Der 21-jährige koreanische Ballerino Minchul, der erste Solist im Mariinski-Ballett, tanzt auf der Bühne mit dem Stück “Dornröschen” ⓒ Natasha Razina von Mariinski-Ballett
Von Aisylu Akhmetzianova/korea.net und Mariia Solodkova/Ehrenberichterstatterin aus Russland
„Mein größtes Ziel ist es, bis zum Ende glücklich zu tanzen und zu einem sich entwickelnden Tänzer zu werden.”
Der 21-jährige koreanische Ballerino Minchul Jeon setzte seinen Traum in die Realität um, wie er gesagt hatte. Er trat dem weltberühmten Mariinski-Ballett Russlands als erster Solist bei. Damit wurde er nach Kimin Kim der zweite koreanische Ballerino, der ins Mariinski-Ballett aufgenommen wurde.
Am 25. November machte Korea.net mit Mariia Solodkova, der russischen Ehrenberichterstatterin, im Mariinski-Theater in Sankt Petersburg, Russland, ein Interview mit Jeon.
Minchul Jeon, der erste Solist des Mariinski-Balletts (rechts), spielt im Ballett “Giselle” die männliche Rolle Albrecht ⓒ Mikhail Vilchuk von Mariinski-Ballett
- Wie haben Sie mit dem Ballett angefangen?
Als ich Kind war, habe ich eine Ballettaufführung im Fernsehen gesehen und meiner Mutter gesagt, dass ich Ballett lernen möchte. Bevor ich Ballett machte, habe ich den koreanischen traditionellen Tanz gelernt. Mein Vater war zunächst dagegen. Aber als er gesehen hat, wie ich das Ballett wirklich liebte, erlaubte er mir, mit Ballett anzufangen.
- Wie haben Sie sich gefühlt, als Sie gehört haben, dass Sie als erster Solist ins Mariinski-Ballett aufgenommen wurden?
Als ich die Nachricht zum ersten Mal gehört habe, habe ich vergessen, was ich sagen sollte. Ich war sehr glücklich, aber konnte nur “Spasiba (vielen Dank)” sagen, da ich damals kein Russisch konnte.
Mein Traum als Kind war es, dem Mariinski-Ballett beizutreten. Es freute mich viel mehr, dass ich die Chance, als erster Solist zu tanzen, bekommen habe. Auch wenn ich als Mitglied des Corps de Ballett aufgenommen wurde, war ich sehr dankbar. Daher tanze ich mit großer Verantwortung.
- Was war für Sie das Schwierigste beim Ballett?
Da ich relativ spät, also mit 13 Jahren, mit Ballett angefangen habe, habe ich immer gefühlt, dass ich im Vergleich zu anderen Schülern viel weniger Erfahrung hatte. Jedoch als ich an einem Ballett-Wettbewerb in den USA teilgenommen habe, habe ich gesehen, dass ausländische Schüler unabhängig von ihren Leistungen das wirklich von ganzem Herzen genossen. Seitdem habe ich beschlossen, ohne an andere zu denken und meinen eigenen Weg zu gehen.
- An welchen Moment im Ballett erinnern Sie sich am meisten?
Es ist die Ballettaufführung “Schwanensee” von Kimin Kim und Viktoria Tereshkina, die ich zum ersten Mal nach dem Eintritt ins Mariinski-Ballet gesehen habe. Ich war so bewegt, dass ich weinen musste. Dadurch wurde es mir klar, dass ich auf dieser Bühne tanzen möchte.
- Was ist für Sie am wichtigsten, wenn Sie auf der Bühne stehen?
Das Wichtigste ist Authentizität und Ernsthaftigkeit. Als ich jünger war, habe ich am Tag meiner Aufführung viel Wert auf das Ergebnis gelegt. Nun habe ich gelernt, dass es noch wichtiger ist, was ich beim Üben lerne und wie sehr ich mich weiterentwickle.
- Welchen Unterschied gibt es zwischen dem koreanischen und dem russischen Ballett?
In Korea werden in einer Saison normalerweise sechs Stücke gelegentlich dargeboten. Im Gegenteil dazu werden in Russland Aufführungen jeden Tag stattfinden. Dadurch lerne ich, wie ein erster Solist mit seiner Kraft und seinem Tanz ein ganzes Stück leiten kann.
Der koreanische Ballerino Minchul Jeon tanzt auf der Bühne im Ballett “La Bayadère” ⓒ Mikhail Vilchuk von Mariinski-Ballett
- Wie reagierten die Zuschauer auf Ihren ersten Auftritt in Russland?
Bei meinem ersten Auftritt auf der Bühne war ich sehr nervös. Um ehrlich zu sein, macht jeder Auftritt mich nervös. Zum Glück reagierte das russische Publikum mit großem Applaus und Jubeln. Nach der Aufführung warteten die russischen Zuschauer, um mir zu sagen, dass es wunderschön war. Das hat mir viel Kraft gegeben.
- Welche Tipps hat Kimin Kim Ihnen gegeben?
Er hat mir gesagt: „Mach jede Rolle nicht nur einfach auswendig, sondern mach jeden Charakter zu deinem eigenen”, was in meiner Erinnerung am meisten bleibt. „Es könnte sein, dass manche Rollen leicht sind und andere Rollen schwierig sind. Aber in diesem Prozess wirst du zu einem qualifizierten Tänzer.” Dieser Ratschlag hat mich besonders inspiriert.
- Wie kommunizieren Sie im Mariinski-Ballett?
Im Moment lerne ich Russisch, aber es ist wirklich schwer. Aber ich lerne fleißig, um Russisch zu beherrschen, da ich in Russland arbeite.
- Welche Botschaft oder Emotionen möchten Sie an das Publikum vermitteln?
Immer wenn ich ein Ballett sehe, empfinde ich große Freude und Trost. Ich hoffe, dass das Publikum diese Gefühle ebenfalls spüren. Daher möchte ich eine Aufführung zeigen, die lange im Herzen bleibt.
- Was ist Ihr Ziel in Zukunft?
Mein lang gehegter Wunsch ist es, mit dem Ballett “Romeo and Juliet” auf der Bühne zu stehen. Dazu möchte ich bis zum Ende glücklich tanzen. Egal an welchem Stück ich teilnehme und ob es leicht oder schwer ist, möchte ich in diesem Prozess Glück finden und genießen. Ich werde zu einem Tänzer, der immer lernt und sich immer weiterentwickelt.
aisylu@korea.kr