Kim Young-mi meisterte die Seven Summits der Welt 2008 im Alter von 28 Jahren. Im letzten Jahr nahm sie an der 15.000 Kilometer langen Fahrradtour „One Korea, New Eurasia” teil, die von Berlin nach Seoul führte.
„Wenn ich über die Berge spreche, bin ich so aufgeregt", sagte Kim mit einem breiten Lächeln.
„Der wichtigste Punkt ist nicht das Erreichen des Gipfels, sondern der Prozess, in dem man den Berg entdeckt und findet“, sagt Kim.
- Sie haben im letzten Jahr erfolgreich die 15.000 km lange „New Eurasia…“-Fahrradtour absolviert. Sie hat mehr als drei Monate gedauert und Sie waren das einzige weibliche Teammitglied. Gab es irgendwelche Schwierigkeiten? Wenn ja, wie haben Sie sie überwunden?
Es gab keine besonderen Schwierigkeiten, die sich daraus ergeben hätten, dass ich die einzige Frau war. Alle Probleme entstanden im Umgang untereinander. Wenn wir unterschiedlicher Meinung waren oder Konflikte hatten, konnte es zu Schwierigkeiten kommen, aber wir haben diese Probleme immer durch Dialog und gegenseitiges Verständnis gelöst. Als ich die Reise begann, war es für mich ein neues Gefühl, mit dem Fahrrad über flaches Land zu fahren, da ich daran gewöhnt bin, hohe Berge zu besteigen.
- Woher nehmen Sie Ihre Energie?
Ich denke, dass sie von meinen Beziehungen zu den Menschen herrührt. Als ich 2008 vom Mt. Everest nach Korea zurückkam, nachdem ich erfolgreich die Seven Summits der Welt bestiegen hatte, hielten mir die Mitglieder meiner Familie und meine Verwandten die Hand, umarmten mich und streichelten meine Wange. Ich fühlte, wie warm ihre Hände waren und dachte: „Ich habe einen so weiten Weg zurückgelegt, um ihre Wärme zu spüren.“
- Wann haben Sie mit dem Bergsteigen begonnen? Was hat Sie dazu veranlasst, das Bergsteigen zu einem Teil Ihres Lebens zu machen?
Bis zu meinem Abschluss an der Oberschule lebte ich in Yongypeong, Gangwon-do (Provinz Gangwon). Für mich waren die Berge ein natürlicher Teil des Lebens und Spielens, als ich ein Kind war. Als ich meinen Uniabschluss machte, dachte ich, dass ich etwas tun solle, das mein Herz schneller schlagen und mich die Bedeutung des Lebens erkennen lässt. Die Berge waren meine Antwort. Für mich sind die Berge das Medium, das mich über das Leben und die Art zu leben lernen lässt.
- Was sind in Ihren Augen die eindrucksvollsten Berge? Und was war auf der anderen Seite die schwierigste Bergsteigerroute für Sie?
Ich würde sagen, der Gasherbrum II (8035 Meter) in Pakistan. Er ist der zwölfthöchste Berg der Welt. Ich habe ihn vier Male besucht, was selten ist. Als ich das erste und zweite Mal dorthin ging, bin ich nicht bis zum Gipfel gestiegen, da ich dachte, dass ich dafür mehr Training brauche. Bei meinem dritten Besuch stürzte Go Mi-young ab, nachdem sie den Gipfel des Nanga Parbat erreicht hatte. Wir haben uns dann alle von dem Berg zurückgezogen. Als ich das vierte Mal dorthin kam, wurden wir von einer Gruppe taiwanesischer Bergsteiger um Hilfe gebeten, die sich früher zu dem Berg aufgemacht hatten. Wir retteten sie und kamen sicher unten an. Ich bereue es nicht, dass ich es nicht bis zum Gipfel geschafft habe, da wir Menschenleben gerettet haben, was am wichtigsten ist.
- Was war Ihr bedeutendster Moment, wenn Sie auf Ihr Leben als Bergsteigerin zurückblicken?
Vor zwei oder drei Jahren als ich den Amphu 1 (6840 Meter) im Himalaya bestiegen habe, fand ich am Wegesrand einen großen See. Es war überraschend, dass so ein großer, friedlicher See in solchen Höhen existierte. Ein Gefühl der Erleichterung überschwemmte mich wie eine Flut, als ob ich alle meine Stärke verloren hätte, als ich nach dem Abstieg wieder im Basislager ankam. Uns fehlen nach dem Abstieg gewöhnlich die Worte, weil wir nervös sind und uns in den Bergen auf das Klettern konzentrieren. In diesem Moment ist es mir gelungen, einen freundlichen Gesichtsausdruck zu machen und alle anzulächeln.
- Einige betrachten das Bergsteigen als eine schwierige oder gefährliche Angelegenheit. Was ist der Grund dafür, dass die Leute in die Berge gehen?
Ich nehme an, dass Berge eine besondere Energie ausstrahlen. Es ist nicht richtig, einen Berg als Zielobjekt zu betrachten, um einen Rekord zu erreichen oder eine Eroberung zu machen. Wir sollten zu einem Berg gehen, um etwas zu fühlen, und dann zurückkommen. Wenn wir auf die Spitze eines Berges steigen, entdecke ich, wie wertvoll die kleinen Dinge sind, die ich vorher nicht erkennen konnte. Ich nehme an, dass die Leute aus diesen Gründen in die Berge gehen.
- Was ist Ihrer Ansicht nach der Charme des Bergsteigens?
Ich denke, dass das Bergsteigen eine Form der komplexen Kunst ist, weil es alles fordert – mentale und körperliche Stärke, günstiges Wetter und gute Ausrüstung. In dem Bergsteigerclub, dem ich an der Universität beitrat, waren die wichtigsten Werte der Clubmitglieder Demut und Ehrlichkeit. Diese Werte haben uns gelehrt, uns selbst ohne Arroganz vor den Bergen kleinzumachen. Beim Aufstieg kann ich eine neue Lektion über die Natur lernen.
- Welche Orte würden Sie internationalen Touristen empfehlen, die die Berge lieben?
In Seoul wäre der Bukhansan der Berg meiner Wahl, da er leicht mit dem öffentlichen Nahverkehr wie der U-Bahn zu erreichen ist. Wenn sie mehr Zeit haben, empfehle ich ihnen den Berg Seoraksan, weil er mein Favorit ist und weil die Leute das Nationale Gebirgsmuseum in Sokcho besuchen können. Wenn sie länger bleiben können, würde ich den Berg Hallasan empfehlen.
- Wer sind Ihre Vorbilder?
Ich würde sagen, die älteren Mitglieder meines Bergsteigerclubs an der Universität, die mir etwas über die Berge beibrachten, als ich nichts über sie wusste. Diese Lehrer sind nicht weit von uns entfernt. Für mich ist das gemeinsame Bergsteigen, während der Schweiß fließt, eine sehr wertvolle Erfahrung.