, ein regelmäßiges Konsultationsgremium zwischen dem koreanischen Ministerium für Handel, Industrie und Energie und dem chinesischen Handelsministerium einzurichten, Investitionen zwischen den Industriegebieten beider Länder zu fördern und ein MOU über digitale Technologien abzuschließen.
Zwar gibt es angesichts der Beziehungen zwischen Nordkorea und China keine gemeinsame Erklärung über die Denuklearisierung auf der koreanischen Halbinsel, aber Präsident Lee bat Xi um die vermittelnde Rolle der chinesischen Regierung in Bezug auf die nordkoreanische Nuklearfrage und die Förderung des Friedens auf der koreanischen Halbinsel.
Darauf reagierte die chinesische Regierung positiv und schätzte die Bemühungen der koreanischen Regierung hoch ein. Es besteht Spielraum dafür, dass China seine konstruktive Rolle zur Unterstützung des Erfolgs der Gespräche zwischen Korea und Nordkorea sowie zwischen Nordkorea und den USA spielt.
Es scheint, dass Präsident Lee langfristig an der Denuklearisierung auf der koreanischen Halbinsel festhält, aber er kam kurzfristig zu dem vorläufigen Schluss, dass ein Kompromiss, bei dem Nordkorea für den Nuklearstopp eine Gegenleistung erhält, realistisch ist. Seine Worte fanden die Zustimmung von China und Xi sagte, man wolle die Ehrlichkeit der koreanischen Regierung an Nordkorea zu vermitteln.
Es werde für die vollständige Aufhebung des sogenannten Hallyu-Verbots der chinesischen Regierung zwar Zeit erfordern, aber es werde erwartet, dass zuerst als erster Schritt der Austausch im Bereich Go-Spiel und Fußball erweitert wird und über die Vorführung der koreanischen Serien und Filme allmählich diskutiert wird. Was die chinesische Stahlkonstruktion im Westmeer angeht, wird innerhalb dieses Jahres eine Sitzung über die Ziehung einer Mittellinie innerhalb der Provisional Measures Zone (PMZ) abgehalten.
Wahre Stärke der pragmatischen Diplomatie Koreas
Das Wichtigste beim Gipfeltreffen war es, dass die beiden Staats- und Regierungschefs nicht nur eine solide Grundlage ihres Vertrauens aufbauten, sondern sich auch auf die vollständige Wiederherstellung ihrer Beziehungen verständigten. Besonders gibt ihr Wille, die feindselige Stimmung zwischen den beiden Ländern zu überwinden, eine wichtige Kraft für die Schaffung der soliden Grundlage ihrer Zusammenarbeit.
Darüber hinaus drückte der koreanische Präsident seinen Respekt für die “Ein-China-Politik” aus und betonte die Sicherung der atomgetriebenen U-Boote Koreas. Dazu schlug er die gemeinsame Rettungsübung der beiden Marinen vor. Dies wird als Demonstration der strategischen Autonomie Koreas interpretiert, wobei das koreanisch-US-amerikanische Bündnis als der Grundsatz für die koreanische Außenpolitik gesetzt und die Kooperation mit Nachbarländern aufrechterhalten wird.
Gleichzeitig waren sich Lee und Xi einig, dass die beiden Länder eine Geschichte über den Kampf gegenüber äußeren Feinden teilen. Mittlerweile fand Lee mit seiner zurückhaltenden diplomatischen Rhetorik eine ausgewogene Balance, ohne Japan unnötig zu provozieren. Es wird erwartet, dass die pragmatische Diplomatie von Lee beim Gipfeltreffen zwischen Lee und der japanischen Premierministerin Sanae Takaichi ihre wahre Stärke zeigen wird.
Hong Hyun-Ik, der ehemalige Präsident der Koreanischen Nationalen Diplomatischen Akademie, forscht seit 1997 am Sejong-Institut zur nationalen Sicherheit und Strategie in Bezug auf die nordkoreanische Nuklearfrage, die innenkoreanischen Beziehungen, das koreanische-US-amerikanische Bündnis, die Beziehungen zwischen Korea und Russland sowie den Aufbau des Friedenssystems auf der koreanischen Halbinsel.